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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Juli / Erste Arbeiter-Olympiade

24.07.1925-28.07.1925: Erste Arbeiter-Olympiade in Frankfurt am Main

1. Internationale Arbeiter-Olympiade in Frankfurt, 24.7.1925 - 28.7.1925, Aufstellung nach NationalitätenMit dem Auftreten der Arbeitervereine in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich auch eine neue Sportgattung: die Arbeiter-Körperkultur. Diese Sportvereine waren unter der Zielsetzung gegründet worden, den Arbeiter durch sportliche Betätigung gesundheitlich zu stärken und somit auch den geistigen Eigenwert zu vergrößern.

Diese Ansicht, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist hause, hatte bereits zuvor zur Deutschen Sportbewegung geführt, die im Laufe ihres Bestehens jedoch zusehens von politischen und ideologischen Spaltungen betroffen war.

Die in deutlicher Distanz zu den bürgerlichen Sportverbindungen gegründeten Arbeitersportvereine der verschiedenen Länder schlossen sich nach 1912 zögerlich zu einer internationalen Arbeitersportvereinigung zusammen, deren Wettkämpfe jedoch zumeist ohne Beachtung durch die Bevölkerung stattfanden.
Erst die Schaffung einer eigenen Internationalen Arbeiter-Olympiade brachte die Wende in der öffentlichen Wahrnehmung.

In dem neuerrichteten Waldstadion in Frankfurt am Main wurde diese Olympiade vom 24. bis 28. Juli 1925 veranstaltet.
Die Arbeiter-Olympiade setzte sich deutlich von der "bürgerlichen" Olympiade ab, der man vorwarf, in der Hauptsache dem Wettkampf der Nationen gedient und somit einen "Krieg mit sportlichen Mitteln" geführt zu haben. Das Ziel der Arbeiter-Olympiade war dagegen ausschließlich die Zurschaustellung der geistig-körperlichen Erneuerung der Arbeiterschaft oder besser: die Verdeutlichung der Körperkultur und ihre Wirkung auf die Geisteskultur. In diesem Zusammenhang wurde Frankfurt am Main als "Kultur- und Revolutionsstadt" als Austragungsort ausgewählt und vorgestellt.

Unter den Klängen der Internationale zogen am 24. Juli 1925 3000 Arbeiter-Sportler aus zwölf verschiedenen Ländern ohne Fahnen, ohne Nationaltrikots oder andere nationale Kennungen in das Waldstadion ein. Sie sollten als Mitglieder eines Verbandes erscheinen und nicht als nationale Rivalen. Nach einer Ansprache des Präsidenten der Sozialistischen Arbeiter-Internationale begannen die Wettkämpfe.

Am "Tag der Massen", Sonntag, 27. Juli 1925, zog ein Festzug mit Tausenden von Teilnehmern durch Frankfurt. Spielleute begleitete die Demonstrationsgruppen aller Sparten des Arbeitersports. Es gab Vorführungen der Turner, Schwerathleten, Schwimmer, Radfahrer und Schützen. Auch ein "lebendes Schachspiel" des "Arbeiter-Schach-Bundes" wurde aufgeführt.

Am Montag, dem 28. Juli, wurden die Wettkämpfe mit einem Fußballfinalspiel abgeschlossen und die Arbeiter-Olympiade endete des Abends mit Darbietungen der Wassersportler auf dem Main sowie einem großen Feuerwerk.

Etwa 450000 Zuschauer wohnten dem sportlichen Ereignis bei, das rückblickend als die bemerkenswerteste Selbstdarstellung eines Lebensgefühles nach dem Ersten Weltkrieg bezeichnet wurde.

Noch zwei mal wurde die Arbeiter-Olympiade durchgeführt. 1931 in Wien und 1937 in Antwerpen. In Barcelona sollten die Wettkämpfe 1936 in Abgrenzung von den Olympischen Spielen in Berlin stattfinden, wurden jedoch bald nach der Eröffnungsfeier durch den Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges abgebrochen.