Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.
FES / AdsD / Recherchehilfen / Im Archiv / Frühzeit der Arbeiterbewegung

Frühzeit der Arbeiterbewegung

Digitalisierte Quellen zur Geschichte der frühen Arbeiterbewegung im Archiv der sozialen Demokratie

Arbeitervereine, Arbeiterbildungsvereine, Handwerkervereine, gewerbliche Bildungs- und Geselligkeitsvereine existierten schon im Vormärz. Häufig vom liberalen Bürgertum ins Leben gerufen, dienten sie neben der Vermittlung von Bildung vereinzelt bereits demokratischen oder sozialistischen Bestrebungen oder waren andererseits zu deren Abwehr gegründet worden. Die eigentliche politische Diskussion fand zunächst in den Auslandsvereinen statt, die von wandernden Gesellen und Intellektuellen in der Schweiz, in Frankreich, Belgien und England gegründet worden waren. Nachdem die Märzrevolution 1848 mit der Einführung der Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit zum erstenmal die Voraussetzungen für eine freie organisatorische und politische Betätigung geschaffen hatte, kam es in Deutschland zu einer Welle von Gründungen von Arbeiter- und Handwerkervereinen, zu denen auch berufliche Fachvereine, nationale Berufsverbände, Wanderunterstützungskassen und Genossenschaften gehörten. Mit dem Zusammenschluss verschiedener Vereine und Komitees zur „Arbeiterverbrüderung“ fand diese Bewegung ihren Höhepunkt.

Mit dem Einsetzen der politischen Reaktion zu Beginn der 1850er Jahre wurden die meisten Arbeitervereine verboten oder lösten sich von selbst auf. Der Bundesratsbeschluss von 1854 ermöglichte schließlich das Verbot aller Arbeitervereine, die politische, sozialistische oder kommunistische Ziele verfolgten. Relikte der Arbeiterbewegung der Revolutionszeit lebten dennoch in unspektakulärer Weise fort – sei es durch personelle Kontinuitäten in anderen Vereinen, z.B. Turn- und Lesevereinen, oder in kleine Zirkeln und lokal begrenzten Kreisen.

Zu Beginn der 1860er Jahre kam es – nicht zuletzt bedingt durch eine liberalere Handhabung der Vereinsgesetzgebung – zur Reorganisation bzw. Neugründung von Arbeitervereinen. Charakteristisch für diese Arbeitervereine war es, dass sie häufig vom liberalen Bürgertum, initiiert oder dominiert wurden und einen betont „unpolitischen“ Charakter hatten. Im Mittelpunkt standen in der Regel die Vermittlung von Elementarbildung oder beruflicher Fortbildung sowie gesellige Unterhaltung. Für das Bürgertum war dies ein Versuch, sich in Zeiten fortschreitender Industrialisierung und im Kampf um die Durchsetzung bürgerlicher Rechte gegenüber dem reaktionären Obrigkeitsstaat die Kontrolle über die Arbeiterschaft zu sichern, ohne in ihr freilich einen Bündnispartner mit gleichen politischen und sozialen Rechten zu sehen. Die Forderungen des Bürgertums nach Gewerbefreiheit, Freihandel und Freizügigkeit fanden in den 1850er und 60er Jahren, die im großen und ganzen auch eine Phase wirtschaftlichen Wachstums und gesteigerter Erwerbsmöglichkeiten waren, zunächst auch durchaus Anklang in der Arbeiterschaft.

Quellen zur Geschichte des Frühsozialismus, der revolutionären Bestrebungen im Vormärz und den organisatorischen Anfängen der Arbeiterbewegung während der Revolution von 1848 sind im Archiv der sozialen Demokratie – von vereinzelten Dokumenten abgesehen – hauptsächlich in Form von Mikrofilmen aus dem Russischen Staatlichen Archiv für Soziale und politische Geschichte (RGASPI) in Moskau und dem Internationalen Institut für Sozialgeschichte (IISG) in Amsterdam vorhanden.

Die Überlieferung von Originalbeständen setzt erst in den 1860er Jahren ein. Mit dem 1995 von der Historischen Kommission zu Berlin übernommenen Bestand „Frühzeit der Arbeiterbewegung“ des August-Bebel-Instituts sowie einigen anderen im AdsD befindlichen Archivalien ist der Zeitraum ab Anfang/Mitte der 1860er Jahre durch eine Reihe von Quellen belegt. Der größte Teil dieser Unterlagen stammt aus der Überlieferung des 1863 gegründeten Vereinstags (später: Verband) Deutscher Arbeitervereine (VDAV). Auf dem Gründungsparteitag der Sozialdemokratischen Deutschen Arbeiterpartei (SDAP) in Eisenach 1869 wurden Akten, Briefe und Protokolle des Verbands dem ehemaligen VDAV-Präsidenten und Mitbegründer der SDAP, August Bebel, übergeben. Durch seine Initiative gelangten die Unterlagen vermutlich in das 1882 gegründete Parteiarchiv der deutschen Sozialdemokratie. Als im Frühjahr 1933 Bestände des SPD-Parteiarchivs ins Ausland gebracht wurden, um sie vor dem Zugriff der Nationalsozialisten zu schützen, verblieben diese Archivalien in Berlin. Dies gilt auch für das aus der gleichen Überlieferung stammende und schon länger im AdsD befindliche Brieftagebuch August Bebels aus den Jahren 1867/68.

Neben dieser Überlieferung auf zentraler Ebene gibt es auch Unterlagen aus lokalen Quellen. Ein Beispiel dafür ist das Protokollbuch des Arbeiter-Fortbildungs-Vereins Radolfzell (1862ff.)

Der „Bestand Frühzeit der Arbeiterbewegung“ dokumentiert die Entwicklung in den Arbeiterbildungsvereinen seit Mitte der 1860er Jahre. Während in Leipzig im Mai 1863 durch die Initiative des „Zentralkomitees zur Berufung eines Allgemeinen deutschen Arbeiterkongresses“ und den Kontakt mit Ferdinand Lassalle der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) entstanden war, schlossen sich in Frankfurt im Juni des gleichen Jahres unter bürgerlicher Führung zahlreiche Arbeitervereine zum „Vereinstag deutscher Arbeitervereine“ zusammen. In dieser ursprünglich als Gegengründung gedachten Bewegung vollzog sich dennoch in den folgenden Jahren eine zunehmende Ablösung von den bürgerlichen Mentoren und ein fortschreitender Politisierungsprozess, der – für einen Teil der Vereine – auf dem Nürnberger Verbandstag 1868 schließlich zum Anschluss an die Ziele der Internationalen Arbeiter-Assoziation und zur Gründung der Sozialdemokratischen Deutschen Arbeiter (SDAP) in Eisenach führte. Forciert wurde dieser Prozess der politischen Klärung und Profilschärfung durch August Bebel, der 1867 in Gera zum Präsidenten des „Verbands deutscher Arbeitervereine“, wie sich der Vereinstag nun nannte, gewählt worden war.

Eine herausragende Rolle spielte für diese Entwicklung der Leipziger Arbeiterbildungsverein, dessen Vorsitzender seit 1865 August Bebel war. Mit der Digitalisierung und Ermöglichung eines Online-Zugangs zu dem Faszikel A 1 aus dem Bestand „Frühzeit der Arbeiterbegung“ stellt das AdsD damit ab Ende 2008 zum erstenmal eine wichtige Quelle zur frühen Arbeiterbewegung im Internet zur Verfügung. Die im Konvolut A 1 enthaltenen Dokumente aus den Jahren 1865 bis 1876 spiegeln Themen, Aktionen und Mentalität der frühen Arbeiterbewegung wieder. Als weitere Quelle wird in Kürze das Brieftagebuch August Bebels aus den Jahren 1867/67 zur Verfügung stehen, das Zusammenfassungen der von Bebel in seiner Funktion als Präsident des VDAV versandten Briefe an die Vereine bzw. deren Repräsentanten enthält.

Weniger durch Originaldokumente belegt ist im AdsD dagegen die Überlieferung zum ADAV. Neben einem durch Fotokopien gebildeten ADAV-Bestand (Kopien einer Kollektion, die anhand von Archivalien aus den Beständen des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte in Amsterdam und des Hausarchivs der Familie Hatzfeldt entstanden ist) und dem im RGASPI in Moskau befindlichen Lassalle-Nachlasses, von dem hier ein Mikrofilm zur Verfügung steht, sind das Protokollbuch des Augsburger ADAV und zwei Lassalle-Briefe zu nennen, die gleichfalls für die Digitalisierung und Online-Edition vorgesehen sind.

Weitere Bestände zur frühen Arbeiterbewegung (insbesondere zum Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und anderen Organisationen) sowie zur Arbeitervereinsbewegung und den jeweiligen lokalen Überlieferungen befinden sich in den zuständigen Stadt- und Staatsarchiven.

Auf zentraler Ebene verfügen insbesondere das Bundesarchiv in Berlin (SAPMO-Archiv) und das Internationale Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam (neben den bereits erwähnten, als Mikrofilm im ADSD befindlichen Beständen) über weitere relevante Bestände zur frühen Arbeiterbewegung.