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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / März / Friedrich Ebert Stiftung gegründet

02.03.1925: Friedrich-Ebert-Stiftung gegründet

Friedrich Ebert (um 1918)

Die Gründung der Friedrich-Ebert-Stiftung geht auf einen Aufruf des SPD Parteivorstands zurück: In Gedenken an Friedrich Ebert, dem ersten demokratisch gewählten Reichspräsidenten der ersten deutschen Republik, sollten statt Kranzspenden zu seiner Beerdigung Gelder für eine Stiftung, die der Förderung begabter Arbeiterkinder dienen sollte, aufgerufen.

Die Bedeutung dieses Aufgabenfeldes hatte Ebert und mit ihm die deutsche Sozialdemokratie auch und gerade in den ersten Jahren der Weimarer Republik immer wieder erfahren müssen. Die Probleme waren ihnen nur allzu bewusst: Die Kontinuität von vor-, wenn nicht anti-demokratischem Denken in der Weimarer Republik, der aggressive Nationalismus, der in den Ersten Weltkrieg geführt hatte und das politische Klima der 1920er Jahre vergiftete und der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs vor allem aus der Arbeiterschaft für Spitzenpositionen in Staat und Gesellschaft.In Erfüllung dieses Vermächtnisses beschloss der Parteivorstand der SPD am 2. März 1925 im Einverständnis mit der Familie Ebert die Gründung einer Friedrich-Ebert-Stiftung. Das Grundkapital bildeten Geldspenden, die anstelle von Kränzen und Blumen zur Trauerfeier erbeten wurden. Aus diesem Vermögen, das vom Parteikassierer Konrad Ludwig verwaltet wurde, erhielten begabte Jugendliche aus Arbeiterfamilien finanzielle Unterstützung auf dem Weg zum Abitur und im Studium. Bis Ende 1931 konnten insgesamt 295 Stipendiaten, darunter 113 "Arbeiter-Studenten" an Universitäten, von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert werden; dann war das Kapital in Höhe von 51.960,50 RM "völlig erschöpft". Die Friedrich-Ebert-Stiftung war Teil des Geflechtes der sozialdemokratischen Kultur- und Bildungseinrichtungen, das in den 1920er Jahren aufgeblüht war, das jedoch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten - zusammen mit der SPD und den Freien Gewerkschaften - im Frühjahr 1933 zerschlagen wurde.

v.l.n.r.: Roland Schmidt, Anke Fuchs, Wolfgang Thierse, Dieter Dowe in der Ausstellung 80 Jahre FES (2005)
© AdsDWiedergründung nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur

Bereits wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Diktatur wurde die Friedrich-Ebert-Stiftung wiedergegründet, und zwar auf der Gründungsversammlung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) am 6. September 1946. Zunächst entschied der SDS-Vorstand über die Vergabe der Fördermittel an bedürftige Studenten. Damit war die Friedrich-Ebert-Stiftung eher eine Art Fonds, um dessen zielgerichtete Verwendung sich eine Gruppe von Personen kümmerte, nicht jedoch eine feste Institution. Genau um die Schaffung einer solchen ging es aber im folgenden Jahrzehnt immer wieder, um die Gründung einer unabhängigen und selbständigen Institution.

Dieser Schritt wurde am 1. Februar 1954 getan, als die "Friedrich-Ebert-Stiftung zur Förderung demokratischer Volkserziehung" als gemeinnütziger Verein gegründet wurde. Ausschließliches Vereinsziel war es, "die demokratische Erziehung des deutschen Volkes zu fördern". Erster Vorsitzender war Prof. Dr. Gerhard Weisser, sein Stellvertreter der SPD-Schatzmeister Alfred Nau. Als erste Bildungsstätte der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde, genau 31 Jahre nach dem Todes Friedrich Eberts, am 28. Februar 1956 in Anwesenheit von Bundespräsident Theodor Heuss die Heimvolkshochschule in Bergneustadt eingeweiht. Am 1. April 1956 wurde Dr. Günter Grunwald Leiter des Kulturpolitischen Referats im Parteivorstand der SPD und dann Geschäftsführer der Friedrich-Ebert-Stiftung. Unter seiner Leitung begann - bei aller weltanschaulichen Nähe zu den Grundwerten der Sozialdemokratie - die organisatorische Verselbständigung der Friedrich-Ebert-Stiftung und ihre Entfaltung zu ihrer heutigen Gestalt und Größe.

Zunehmende Aufgabenvielfalt

Augenfällig dokumentiert wurden Aufgabenvielfalt und Größe der Friedrich-Ebert-Stiftung im Jahre 1969 mit der Einweihung der Stiftungszentrale in Bonn-Bad Godesberg, die in zwei Schritten - 1985 und 1990 - erweitert wurde. Nach der deutschen Einheit wurde mit der Errichtung eines Hauses der Friedrich-Ebert-Stiftung auch in Berlin eine doppelte Struktur aufgebaut, die sich bewährt hat.

Unter Dr. Grunwald und seinen Nachfolgern Dr. Horst Heidermann, Dr. Jürgen Burckhardt und Dr. Roland Schmidt sowie den Vorsitzenden Alfred Nau, Heinz Kühn, Holger Börner und Anke Fuchs gewann die Friedrich-Ebert-Stiftung neue Aufgabenfelder hinzu: Die Studienförderung wurde ausgebaut und auf Ausländer ausgeweitet; zahlreiche Bildungsstätten wurden errichtet und schließlich darüber hinaus weitere Möglichkeiten zur Vermittlung politischer Bildung erschlossen, die, koordiniert von den Landesbüros, heute in zunehmendem Maße dezentral organisiert wird. Außerdem wurde ein eigenes Forschungsinstitut mit großem Archiv, reichhaltiger Bibliothek und eigener Forschungsabteilung eingerichtet. In Bonn wie in Berlin bietet die Friedrich-Ebert-Stiftung zahlreichen Veranstaltungen und Seminaren ein Forum für Information und Meinungsaustausch zu den drängenden Problemen der Zeit.

Susanne Miller und Annemarie Renger während der Feierstunde zur 80-Jahr Feier in Bonn (2005)
		  © AdsD Seit Beginn der sechziger Jahre engagiert sich die Friedrich-Ebert-Stiftung verstärkt auf dem Gebiet der internationalen Entwicklungszusammenarbeit. Gemäß ihrem Satzungszweck, "die internationale Zusammenarbeit im demokratischen Geiste zu fördern", weitete sie diese Arbeit regional und thematisch immer weiter aus. Gleichberechtigt neben die Förderung der internationalen Kooperation trat - in Zusammenarbeit mit Partnern in den jeweiligen Ländern - die Unterstützung beim Ringen um Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit, Freiheitsrechte, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Gerechtigkeit.

Heute ist die Friedrich-Ebert-Stiftung eine im nationalen und internationalen Rahmen engagierte Einrichtung, die sich den Grundwerten der deutschen Sozialdemokratie verpflichtet weiß, aber selbständig und unabhängig handelt. Ihr Ziel ist nicht Parteischulung, sondern staatsbürgerliche Bildung; nicht Beihilfe zur Machteroberung einer bestimmten politischen Partei, sondern Demokratieförderung; nicht das Schmieden von Meinungen, sondern freier Meinungsaustausch, also insgesamt Sicherung und Ausbau der Demokratie.
Weitere Informationen zu Friedrich Ebert

  • im AdsD:
    zum Nachlass siehe unter "Bestände" hier
    Fotos zu Friedrich Ebert siehe unter "Download-Gallerie" hier

  • in der Digitalen Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung:
    Friedrich Ebert 1871-1925 (Haupttexte einer Ausstellung) hier