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FES / Bestände und Findmittel / Zentrale SPD-Bestände / Bestände der Bundestagsfraktion

Bestände der SPD-Parteiführung und des Parteivorstandes sowie zentraler sozialdemokratischer Parlamentsfraktionen

SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag
1. Wahlperiode 1949-1953

Sitzverteilung und Fraktionsvorstand der SPD-Bundestagsfraktion

Bei der Vorstellung der Akten der SPD-Fraktion im Deutsche Bundestag müssen zwei getrennte Problembereiche berücksichtigt werden. Der erste bezieht sich auf den besonderen Charakter der Fraktionsakten, der zweite auf die besonderen Zeitumstände und Arbeitsbedingungen, unter denen die Akten der ersten Wahlperiode entstanden sind.
Das Spezifikum der Fraktionsakten allgemein ergibt sich aus der Organisation des Arbeitsablaufes der Fraktion im Parlament. Dieser Arbeitsablauf bildet sich in den ersten beiden Wahlperioden heraus und besteht, bei geringfügigen Abänderungen und Ergänzungen, in seinen Grundzügen bis heute. Eine einheitliche Registratur, die die gesamte Fraktion umfaßt, gab und gibt es nicht. Der Aktenbestand ist strukturiert durch seine Entstehung in den jeweiligen Organisationseinheiten der Fraktion, die getrennte Ablagen führen. Diesen Arbeitseinheiten der Fraktion folgt die Aktengruppeneinteilung der Verzeichnisse der Fraktionsakten, ohne daß notwendigerweise jede Aktengruppe immer in jeder Wahlperiode vertreten sein muß:

  1. Fraktionssitzungen
    1. Protokolle der Fraktionssitzungen
    2. Vorlagen u.ä
  2. Fraktionsvorstand / Geschäftsführender Vorstand der Fraktion
    1. Protokolle des Vorstandes / Geschäftsführenden Vorstandes
    2. Büro der einzelnen Mitglieder des Vorstandes / Geschäftsführenden Vorstandes
  3. Fraktionsvorsitz
    • Büro des jeweiligen Vorsitzenden
  4. Parlamentarische Geschäftsführung
    • Büro des jeweiligen Parlamentarischen Geschäftsführers
  5. Arbeitskreise, Arbeitsgruppen, Koordinierungsstellen
    • 2. - 6. Wahlperiode
      • Arbeitskreis Außenpolitik (I) Arbeitskreis Innenpolitik (II) Arbeitskreis Wirtschaftspolitik (III) Arbeitskreis Sozialpolitik (IV) Arbeitskreis Haushalts- und Finanzpolitik (V) Arbeitskreis Heimatvertriebene (VI) Arbeitskreis Rechtswesen (VII)
      • Arbeitskreis Sicherheitsfragen (VIII)
      7. - 10. Wahlperiode
      • Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik (I) Arbeitskreis Innenpolitik (II) Arbeitskreis Wirtschaftspolitik (III) Arbeitskreis Sozialpolitik (IV) Arbeitskreis Haushalts- und Finanzpolitik (V)
      • Arbeitskreis Rechtswesen (VI)
    • 11. Wahlperiode
      • Arbeitskreis Außen- und Sicherheitspolitik (I) Arbeitskreis Inneres, Bildung, Sport (II) Arbeitskreis Wirtschaftspolitik (III) Arbeitskreis Sozialpolitik (IV) Arbeitskreis Öffentliche Finanzwirtschaft (V) Arbeitskreis Umwelt und Energie (VI) Arbeitskreis Rechtswesen (VII)
      • Arbeitskreis Gleichstellung der Frau (VIII)
    • Büro des Abgeordneten - NN-
    • Petitionen / Anfragen (an die Fraktion)
    • Pressestelle
    • Bibliothek

Auch wenn man davon ausgehen muß, daß in der räumlich und materiell beengten Situation er ersten Wahlperiode von 1949 - 1953 bei weitem nicht die Aktenflut der späteren Jahre hervorgebracht wurde, so stellen doch die überlieferten Akten aus der ersten Wahlperiode nach Umfang und Inhalt nur noch einen Restbestand dar. Lediglich die Protokolle der Fraktionssitzungen bilden einen geschlossenen Komplex - allerdings auch nicht völlig ohne Lücken.
Der heutige Archivbestand der Akten der SPD-Bundestagsfraktion aus den frühen Wahlperioden kam erst Anfang der 1980er Jahre aus der Fraktion in das Archiv der sozialen Demokratie in der Friedrich-Ebert-Stiftung. Das heißt, daß der heute vorhandene Bestand aus der ersten Wahlperiode zunächst über acht weitere Wahlperioden hinweg in der täglichen Fraktionsarbeit bei chronischem Raummangel ständig erneut als aufbewahrenswert eingestuft werden mußte. Auf Grund fehlender Relevanz für die unmittelbare Tagesarbeit in der Fraktion wurde beispielsweise die gesamte Petentenpost der frühen Jahre vernichtet.
Neben den schon erwähnten Protokollen der Fraktionssitzungen haben so nur wenige Akten der Parlamentarischen Geschäftsführung diese Zeitspanne überdauert. Selbst bei Abgeordneten, die während der gesamten Zeit dem Parlament angehörten, mußte - wie z.B. bei Herbert Wehner - ein besonderen Verständnis für die geschichtliche Bedeutung vorliegen, um Unterlagen über die Erfordernisse des Tagesgeschäftes hinaus aufzubewahren.
Im Archivvertrag zwischen der SPD-Bundestagsfraktion und der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde daher die kontinuierliche Abgabe der Altregistraturen aus den Organisationseinheiten der Fraktion vereinbart, ihre fachgerechte Aufbewahrung und Ordnung im Archiv der sozialen Demokratie sowie ihr schrittweises Verzeichnen geregelt, um sie der wissenschaftlichen Benutzung zugänglich zu machen.
Beim Verzeichnen des Bestandes aus der ersten Wahlperiode wurde deutlich, daß sie die gesetzte zeitliche Einheit der Wahlperiode für die Arbeit der Fraktion und somit für ihre Aktenführung nur sehr bedingt einen Einschnitt darstellt. Meist haben die Funktionsträger der Fraktion ihr Amt - und dementsprechend ihre Akten - über mehrere Wahlperioden hinweg geführt, oder der Mitarbeiterstab hat auch bei Wechsel des Abgeordneten die Unterlagen des betroffenen Arbeitsbereiches, der sich nicht veränderte, unter dem neuen Funktionsträger der Fraktion weitergeführt. Dies ist besonders einleuchtend, da häufig Gesetzgebungsvorhaben nicht in einer Legislaturperiode abgeschlossen wurden oder abgeschlossene Vorgänge als Vorakten für die weitere parlamentarische Bearbeitung der Thematik unerläßlich waren.
So liegen die eigentlichen Einschnitte neben dem Wechsel im Fraktionsamt vor allem im Abschluß eines thematischen Vorganges, einer Gesetzgebung oder zum Beispiel eines Untersuchungsausschusses.
Viele Akten übergreifen daher mehrere Wahlperioden und bieten in dieser Laufzeit keine Zäsur. Diesem besonderen Problem der Quellengattung Rechnung zu tragen, wurde in den Verzeichnissen dadurch versucht, daß die zusammengehörenden Akten nicht nur in derselben Aktengruppe, sondern auch unter demselben "Betreff" innerhalb der verschiedenen Wahlperioden verzeichnet wurden, einem betreff, der sich sehr eng an den ursprünglichen Aktentitel anlehnt.
Die Tätigkeit der 136 Abgeordneten der SPD in der ersten Wahlperiode belegen vor allem die Protokolle der Fraktionssitzungen. Sie sind jedoch als knappe Arbeitsunterlagen für die Fraktion in der Form reiner Beschlußprotokolle erstellt und bedürfen detaillierter Hintergrundkenntnisse über die im Parlament zu Diskussion stehende Problematik, um sie aufzuschlüsseln. Daneben stellt die Korrespondenz von Herbert Wehner, Mitglied des Fraktionsvorstandes, einen entscheidenden Teil des Bestandes dar und gibt einen guten Überblick über die vielschichtige Tätigkeit der Fraktion. Auch diese Korrespondenzakte erstreckt sich über mehrere Wahlperioden.
Die parlamentarische Geschäftsführung war in der heutigen Form und Terminologie noch nicht vorhanden. Zum einen wurde sie von Wilhelm Mellies als "Politischer Sekretär" ausgeübt, den auf der Fraktionssitzung vom 7.10.1952 Walter Menzel in diesem Amt ablöste. Zum anderen war als "Juristischer Sekretär" Adolf Arndt für den Teil der Geschäftsführung verantwortlich, der in gesetzgeberische und juristische Fragen hineinreichte.
Die Arbeitskreise als entscheidende Struktureinheiten der heutigen Fraktionsarbeit wurden erst in der zweiten Wahlperiode 1953 eingeführt, ihre Referenten - damals "Assistenten" - erst 1955 eingestellt. Die Arbeitskreise fehlen daher im Verzeichnis der ersten Wahlperiode völlig, obgleich diejenigen Mitglieder eines bestimmten Bundestagsausschusses, die der SPD-Fraktion angehörten, schon in der ersten Wahlperiode jeweils als "Arbeitsgruppe" in der Fraktion organisiert waren, Eine eigene Registratur dieser Arbeitsgruppen bestand nicht.

Vorhandene Unterlagen solcher unterschiedlicher Sachbereiche wurden im vorliegenden Verzeichnis den federführenden Abgeordneten zugeordnet, obwohl es eigentliche "Büros" der Abgeordneten zu diesem Zeitpunkt nur für die Fraktionsspitze gab. Die Übergänge zwischen Fraktionsamt und Wahlkreisthematik des einzelnen Parlamentariers waren fließend. Ein interessantes Beispiel läßt sich bei Herbert Wehner zeigen, wo ein deutlich auf den Wahlkreis Hamburg und dessen spezielle Probleme abgehobener Aktenbestand zu fassen war.
Die Pressemeldungen der Fraktion, die es vom Beginn der ersten Wahlperiode an gab, sind leider nicht gesammelt erhalten. Sie konnten nur durch Einzelstücke aus anderen Akten rekonstruiert werden.
Eine besondere Aktengruppe "Bibliothek" außerhalb der herkömmlichen Verzeichnungspraxis mußte für die erste Wahlperiode geschaffen werden, da sich in dieser Zeit dir Fraktion für zentrale Fragen ihrer politischen Arbeit eine eigene Materialsammlung von Broschüren, Zeitschriften und Büchern anlegte. Diese Bibliothek wurde in der 3. Wahlperiode nicht fortgeführt.
Weit mehr als in den späteren Wahlperioden muß die Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion von 1949 - 1953 auf die Nachlässe und Deposita ihrer Abgeordneten verwiesen werden. Denn da ein ausreichender, bezahlter Mitarbeiterstab der Fraktion noch nicht zur Verfügung stand, war eine Trennung der Akten der Abgeordneten- von der Fraktionstätigkeit kaum gegeben. Auch ihre Ablage wurde selten gesondert gehandhabt. Selbst heute noch ist eine solche Unterscheidung der Registratur der Abgeordnetentätigkeit von der des Fraktionsamtes bei den betroffenen Parlamentariern nicht ohne Überschneidungen zu treffen.

  1. Einleitung
  2. Fraktionssitzungen
  3. Fraktionsvorstand
    • Herbert Wehner
  4. Parlamentarische Geschäftsführung
    • Adolf Arndt
    • Wilhelm Mellies
    • Walter Menzel
  5. Abgeordnete
    • Büro Heinrich Deist
    • Büro Fritz Erler
    • Büro Otto Heinrich Greve
    • Büro Fritz Henßler
    • Büro Werner Jacobi
    • Büro Kurt Pohle
    • Büro Ernst Schellenberg
    • Herbert Wehner
  6. Pressestelle
  7. Bibliothek