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FES / AdsD / Das Historische Stichwort / Mai / Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein gegründet

23.05.1863: Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein gegründet

Vorderseite der Traditionsfahne der SPD. Gefertigt 1873 für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV)Am 23. Mai blickt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands auf eine 140-jährige organisatorische Kontinuität zurück; denn am 23. Mai 1863 erfolgte in Leipzig die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), der als erste selbständige politische deutsche Arbeiterpartei eine der beiden Hauptwurzeln der deutschen Sozialdemokratie bildete. Wie kam es dazu? Nach der Niederwerfung der 1848er Revolution und einigen Jahren der politischen Restauration wurden in der Neuen Ära, in den Jahren ab 1859/60, in ganz Deutschland Arbeiterbildungsvereine gegründet. Diese Vereine schlossen sich politisch der liberalen Bewegung, d.h. konkret der Fortschrittspartei oder dem Nationalverein an, ohne dass die Arbeiter als vollberechtigte Mitglieder anerkannt worden wären. Getragen von dem Wunsch nach politischer Gleichberechtigung entwickelte sich in diesen Arbeitervereinen im Laufe des Jahres 1862 eine politische Opposition, die für die Abhaltung eines allgemeinen deutschen Arbeiterkongresses warb. Die Teilnehmer des geplanten Kongresses sollten von öffentlichen Arbeiterversammlungen entsandt, nicht aber aus den liberalen Arbeitervereinen delegiert werden. Letztere machten der Kongressbewegung mit dem Ausbau der örtlichen Spar-, Kredit- und Konsumvereine durchaus erfolgreich Konkurrenz.

In dieser Situation wandten sich drei Mitglieder des Leipziger Zentralkomitees, das die Aktivitäten zur Vorbereitung des Kongresses koordinierte, am 4. Dezember 1862 an Ferdinand Lassalle und baten ihn, "Führer der ganzen Bewegung" zu werden. Lassalle war durch sein "Arbeiterprogramm" vom April 1862 bekannt geworden, in dem er für die Schaffung einer neuen revolutionären demokratischen Partei eingetreten war. Mit seinem "Offenen Antwortschreiben" vom 1. März 1863 nahm Lassalle die Aufforderung des Leipziger Zentralkomitees an. In diesem Brief forderte Lassalle nicht nur die Einführung des gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts, sondern auch Maßnahmen zur sozialen und wirtschaftlichen Gleichberechtigung der Arbeiterschaft, u.a. die Bildung staatlich geförderter Produktivgenossenschaften; den sich gerade formierenden ersten Gewerkschaften stand er getreu dem "Ehernen Lohngesetz", nach dem die Löhne nicht dauerhaft über das Existenzminimum angehoben werden könnten, skeptisch gegenüber. Wegweisend war seine Forderung nach der Bildung eines zentralistischen Agitationsvereins zur Vertretung von Arbeiterinteressen.

Diese Idee wurde am 23. Mai 1863 in Leipzig mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) in die Tat umgesetzt. Ziel des ADAV war es, wie in § 1 des Statuts, festgelegt wurde, "auf friedlichem und legalem Wege, insbesondere durch das Gewinnen der öffentlichen Überzeugung, für die Herstellung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts zu wirken". Der Verband selbst wurde streng zentralistisch aufgebaut; Lassalle erhielt die Präsidialbefugnis für fünf Jahre. Nach Lassalles Tod in Folge eines Duells am 31. August 1864 übernahm Johann Baptist von Schweitzer die Führung des ADAV. Nicht zuletzt wegen der straffen Leitung des ADAV, aber auch mit Rücksicht auf inhaltliche Differenzen wurde am 7./8. August 1869 unter führender Beteiligung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet. Auf dem Parteitag in Gotha schlossen sich am 7./8. August 1875 "Lassalleaner" und "Eisenacher" zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zusammen, die sich 1891 auf dem Erfurter Parteitag den Namen Sozialdemokratische Partei Deutschlands gab.

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