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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Februar / Friedrich Ebert gestorben

28.02.1925: Reichspräsident Friedrich Ebert gestorben

Friedrich Ebert (um 1918)

Vor achtzig Jahren, in den Morgenstunden des 28. Februar 1925, starb Friedrich Ebert, der erste demokratisch gewählte Präsident Deutschlands, im Alter von 54 Jahren in Berlin. "Es wäre ungerecht zu behaupten, dass das Amt meinem Vater nur schwere Stunden gebracht hat", schrieb Eberts Tochter Amalie später. "Mir, der Tochter, stehen aber gerade die letzten Monate seiner Präsidentschaft, die Zeit seiner Krankheit und der vorangegangenen seelischen Depression infolge der gegen ihn planmäßig betriebenen Hetze so nahe vor Augen, dass es mir schwer fällt, auch die freudigen Tage seiner Amtszeit in meiner Erinnerung wachzuhalten." Gemeint war damit vor allem der Magdeburger Prozess des Reichspräsidenten - einer von vielen Prozessen, die Friedrich Ebert als Reichspräsident gegen die Verleumdungen von Seiten der politischen Rechten führen musste. In diesem Verfahren war der Angeklagte zwar wegen Beleidigung des Reichspräsidenten verurteilt worden, zugleich aber hatte das Gericht in seinem Urteil vom 23. Dezember 1924 erklärt, dass Friedrich Ebert als sozialdemokratischer Parteivorsitzender durch seine Beteiligung am Januarstreik 1918 während des Ersten Weltkriegs in Berlin vom strafrechtlichen Gesichtspunkt aus Landesverrat begangen habe. Friedrich Ebert, der selbst zwei Söhne durch den Krieg verloren hatte, fühlte sich dadurch zutiefst in seiner Ehre getroffen. Die psychische Erschöpfung und die Inanspruchnahme durch einen Berufungsprozess in dieser Angelegenheit trugen mit dazu bei, dass er Krankheitssymptome verschleppte und im Februar an den Folgen einer Blinddarmentzündung starb.

Friedrich Ebert, "ein Sohn des Arbeiterstandes", wie er sich selbst nannte, wurde am 4. Februar 1871 in Heidelberg als siebtes von neun Kindern eines Schneiders geboren. Nach dem Besuch der Volksschule machte er eine Sattlerlehre, die er kurz vor dem Abschluss wegen einer Misshandlung durch den Lehrherrn verließ. Wie in dieser Zeit üblich, ging er anschließend auf Wanderschaft. Dabei erfuhr er bald, wie stark das Leben der Arbeiter und Gesellen durch soziale Unsicherheit, Rechtlosigkeit und politische Benachteiligung geprägt war. Ebert wurde Gewerkschaftsmitglied und schloss sich den Sozialdemokraten an, die im deutschen Kaiserreich als "vaterlandslose Gesellen" diffamiert wurden. In Bremen, wo sich Ebert ab 1891 für mehrere Jahre niederließ und eine Gastwirtschaft pachtete, übte er bald zahlreiche gewerkschaftliche Funktionen und Parteiämter aus, u.a. war er Redakteur an der "Bremer Bürgerzeitung" und Vorsitzender des lokalen Sattlerverbandes. Ab 1900 wurde er vom örtlichen Gewerkschaftskartell zum Arbeitersekretär bestimmt, im gleichen Jahr erfolgte seine Wahl in die Bremer Bürgerschaft. Innerhalb der SPD war Ebert in den folgenden Jahren auch auf Reichsebene ein rascher Aufstieg beschieden. Nachdem er 1905 zum Sekretär des SPD-Parteivorstandes gewählt worden war, übersiedelte er nach Berlin. 1912 zog er für den Wahlkreis Barmen-Elberfeld in den Reichstag ein und 1913, nach dem Tod August Bebels, wurde Ebert einer der beiden Parteivorsitzenden der SPD. Innerhalb der Sozialdemokratie repräsentierte Ebert im Vergleich zu den "Gründervätern" der Partei jene jüngere Generation von Arbeitervertretern, die sich weniger durch visionäre gesellschaftliche Entwürfe als durch Effizienz, Beharrlichkeit und nüchternes Organisationstalent auszeichnete. In den innerparteilichen Auseinandersetzungen um Theorie und Praxis der Sozialdemokratie trat Ebert trotz seiner herausragenden Stellung wenig hervor. Während des Ersten Weltkrieges versuchte er zunächst die Partei zusammenzuhalten, doch die an die sozialistischen und ethischen Grundüberzeugungen rührenden Fragen der Zustimmung zu den Kriegskrediten, zum Krieg generell, zur "Burgfriedenspolitik" und den bürgerlichen Parteien führten schließlich zum Bruch. Nachdem Ebert ab 1916 bereits Mitvorsitzender der SPD-Fraktion geworden war, amtierte er nach der Spaltung der Partei in Mehrheitssozialdemokraten und Unabhängige (USPD) ab 1917 als alleiniger Vorsitzender der Mehrheitssozialdemokratie (MSPD). Schon während des Krieges fiel Ebert eine wichtige Rolle in der Innenpolitik zu. Als die wachsende Kriegsmüdigkeit zu Streiks und Massenprotesten führte, trat er 1918 in die Streikleitung in Berlin mit der Absicht ein, die Bewegung in geordneten Bahnen zu halten und rasch zum Ende zu bringen - es war dieser Entschluss, der ihm später als "Landesverrat" ausgelegt wurde. Es entsprach auch Eberts Verantwortungsbewusstsein, dass er sich unter dem Eindruck des militärischen Zusammenbruchs verpflichtet fühlte, den Eintritt von Sozialdemokraten in die Regierung unter Prinz Max von Baden zu befürworten. "Es wäre für uns gewiß bequemer gewesen, draußen zu stehen und unsere Hände in Unschuld zu waschen", erklärte er am 22. Oktober 1918 im Reichstag. "In der Schicksalsstunde des deutschen Volkes wäre aber eine solche Politik vor der Geschichte, vor der Nation und vor der deutschen Arbeiterklasse nie und nimmer zu verantworten. [...] Wir wissen, was wir mit unserem Schritt gewagt haben. Gelingt es uns aber, durch unseren Entschluß die Schauer des Krieges auch nur um einige Tage zu verkürzen und dadurch Zehntausenden unserer Soldaten das Leben zu retten, so wäre uns das Rechtfertigung und Genugtuung genug." Als die revolutionäre Bewegung nach dem Matrosenaufstand in Kiel auch die Reichshauptstadt Berlin erreichte, übergab Max von Baden Friedrich Ebert am 9. November 1918 das Amt des Reichskanzlers. Am selben Tag wurde die Republik ausgerufen. Die Revolutionsregierung, der "Rat der Volksbeauftragten", deren Vorsitz Ebert gemeinsam mit dem USPD-Vertreter Hugo Haase übernahm, verfügte über weitreichende Kompetenzen. Dies war die Grundlage dafür, dass nun einige längst überfällige demokratische und soziale Reformen verkündet werden konnten; zu ihnen zählten neben einer Reihe sozialpolitischer Maßnahmen u.a. die Einführung des Acht-Stundentags und die Schaffung eines allgemeinen gleichen Wahlrechts für alle parlamentarischen Vertretungen im Reich unter Einschluss des Frauenwahlrechts. Eine weitergehende Umgestaltung der Gesellschaft, insbesondere umfassende Sozialisierungsmaßnahmen, wie sie auch innerhalb der Arbeiterbewegung erwartet wurden, lehnte Ebert jedoch ab. Er strebte danach, die revolutionäre Situation möglichst rasch zu beenden und eine demokratisch gewählte verfassunggebende Nationalversammlung einzuberufen. Eberts Befürchtungen vor einem Versinken des Landes in Hungersnot und politischem Chaos veranlassten ihn, die Kooperation mit den alten Eliten des Kaiserreichs - Militär, Bürokratie und Unternehmerschaft - anzustreben. Am 11. Februar 1919 wurde er durch die Nationalversammlung zum Reichspräsidenten gewählt. Er hatte dieses Amt bewusst angestrebt, um der Sozialdemokratie auch über einen längeren Zeitraum einen Anteil an der politischen Macht zu sichern und die Demokratie durch den Einsatz aller ihm zur Verfügung stehenden Instrumente zu sichern. Er selbst sah im Reichspräsidentenamt, auf dessen überparteilichen Charakter er großen Wert legte, und dem er durch einen betont schlichten und demokratischen Amtsstil eine angemessene Würde zu verleihen suchte, ein Symbol für das von ihm erhoffte Bündnis von Arbeiterschaft und Bürgertum. Diese Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht. Der Einsatz des Militärs bei den Unruhen 1918/19, Schwierigkeiten bei der Durchsetzung sozialer und wirtschaftlicher Reformen und die ausbleibende Sozialisierung führten zu einer Entfremdung großer Teile der Arbeiterschaft von der Republik. Zugleich gab es im Bürgertum und im Beamten- und Justizapparat einflussreiche Gegner der neuen demokratischen Ordnung, die durch eine systematische Bekämpfung des republikanischen Staates und seiner Repräsentanten zur Aushöhlung der Demokratie beitrugen. Eberts Amtszeit war durch eine Reihe schwerer innen- und außenpolitischer Krisen geprägt. Ihm und der Sozialdemokratie wurden gerade von den Kräften, die den Krieg verursacht hatten, die Verantwortung für den als "Schmachfrieden" bezeichneten Friedensvertrag von Versailles zugeschoben. Nach Eberts Tod wurde der greise Feldmarschall Paul von Hindenburg, ein Exponent der militärischen Führungsschicht des Kaiserreichs, der die parlamentarische Demokratie im Grunde ablehnte, zum Nachfolger gewählt. Acht Jahre später übertrug dieser Hitler das Amt des Reichskanzlers. Weitere Informationen zu Friedrich Ebert

  • im AdsD:
    zum Nachlass siehe unter "Bestände" hier
    Fotos zu Friedrich Ebert siehe unter "Download-Gallerie" hier

  • in der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung:
    Friedrich Ebert 1871-1925 (Haupttexte einer Ausstellung) hier