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18.07.2005: Hannsheinz Bauer gestorben

Mit Hannsheinz Bauer starb das letzte überlebende Mitglied des Parlamentarischen Rates, der 1948-49 das Grundgesetz der Bundesrepublik schuf und dem westdeutschen Teilstaat unter der Oberaufsicht der Besatzungsmächte seine Verfassung gab.

Am 28. März 1909 in Wunsiedel in Oberfranken geboren, lebte Bauer seit seinem zweiten Lebensjahr in Würzburg. Nach dem Abitur am Realgymnasium begann er ein Jurastudium, das er, der Funktionär der sozialistischen Studentenschaft, seit 1931 SPD-Mitglied, Vorsitzender der Ortsgruppe Würzburg des Deutschen Republikanischen Studentenbundes und in den Augen der Nationalsozialisten "Halbjude", nach deren Regierungsübernahme nicht beenden konnte. Kaufmännische Tätigkeiten in der Bank- und Automobilbranche hielten ihn über Wasser. 1939 wurde er nach einer Denunziation wegen abfälliger Äußerungen über Hitler verhaftet. Nur knapp entging er der schon vorbereiteten "Einweisung" in das KZ Dachau. Stattdessen gelang es ihm, als Soldat das Regime und den Krieg zu überleben. Aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, gehörte Bauer zu denen, die die SPD in Unterfranken wieder aufbauten. Eine berufliche Anstellung fand er ab 1946 im Rechtsreferat der Stadtverwaltung Würzburg. Ab 1951 kaufmännischer Angestellter. Als Mitglied der Bayerischen Verfassunggebenden Landesversammlung, die ab 30. Juni 1946 tagte, und des Bayerischen Landtags vom Dezember 1946 bis 1953 bestimmte Bauer die Geschicke seines Bundeslandes in den Aufbaujahren mit.

Bauer hatte sich bald einen gewissen Namen gemacht, so dass er zu denjenigen SPD-Vertretern gehörte, die der bayerische Landtag in den ab 1. September 1948 bis 23. Mai 1949 tagenden Parlamentarischen Rat zur Ausarbeitung des Grundgesetzes entsandte. Auch im Bundestag, dem Bauer von 1953 bis 1972 angehörte, blieb er seinem Fachbereich treu: er war in der gesamten Zeit ordentliches Mitglied des Ausschusses für Rechtswesen und Verfassungsrecht bzw. des Rechtsausschusses und dazu 1961-1969 Mitglied (und in den Jahren 1967-1969 Vorsitzender) des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung. Auch auf europäischer Ebene konnte Bauer seine Kenntnisse und Erfahrungen einbringen: 1958-1973 Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates (dabei 1960-1973 Vorsitzender des Ausschusses für Geschäftsordnung, 1972-1973 Vizepräsident) und der Versammlung der Westeuropäischen Union. Aus seinen internationalen Erfahrungen ergab sich auch der stellvertretende Vorsitz der deutsch-französischen Parlamentariergruppe der Interparlamentarischen Union.

Die SPD Unterfranken wählte Hannsheinz Bauer zum Ehrenvorsitzenden und benannte ihre Geschäftsstelle nach ihm. Bis an sein Lebensende im Alter von 96 Jahren beteiligte er sich an der politischen Diskussion. Noch am Tage seines Todes konnte man in der "Main Post" lesen, dass er sich für eine Änderung des Grundgesetzes aussprach, um Blockaden der Politik über den Bundesrat künftig zu verhindern.