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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Oktober / Gründungskongess des DGB in München

12. bis 14.10.1949: Gründungskongress des DGB in München

Der Wiederaufbau der Gewerkschaften hatte sich abhängig von den Vorstellungen der Besatzungsmächte in den jeweiligen Zonen unterschiedlich entwickelt. Um jedoch die Voraussetzungen für einen einheitlichen Dachverband zu schaffen, mussten sich die bisherigen Zonen- und Landesgewerkschaften verschmelzen und als Industriegewerkschaften neu gründen. Parallel dazu mussten sich auch die bisherigen Dachorganisationen (Gewerkschaftsbünde) in den Besatzungszonen auflösen. Nach Abschluss dieses Konstituierungsprozesses konnten vom 12. bis 14. Oktober in München 487 Delegierte aus allen Einzel- und Industriegewerkschaften zusammentreten, um die Gründung eines Dachverbandes zu beraten.

Am 13.10.1949, dem zweiten Verhandlungstag des Gründungskongresses des DGB, wurde um 18 Uhr in einem feierlichen Akt die Gründung des DGB für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland vollzogen. Vor der Unterzeichnung der Gründungsurkunde durch die Mitglieder und Sekretäre des Gewerkschaftsrates, der Vorsitzenden der sechszehn Gewerkschaften und der Delegierten machte Hans Böckler folgende Ausführungen: „Der historische Augenblick ist nun gekommen. Wir sind mit unseren Beratungen bereits so weit fortgeschritten, dass wir ruhig die Gründung des von uns beabsichtigten Bundes vornehmen können. Es ist notwendig, dass wir zuvor einen Beschluss fassen, einen Beschluss des Wortlautes: Der vom Gewerkschaftsrat einberufene Kongress beschließt die Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Haben Sie alle den Beschlussentwurf vernommen? (Ja-Zurufe) Sind Sie sich klar über seinen Inhalt? (Ja-Zurufe) Dann kommen wir zur Abstimmung.“

Unter langanhaltendem Beifall beschloss der Kongress einstimmig die Gründung des DGB.

Mit diesem Beschluss wurde die Wiederaufbauphase der Gewerkschaften nach 1945 abgeschlossen. Jedoch die Zielvorstellungen mancher Gewerkschaftsaktivisten der ersten Stunde, dass eine einheitliche nationale Gewerkschaftsorganisation eine maßgebliche Rolle bei der wirtschaftlichen und politischen Neuordnung Deutschlands übernehmen würde, erfüllte die DGB-Gründung nicht. Die nationale Einheit war dahin, und eine organisatorische Vereinigung aller Gewerkschaften war auch nur unvollkommen verwirklicht, da die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft das Industrieverbandsprinzip nicht akzeptierte und sich mit ihren 230.000 Mitglieder außerhalb des DGB stellte ebenso wie Teile der Beamtenschaft, die auf eine gesonderte Organisation (Deutscher Beamten Bund) beharrten.

In der auf diesem Kongress verabschiedeten Satzung wurden dem DGB zwei Kernaufgaben zugesprochen. Zum einen die Koordination nach innen und zum anderen die Vertretung der allgemeinen politischen Interessen der Mitgliedschaft nach außen. Des weiteren gestand die Satzung dem Bund weitreichende Koordinations-, Interventions-, Schieds- und Kontrollfunktionen gegenüber seinen Mitgliedsgewerkschaften zu. Darüber hinaus sollte der Bund zuständig sein für die innergewerkschaftliche Bildungsarbeit, die gewerkschaftliche Werbung und für das Management der gemeinwirtschaftlichen Unternehmen im Gewerkschaftsbesitz.

Neben dieser Satzung verabschiedete der Kongress ein Grundsatzprogramm welches eigentlich kein zusammenhängendes Programm, sondern ein breitgefasster Katalog von Grundsätzen, Richtlinien und Forderungen war. Dieses Programm sollte der politische Orientierungs- und Handlungsrahmen bilden, für den gewerkschaftlichen Anspruch auf eine Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft in der Bundesrepublik. Neben den Gegenwartsforderungen wie Sicherung der Reallöhne und Förderung des Arbeiterwohnungsbaus wurden als Grundsatzforderungen erhoben: eine volkswirtschaftliche Gesamtplanung, die Überführung der Schlüsselindustrien in Gemeineigentum und die Mitbestimmung der organisierten Arbeitnehmerschaft in allen personellen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen der Wirtschaftsführung und –gestaltung.

Hatte bereits eine Verwirklichung der wirtschaftlichen und politischen Neuordnungsvorstellungen der Gewerkschaften durch die Politik der Besatzungsmächte erheblich gelitten, so verstärkten sie sich noch durch die ersten Bundestagswahlen, bei denen eine bürgerliche Koalition unter der Führung von Konrad Adenauer an die Regierung kam. Dadurch wurde der Spielraum der Gewerkschaften für die Realisierung Ihrer Reformvorstellungen auf dem Feld der Arbeitsbeziehungen noch weiter eingeschränkt. Zwar kündigte Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung an, die Rechtsbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern „zeitgemäß neu“ zu ordnen, aber die Auseinandersetzungen um die Montanmitbestimmung und das Betriebsverfassungsgesetz zeigten die politische Wirklichkeit.

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Weitere Informationen zu Hans Böckler finden Sie direkt hier, unter Bestände / Nachlässe und Deposita.