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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Mai / Deutschlandberichte der Sopade

17.05.1934: Deutschlandberichte der Sopade herausgegeben

Mitglieder des SOPADE-VorstandesRund einen Monat nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten nutzten diese den Reichstagsbrand, um mit großer Härte gegen die politischen Gegner vorzugehen. Mit Notverordnungen setzten sie die Weimarer Verfassung außer Kraft, was ein Verbot der gegnerischen Parteien und Gewerkschaften nach sich zog. Neben den Kommunisten, denen die Nationalsozialisten die Brandstiftung im Reichstag anlasteten, wurden besonders die Sozialdemokraten verfolgt, die seit den frühen 1920er Jahren energisch gegen die Hitler-Bewegung gekämpft hatten. Den Verfolgten drohten bei einer Verhaftung Folter und Mord. Um dem sicheren Tod zu entgehen, blieb ihnen nur die Flucht ins Exil.

Am 2. Juni 1933 beschloss dann auch der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei, seinen Sitz ins Ausland zu verlegen. Von hier aus führte er seine politische Arbeit fort und organisierte den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime.

Der SPD-Vorstand im Exil wurde nach den Anfangsbuchstaben der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Sopade genannt. Diese Bezeichnung wurde nicht nur für den Vorstand, sondern auch für SPD-Mitglieder im Exil verwandt. Als vorläufiger Sitz der Sopade-Zentrale wurde Prag, die Hauptstadt der Tschechoslowakischen Republik gewählt. Zum Vorstand der Prager Sopade gehörten die Vorsitzenden Otto Wels, Hans Vogel und Friedrich Stampfer sowie weitere Mitglieder und Mitarbeiter des Parteivorstands, unter ihnen der Sekretär der SPD-Reichstagsfraktion, Erich Rinner (1902 - 1982).

Im Auftrag des Exilvorstandes der Sozialdemokratischen Partei gab Rinner ab dem 17. Mai 1933 die Deutschlandberichte der Sopade heraus, welche über ein geheimes Berichterstattersystem die Situation im nationalsozialistischen Deutschland analysierten und Informationen verbreiteten. Diese verstanden sich als Versuch, das Ausland mit Veröffentlichungen über die wahren Verhältnisse in Deutschland zu versorgen - mit Informationen, die das nationalsozialistische Regime unterdrückte.

Durch den Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei musste die Sopade Prag verlassen und verlegte ihren Sitz nach Paris. Von dort wurde die politische Arbeit und die Herausgabe der Deutschlandberichte bis zur Besetzung Frankreichs 1940 fortgeführt.

Die Deutschlandberichte, die wegen ihrer Papierfarbe auch die "grünen Berichte" genannt wurden, erschienen bis 1936 unter dem Titel "Deutschland-Bericht der Sopade" und von 1937 bis 1940 unter dem Titel "Deutschlandberichte der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade)".

Mit der Flucht Erich Rinners in die USA 1940 endete auch die Herausgabe der Deutschlandberichte.