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01.05.1955: Das erste Aktionsprogramm des DGB

Mit dem Aktionsprogramm von 1955 manifestierte sich eine programmatische Neuorientierung der DGB-Gewerkschaften. Im Gegensatz zu den Neuordnungsplänen im Münchner Programm des DGB-Gründungskongresses 1949, verstanden sich die Gewerkschaften nunmehr vorrangig als „Arbeitsmarktpartei“. Bei der grundsätzlichen Anerkennung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, wollten sie die verteilungspolitischen Spielräume unter den Bedingungen der wirtschaftlichen Prosperität nutzen, um die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten zu verbessern und sie am wachsenden Sozialprodukt gerecht zu beteiligen.

Das Ergebnis der Bundestagswahl 1953 markierte für den DGB auch eine Akzentverlagerung: hin zu ihrem ureigensten Arbeitsfeld der Tarif- und Sozialpolitik wohingegen die weitergehenden Neuordnungsvorstellungen in den Hintergrund traten. Auf dem dritten Bundeskongress des DGB 1954 in Frankfurt/M. wurden die Grundsätze für ein gewerkschaftliches Aktionsprogramm verabschiedet und eine Programm-Kommission eingesetzt. die dem Bundesausschuss des DGB ein gewerkschaftliches Aktionsprogramm unterbreiten sollte.

Nach drei Sitzungen hatte die Programm-Kommission am 18.3.1955 einen Entwurf erarbeitet, der dem Bundesvorstand bzw. Bundesausschuss zur Beratung und Beschlussfassung weitergeleitet wurde.

Auf den Sitzungen von Bundesvorstand und Bundesausschuss des DGB am 29./30.3.1955 wurde das von der Programm-Kommission vorgelegte Aktionsprogramm verabschiedet. Es sah vor:

1. den erhöhten Schutz der menschlichen Arbeitskraft durch die Verkürzung der Arbeitszeit mit dem Ziel der 5-Tage-Woche bzw. 40-Stundenwoche bei vollem Lohn- und Gehaltsausgleich durch den Abschluss entsprechender Tarifverträge;

2. die Erhöhung des Lebensstandards der Arbeiter, Angestellten und Beamten durch weitere Aktivierung der gewerkschaftlichen Lohn- und Gehaltspolitik;

3. die Erhaltung der Gesundheit und Sicherung des Alters ohne Not durch Ausbau und Reform der Sozialversicherung;

4. eine Vollbeschäftigungspolitik mit dem Ziele der Sicherung des Arbeitsplatzes;

5. den Ausbau der betrieblichen und überbetrieblichen Mitbestimmung

Die Forderungen des Aktionsprogramms waren Mittelpunkt der Kundgebungen zu 1. Mai 1955 und es wurde in Form einer 16seitigen Broschüre in der Zeit vom 2. bis 7. Mai 1955 an rund 15,3 Millionen Haushaltungen in der Bundesrepublik und West-Berlin verteilt.

Mit diesem Programm nahmen die DGB Gewerkschaften Abschied von ihrem systemüberwindenden Neuordnungsplänen und konzentrierten sich zunehmend auf eine systemimmanente Reformpolitik und somit der pragmatischen Anpassung an die wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten der Ära Adenauer.