Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.
FES / AdsD / Das Historische Stichwort / August / Rudolf Breitscheid umgekommen

24.08.1944: Rudolf Breitscheid umgekommen

Rudolf Breitscheid, 1926

Am 24. August 1944 fielen alliierte Fliegerbomben auf das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar, die vermutlich nahe gelegenen Rüstungsbetrieben galten. Der ehemaIige Mitvorsitzende der Reichstagsfraktion der SPD, Rudolf Breitscheid, und seine Frau, die Frauenrechtlerin Tony geb. Drevermann, die in einer Sonderbaracke des Lagers festgehalten wurden, suchten Deckung in einem offenen Laufgraben, dem einzigen Schutz. Dies nutzte jedoch nichts, beide wurden unter den Trümmern der brennenden Baracke begraben. Rudolf Breitscheid, einer der führenden Köpfe der Sozialdemokratie der Weimarer Republik, starb, während seine Frau mit schweren Brandwunden weiterlebte.

Am 2. November 1874 in Köln als Sohn eines Buchhandlungsgehilfen geboren, schloss Breitscheid das Studium der Volkswirtschaft 1895 mit der Promotion ab. Danach arbeitete er als Redakteur verschiedener liberaler Zeitschriften in Hamburg und Hannover und war 1905-1908 Geschäftsführer des Handelsvertragsvereins in Berlin. 1903 trat Breitscheid der "Freisinnigen Vereinigung" bei. Ab 1904 gehörte er der Berliner Stadtverordnetenversammlung und dem brandenburgischen Provinziallandtag an. Als sich der Kurs der Freisinnigen Vereinigung als Folge der Aufnahme des von Friedrich Naumann geführten "Nationalsozialen Vereins" hin zur liberal-konservativen Blockpolitik wandelte, verließ Breitscheid die Partei und gründete 1908 zusammen mit Theodor Barth und Hellmut von Gerlach die "Demokratische Vereinigung", deren Vorsitzender er wurde. Entmutigt von der Erfolglosigkeit der Partei schloss sich Breitscheid 1912 der SPD an und arbeitete bis 1915 an Friedrich Stampfers "Pressekorrespondenz" mit. Bei der Spaltung der SPD im Laufe des Ersten Weltkriegs stellte sich Breitscheid auf die Seite der Opposition gegen die Burgfriedenspolitik und war ab 1916 Chefredakteur der "Sozialistischen Auslandspolitik", die nach dem Krieg unter dem Titel "Der Sozialist" wöchentlich als Theorieorgan der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei erschien. 1916-1918 musste Breitscheid Kriegsdienst als Armierungssoldat leisten. Von November 1918 bis Ende Januar 1919 gehörte er für die USPD als Innenminister der ersten preußischen Regierung nach der Revolution an. 1920 in den Reichstag gewählt, gehörte Breitscheid innerhalb der USPD zu den Gegnern einer Unterwerfung unter die Aufnahmebedingungen der Kommunistischen Internationale. Nach der Wiedervereinigung von (M)SPD und USPD 1922 entwickelte sich Breitscheid zum führenden Außenpolitiker seiner Partei und unterstützte die Außenpolitik von Gustav Stresemann. 1928 wurde er neben Otto Wels und Wilhelm Dittmann zu einem der drei Vorsitzenden der Reichstagsfraktion gewählt.

Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, musste Breitscheid ab Ende März 1933 über die Schweiz nach Frankreich emigrieren. Im August 1933 wurde er vom Deutschen Reich ausgebürgert. In Paris hielt er Verbindung zur Exil-SPD (Sopade), unternahm politische Auslandsreisen und arbeitete für verschiedene sozialistische Zeitungen. Angesichts der Erfolglosigkeit der bisherigen Kampfformen gegen den Nationalsozialismus näherte sich Breitscheid zeitweise der Volksfront-Idee und gehörte zu den Mitunterzeichnern des Volksfront-Aufrufs vom 21.12.1936. Nachdem die KPD im Volksfrontausschuss Willi Münzenberg durch Walter Ulbricht ersetzt hatte und die Moskauer Schauprozesse liefen, kehrte sich Breitscheid wieder von einer Zusammenarbeit mit den Kommunisten ab und zog sich aus der politischen Arbeit fast ganz zurück. Nach Ausbruch des Krieges mit Deutschland wurde Breitscheid dank der Einflussnahme von Leon Blum nicht wie andere Emigranten interniert. Nach Einmarsch der deutschen Truppen in Nordfrankreich flüchtete Breitscheid im August 1940 zusammen mit seiner Frau und seinem Leidensgenossen Rudolf Hilferding ins noch unbesetzte Südfrankreich. Ausreisebemühungen in die Schweiz oder in die USA blieben vergeblich. Am 11. Februar 1941 wurde Breitscheid zusammen mit Hilferding von den französischen Behörden an die Gestapo ausgeliefert. Nach 10 Monaten Haft und Verhören wurde von den Nationalsozialisten ein Hochverratsverfahren wegen des prominenten Namens zwar eingestellt, Breitscheid mit seiner Frau aber erst in das KZ Sachsenhausen und dann in das KZ Buchenwald überstellt.