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Wegbereiterinnen

Toni Sender
	  © AdsD

Toni Sender

1888-1964

Kämpferin für Menschenrechte, Antifaschismus und Sozialismus

Toni Sender stammte aus einer orthodox-jüdischen Familie aus Biebrich am Rhein. Bereits als Dreizehnjährige verließ sie ihre Familie, um in Frankfurt/Main die Handelsschule zu besuchen. Sie wollte, wie sie später schrieb, sobald als möglich ökonomisch und damit auch geistig und in ihrer Lebensführung ihr „eigener Herr“ sein. Deshalb arbeitete sie schon vor Vollendung ihrer schulischen Ausbildung im Büro einer Maklerfirma. In ihrer Freizeit besuchte sie Kulturveranstaltungen, politische Vorträge, Weiterbildungskurse und traf sich mit Gleichaltrigen, um zu lesen und zu diskutieren.
1906 trat sie in den „Zentralverein der Bureauangestellten“ ein. Die Aufnahme des Studiums der Nationalökonomie scheiterte an der verweigerten Einwilligung des Vaters. Sozialistische Lektüre und die Vorträge von Bebel, Jaurés und Keir Hardie waren es, durch die sie Sozialistin wurde. 1910 trat sie in die SPD ein. Als sie im selben Jahr für eine Frankfurter Metallhandelsfirma nach Paris ging, schloss sie sich der Französischen Sozialistischen Partei an und engagierte sich für den Frieden und die Einführung des Frauenwahlrechts. Bis zuletzt dachte Toni Sender, der Ausbruch des Krieges könne verhindert werden. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs kehrte sie über die Schweiz nach Deutschland zurück, wurde in der Anti-Kriegsbewegung aktiv und nahm am ersten Internationalen Frauenkongress gegen den Krieg in Bern teil.
Sie gründete 1917 die USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands) mit und wurde während der Novemberrevolution 1919 Generalsekretärin des Vorstands des Arbeiter- und Soldatenrats in Frankfurt/Main. Im selben Jahr bekam sie ein Amt als Stadtverordnete und wurde Chefredakteurin der USPD-Zeitung „Volksrecht“. Ab 1927 gab sie die „Frauenwelt“ heraus. 1923 gründete sie das Internationale Sozialistische Frauenkomitee in Hamburg mit. Von 1920 bis 1933 war Toni Sender zuerst bis 1922 für die USPD, dann für die SPD im Deutschen Reichstag.
Als Vertreterin des linken Flügels plädierte sie 1932 für einen Generalstreik, um den drohenden Faschismus abzuwehren. 1933 emigrierte sie zunächst in die Tschechoslowakei, später nach Belgien und 1935 in die USA. Sie arbeitete im Exil journalistisch und engagierte sich in jüdischen Organisationen. 1943 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft und war ab 1944 Mitglied in der Kommission für die Rechtsstellung der Frau sowie ab 1947 in der Menschenrechtskommission der UNO. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges vertrat sie den amerikanischen Gewerkschaftsdachverband AFL und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften bei den Vereinten Nationen. Sie veröffentlichte mehrere sozialistische Schriften, darunter „Die Frauen und das Rätesystem“ und ihre Erinnerungen unter dem Titel: „Autobiografie einer deutschen Rebellin“.
Nach Deutschland ist Toni Sender nicht mehr zurückgekehrt.

Text: Dr. Gisela Notz, Berlin

Toni Sender im Online-Katalog der Bibliothek der FES