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Wegbereiterinnen

Elisabeth Selbert
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Elisabeth Selbert

1896–1986

Eine Mutter des Grundgesetzes

Martha Elisabeth Rhode wurde am 22. September 1896 als zweite von vier Schwestern in Kassel geboren. Ihr Vater war Bäcker, diente als Berufssoldat und wurde Gefangenenaufseher in einer Jugendstrafanstalt; ihre Mutter arbeitete als Haushälterin und dann als Hausfrau im eigenen Haushalt. Wie die meisten Mädchen ihrer Generation bekam Elisabeth Rhode eine typische Mädchenerziehung: Sie lernte sticken, stricken und nähen und hatte wenig Zeit zum Lesen. Es war der Großvater, der sie in ihren intellektuellen Fähigkeiten, in ihrer Besessenheit, mehr wissen zu wollen, förderte. Ab 1912 besuchte sie die Kasseler Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins. Ihr Ziel, Lehrerin zu werden, ließ sich mangels finanzieller Mittel nicht realisieren, deshalb wurde sie Auslandskorrespondentin bei einer Kasseler Import-Export-Firma. Nach Ende des Ersten Weltkrieges heiratete sie den „roten Funktionär“ Adalbert Selbert. Sie wurde eine leidenschaftliche Streiterin für Frauenrechte und für Emanzipation. Leicht hatte sie es freilich nicht immer. 1918, als die Frauen gerade das Wahlrecht erkämpft hatten, war sie in die SPD eingetreten und blieb fortan „eine Rote“. Schon 1920 kritisierte sie in einer Rede zur ersten Reichsfrauenkonferenz in Kassel, dass die Gleichberechtigung – trotz Weimarer Verfassung – „immer noch eine rein papierne“ sei. 1925 – sie hatte bereits zwei Söhne – nahm sie, nachdem sie das Abitur nachgeholt hatte, ein Jurastudium auf und promovierte 1929 zum Dr. jur. Mit großem Engagement und Sachverstand arbeitete sie nach dem Zweiten Weltkrieg an der Formulierung der Landesverfassung für Hessen und des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland mit. Nun hatte sie, wie sie formulierte, einen „Zipfel der Macht“ und den wollte sie ausnützen. Sie war es vor allem, die für die Einschreibung des Passus „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ gekämpft hatte und gegen die hartnäckigen Gegenargumente – auch ihrer eigenen Geschlechtsgenossinnen – aus den konservativen Parteien resistent geblieben war. Trotz zweimaliger Ablehnung ließ sie sich nicht entmutigen und mobilisierte Frauen in Stadt und Land. Waschkörbeweise wurde die Post in den Parlamentarischen Rat geschüttet. Plötzlich wollte keiner mehr dagegen sein, und der Antrag wurde einstimmig angenommen. Sie erlebte das als „Sternstunde“ ihres Lebens. Freilich ging der Kampf um die wirkliche Gleichberechtigung erst richtig los. Mitglied des Bundestages wurde sie nicht, obwohl sie sehr damit gerechnet hatte. Sie starb am 9. Juni 1986, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Als Juristin, Stadtverordnete, Mitglied des Hessischen Landtages und des Parteivorstandes der SPD blickte sie auf ein erfülltes Leben zurück.

Text: Dr. Gisela Notz, Berlin

Elisabeth Selbert im Online-Katalog der Bibliothek der FES