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Gender und Frauengeschichte

Flugschrift zum sozialdemokratischen Frauentag, 08.03.1914
 © AdsD

Archivalien zu Gender- und Frauengeschichte im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Zur Problematik der Erfassung von Aktengut zu Gender- und Frauengeschichte im Archiv der sozialen Demokratie

Von Ilse Fischer

Das Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung (AdsD) verfügt über zahlreiche Bestände, die relevantes Material zur Frauengeschichte und zur Biographie einzelner Frauen enthalten. Nicht immer sind zu einzelnen Zeitabschnitten oder Themen Archivalien in einer Qualität und Dichte vorhanden, wie man sich dies vielleicht wünschen würde. Dennoch sind die Quellen von einer beachtlichen zeitlichen und inhaltlichen Bandbreite. So mag es für die Geschichte des Archivs der sozialen Demokratie und seiner „Vorläufer-Archive"1, die ja eng mit der Entwicklung der deutschen Sozialdemokratie verknüpft ist, durchaus einen Symbolwert haben, wenn in einem der ältesten Bestände, dem Bestand „Frühzeit der Arbeiterbewegung", ein Schreiben aus dem Jahr 1865 von Louise Otto-Peters an den Arbeiterbildungs-Verein Leipzig über die Einrichtung einer Sonntagsschule für Mädchen enthalten ist, und sich in Akten aus dem Jahr 1993 ein Antrag der SPD-Mitglieder der Gemeinsamen Verfassungskommission zur „geschlechtergerechten Sprache des Grundgesetzes" (Depositum Hans-Jochen Vogel) findet.

Versucht man allerdings, den „Gender-Begriff systematisch auf Archivbestände anzuwenden, dann ergeben sich für unser Archiv schon wegen des Umfangs und der Vielfalt des Schriftguts (über 40 000 laufende Meter) sowie der audiovisuellen Sammlungen Dimensionen, die bei dem derzeitigen (und wohl auch zukünftigen) Erschließungsstand nur schwer zu erfassen sind.2 Dies würde zugleich erfordern, einen „wertenden" Filter über die Verzeichnung zu legen, der in seiner Subjektivität und in seinen inflatorischen Ergebnissen Probleme sowohl für die Erschließung als auch für die Nutzung aufwerfen würde. Ein Beispiel: Im Nachlass Gustav Heinemann stößt man auf die Verfassungsbeschwerde gegen das Wehrpflichtgesetz (1956), die von Frauen in Vertretung ihrer minderjährigen Söhne geführt wurde. Ob Materialien dieser Art unter den „Gender-Aspekt" einzuordnen sind, dürfte eher eine Frage der Forschung als der archivischen Aufbereitung sein. In der im AdsD üblichen Verzeichnung selbst taucht der Begriff „Gender" nur dann auf (meist bei Schriftgut jüngeren Datums), wenn auf Inhalte hingewiesen wird, die bereits in den Akten selbst diesem Begriff zugeordnet sind. Dagegen sind in der freien wie in der indizierten Verzeichnung und Verschlagwortung (z.B. bei Sammlungen) Begriffe wie Gleichstellung, Frauenbewegung, Frauengeschichte etc. anzutreffen. Die folgenden Ausführungen beschränken sich daher in erster Linie darauf, den leichter zu erfassenden Aspekt der Frauengeschichte, Frauenbewegung und Frauenpolitik anzuwenden, wobei dennoch versucht wird, nach Möglichkeit Ansatzpunkte für eine Genderbezogene Forschung aufzuzeigen.

Nach der Einführung des Frauenwahlrechts: Stimmabgabe bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung, 19.01.1919
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Bei den Beständen, Akten oder Dokumenten, die im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung dafür in Frage kommen, handelt es sich im Schriftgutbereich vorrangig um personenbezogene Bestände oder um Altregistraturen von Organisationen und Institutionen, die aus dem Bereich der Arbeiterbewegung, speziell der deutschen Sozialdemokratie, der Gewerkschaften sowie anderen demokratischen und sozialen Bewegungen stammen. Für die Materialien zur Frauengeschichte bedeutet dies zunächst, dass das entsprechende Schriftgut gleichfalls im wesentlichen in diesem politischen und organisatorischen Zusammenhang entstanden ist. Tatsächlich ist der Rahmen jedoch sehr viel weiter gesteckt. So leuchtet es unmittelbar ein, dass sich in Beständen wie z.B. den Akten der SPD-Bundestagsfraktion zugleich wesentliche Aspekte der allgemeinen gesellschaftspolitischen Diskussion in der Bundesrepublik spiegeln oder in einzelnen Sammlungen, die Unterlagen verschiedener politischer Richtungen enthalten, wie dies bei der Flugblattsammlung der Fall ist, auch Dokumente zur Einstellung bürgerlicher Parteien zu Frauen als Wählerinnen oder zur politischen Betätigung von Frauen zu finden sind. Da der Auftrag des AdsD sich inzwischen nicht mehr nur auf die Sicherung und Archivierung von Partei- und Gewerkschaftsakten selbst beschränkt, sondern auch andere Gruppen (z.B. die Friedensbewegung) oder Personen (z.B. Publizisten/-innen) mit einbezogen sind, können in den Akten oft Materialien und Aspekte auftreten, die nicht von vornherein in den Beständen unseres Archivs zu vermuten sind. Die besondere Problematik bei der Erfassung des für Frauen- und Gendergeschichte relevanten Archivguts besteht nicht zuletzt in der Spannung zwischen großen Mengen Aktengut einschlägiger Provenienz (z.B. Akten der verschiedenen Frauenbüros oder Frauenabteilungen einzelner Organisationen), deren inhaltliche Ergiebigkeit oft sehr unterschiedlich zu bewerten ist, und eher vereinzelt vorkommenden Dokumenten (z.B. Korrespondenz), die für ein bestimmtes Forschungsprojekt durchaus von großem Wert sein können. Dies lässt auch die Erstellung eines inhaltlich orientierten Spezialinventars kaum praktikabel erscheinen. Allein innerhalb der EDV-erfassten Verzeichnung von Personenbeständen, die lediglich einen Teil der hier archivierten Nachlässe und Deposita umfasst, gibt es z.B. mehr als 1200 Einträge unter dem Stichwort „Frau- ...". Eine detaillierte Auflistung von Materialien erscheint daher sinnvoll nur in Bezug auf ein bestimmtes Projekt - und viele Unterlagen werden sicher erst zu den „gender"-relevanten Dokumenten zählen, wenn eine entsprechende Fragestellung auf sie gerichtet wird. Die angedeutete Problematik kann letzten Endes nur durch eine beratungsintensive Benutzerbetreuung aufgefangen werden. Im Folgenden soll es daher zunächst darum gehen, Hinweise auf größere Bestände zu geben, die für die Frauen- und Gendergeschichte von Interesse sein könnten, sowie durch Verweis auf einzelne Materialien den Charakter der möglicherweise zu findenden Unterlagen zu verdeutlichen.

Nach der Einführung des Frauenwahlrechts: Stimmabgabe bei den Wahlen zur Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung, 19.01.1919
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Dabei ist generell zu berücksichtigen, dass nicht alle Akten bereits archivisch erschlossen sind. Gerade bei Schriftgut aus dem Bereich von Partei- oder Gewerkschaftsorganisationen, deren einzelne Aktenabgaben nicht selten aus mehreren hundert oder tausend Meter Akten bestehen, liegt häufig keine oder in der Regel keine vergleichbar detaillierte Ordnung und Verzeichnung vor, wie sie inzwischen für zahlreiche Personenbestände existiert. Zudem ist zwar ein Teil der verzeichneten Archivbestände bereits durch die Archivdatenbank „Faust" erschlossen, doch müssen auch konventionelle Findmittel (zum Teil in Form von Abgabelisten oder Karteien) mit herangezogen werden.

Personenbestände

Bei Nachlässen oder Deposita von Frauen ist der Bezug zur Frauen- bzw. Gender-Geschichte in einem sehr allgemeinen Sinn über die registraturbildenden Personen selbst am einfachsten herzustellen. Dabei wird nicht vorausgesetzt, dass die Bestände deshalb tatsächlich Materialien speziell zu Frauenfragen oder Frauenpolitik enthalten müssen. Im Anhang ist eine Übersicht über die hier archivierten Bestände von Frauen beigefügt, die unabhängig vom Inhalt der einzelnen Bestände erstellt wurde. Bezogen auf die Gesamtzahl der Personenbestände von Männern und Frauen im AdsD ist die Quellenlage bei Deposita und Nachlässen von Frauen immer noch vergleichsweise schlecht. Von den hier vorhandenen 920 Personenbeständen stammen nur 127 (13,8 %) von Frauen (Stand Sommer 2002), wobei unter doppeltem Namen geführte Bestände von Ehepaaren bereits mit eingerechnet wurden. Diese Situation wird sich für die älteren Schriftgutbestände, die Ende des 19. Jahrhunderts einsetzen, auch nicht mehr in nennenswertem Umfang verbessern lassen. Darin spiegelt sich - trotz aller fortschrittlichen theoretischen und politischen Ansätze, mit denen die Arbeiterbewegung der „Frauenfrage" begegnete - die relativ geringe Rolle, die Frauen in politischen Parteien und in den Gewerkschaftsorganisationen als Funktionsträgerinnen spielten. Nimmt man die Phase vor 1918, so existieren im AdsD Archivbestände von Frauen nur in Form von Mikroverfilmungen aus dem Russischen Staatsarchiv für sozialpolitische Geschichte in Moskau. Im Hinblick auf die Originalbestände kann für diese Zeit eigentlich nur von einzelnen Dokumenten von Frauen gesprochen werden, die sich in Nachlässen von Männern befinden. Auch für die Zeit der Weimarer Republik und die NS-Zeit ist die Quellenlage nicht wesentlich ergiebiger. Immerhin existieren einige Bestände von Frauen, die Materialien aus dieser Zeit umfassen oder - auch dies ein typischer Fall - Bestände von Frauen, die zwar in dieser Zeit politisch engagiert waren, deren Unterlagen hauptsächlich aber erst aus den Jahren nach 1945 stammen (z.B. Nachlass Marie Juchacz). Dennoch ist es erstaunlich, dass auch von jenen Frauen, die in der Weimarer Republik z.B. als Abgeordnete tätig waren, kaum Bestände überliefert sind.

Teilnehmerinnen der Reichsfrauenkonferenz der SPD in Kiel, 27. - 29. Mai 1927
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Zweifellos trifft auf diese Gruppe (wie auch auf die der politisch aktiven Männer) zu, dass viele Materialien durch die NS-Zeit, Emigration oder Kriegseinwirkungen verlorengegangen sind. Über andere Gründe, die möglicherweise zusätzlich eine Rolle spielten (unterschiedliche Wertschätzung der Unterlagen aus der politischen Arbeit von Frauen und Männern durch Familienangehörige oder mangelndes Interesse seitens der archivischen Akquisition) kann nur spekuliert werden. Für die Nachkriegszeit hat sich die Quellenlage verbessert, auch wenn die Generation der frühen Abgeordneten im Parlamentarischen Rat und im Bundestag nur durch einige wenige, dafür in einigen Fällen durchaus umfangreiche und inhaltlich bedeutende Nachlässe vertreten ist (z.B. Helene Wessel, Käte Strobel). Bei der im Anhang wiedergegebenen Übersicht über Nachlässe und Deposita von Frauen im Archiv der sozialen Demokratie wurde darauf verzichtet, ausschließlich auf jene Unterlagen zu verweisen, die sich auf frauenspezifische Themen beziehen. Gerade unter dem Gender-Aspekt erscheint es sinnvoll, die politische Arbeit der mit Archivbeständen vertretenen Frauen in ihrer ganzen Bandbreite zu dokumentieren, wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass viele Bestände die Tätigkeit der Registraturbildnerinnen nur bruchstückhaft dokumentieren.

Die Provenienz reicht von den (wenigen) Unterlagen ehemaliger Reichstagsabgeordneter (Marie Juchacz, Anna Zammert) bis zu den Beständen früherer oder derzeitiger Bundestagsabgeordneter (u.a. Lisa Albrecht, Elfriede Eilers, Ilse Eisner, Katrin Fuchs, Liesel Hartenstein, Renate Lepsius, Ingrid Matthäus-Maier, Annemarie Renger, Renate Schmidt, Brigitte Schulte, Sigrid Skarpelis-Sperk, Käte Strobel, Helga Timm, Helene Wessel). Die Akten von Europa-Parlamentarierinnen (u.a. Erika Mann, Leyla Onur, Heinke Salisch, Barbara Simons) und Gewerkschafterinnen (u.a. Thea Harmuth, Ruth Köhn, Maria Weber) sind ebenso vertreten wie die Unterlagen von Politikerinnen, die in der Vergangenheit Ministerinnen waren oder es noch sind, z.B. Katharina Focke, Rose Götte, Edelgard Bulmahn, Herta Däubler-Gmelin, Ulla Schmidt, Heide Simonis, Heidemarie Wieczorek-Zeul (von der auch Akten aus ihrer Funktion als Vorsitzende der Jungsozialisten hier aufbewahrt werden). Auch von Frauen, die sich in herausragenden Positionen in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen engagiert haben, sind Bestände vorhanden (Elfriede Eilers, Karin Junker, Ruth Zutt, Inge Wettig-Danielmeier). Hinzu kommen Nachlässe und Deposita von Frauen, die in vielfältiger Weise im öffentlichen Leben hervorgetreten sind - sei es als Publizistinnen und Journalistinnen (Carola Stern, Else Reventlow, Gerda Weyl, Friedel Oelrichs), als Arbeiterdichterin (Emma Klara Döltz) oder Kabarettistin (Karin Hempel-Soos). Dokumentiert wird auch die Arbeit von Personen, die wie Christel Beilmann oder Charlotte Boecken in der Friedensbewegung aktiv waren, oder die neben ihrer politischen Arbeit Funktionen im pädagogischen Bereich, in der politischen Erwachsenenbildung, als Juristinnen oder Wissenschaftlerinnen innehatten (z.B. Minna Specht, Erna Blencke, Nora Platiel, Susanne Miller, Grete Henry-Hermann, Helga Grebing). Viele von ihnen spielten gleichzeitig eine Rolle in der politischen Emigration oder im Widerstand während der NS-Zeit.

Natürlich können „Frauenbestände" immer nur einen Teil der Quellen zur Frauen- und Gendergeschichte bieten. Nicht vergessen werden sollte, dass einschlägige Dokumente stets auch (und durchaus in beachtlichem Umfang) in Nachlässen und Deposita zu finden sind, die von Männern stammen. Zum einen „spiegelt" sich in diesen Akten häufig unmittelbar die Tätigkeit von Frauen, die als Korrespondenzpartnerinnen oder Verfasserinnen von Aufzeichnungen, Anträgen oder anderen Dokumenten auftreten. Zum anderen enthalten Nachlässe oder Deposita von Politikern oft generell Unterlagen zu „Gender"-Fragen - angefangen bei den Aktenbeständen sozialdemokratischer Bundeskanzler, Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender wie Willy Brandt, Helmut Schmidt, Herbert Wehner, Hans-Jochen Vogel und anderen bis zu den Unterlagen einer großen Zahl von Abgeordneten, die sich in Kommissionen, Ausschüssen und Arbeitsgruppen intensiv mit Gender-Aspekten auseinandergesetzt haben (z.B. Nils Diederichs, Hartmut Soell). Speziell im Hinblick auf die biographische Forschung für die Zeit vor 1945 kann es z.B. lohnend sein, die aus der Nachkriegszeit stammenden Bestände prominenter Sozialdemokraten auf Lebensläufe und Einzelschicksale durchzusehen, die von Frauen (über sich oder ihre Familien) im Rückblick auf die NS-Zeit in Briefen oder anderen Dokumenten mitgeteilt wurden.

Die Akten des SPD-Parteivorstandes

Der Bestand mit einem Umfang von ca. 4000 laufenden Metern enthält (in unterschiedlicher Dichte) die Aktenüberlieferung des SPD-Parteivorstandes seit 1945. Darunter befinden sich die rund 1200 Akteneinheiten zählenden Registraturen des „Frauenbüros (Referat Frauen)". Eine knapp gehaltene Verzeichnung (Aktengruppe, Aktentitel, Laufzeit, nur in Ausnahme -fällen inhaltliche Zusätze) existiert in Form von Findbüchern und in der Archivdatenbank Faust. Insgesamt deckt das Aktengut den Zeitraum von 1946 - 1998 ab. Darin spiegelt sich auf breiter Ebene die Frauenarbeit der SPD von den ersten Nachkriegsjahren bis in die Gegenwart.

SPD-Frauenkonferenz in Wuppertal, 07.09.1948 (u.a. mit Lisa Albrecht, Elisabeth Seibert)
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Der Bestand (Korrespondenz, Protokolle, Rundschreiben, Pressedienste, darunter auch Akten des Vorstandsmitglieds Herta Gotthelf [1902 - 1963], Leiterin des Frauensekretariats und Redakteurin der „Gleichheit") enthält u.a.: Unterlagen zu SPD-Bundesfrauenkonferenzen, Korrespondenz mit den einzelnen Parteibezirken, der Militärregierung, mit Bundestagsmitgliedern, Gewerkschaften, überparteilichen Frauenorganisationen, Materialien über Auslandskontakte, Jahresberichte, Unterlagen des Ausschusses für Frauenfragen beim Parteivorstand, Sitzungsprotokolle des Bundesfrauenausschusses, Unterlagen zu Internationalen Frauenorganisationen und -konferenzen, zur Veranstaltung von Tagungen, Schulungen, Seminaren, über Wahlkampfvorbereitungen, Berlin-Kontakte, Kontakte mit der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), § 218 (Schwangerschaftsabbruch), Materialien zu Themen wie Gleichstellungspolitik, Teilzeitarbeit, frauenfeindliche Werbung, Friedensaktionen, Internationale Frauentage, Frauen in Männerberufen, Familienpolitik, Anti-Diskriminierungsgesetz, Frauenförderung, Fraueninitiative 6. Oktober, ausländische Frauen, Frauengeschichte, Bio- und Gentechnologie.

Weitere Akten zu Frauenangelegenheiten enthalten die Bestände Referat Organisation (u.a. Wählerinitiativen, Kampagnen), die Sekretariate Fritz Heine und Erich Ollenhauer (u.a. Frauenwerbung) und andere Abteilungen des SPD-Parteivorstandes. Aufschlussreiches Material zur Frauenarbeit und zur Frauengeschichte beinhalten zudem die Aktenbestände Büro Erich Ollenhauer (über den Bestand verstreut) und Büro Kurt Schumacher (an verschiedenen Stellen sowie konzentriert in den 5 Akteneinheiten „Frauenbüro im SPD-Parteivorstand [Herta Gotthelf]" aus den Jahren 1946 - 1948, die Korrespondenz mit den Parteibezirken enthalten).

Akten der SOPADE (Emigrationsbestand)

Der Bestand, der die Akten der SPD-Führung im Exil aus den Jahren 1933 bis 1946 umfasst, enthält neben der umfangreichen Korrespondenz mit Einzelpersonen und Organisationen, Protokolle der Parteigremien und Materialien zur politischen Diskussion über die Bekämpfung des Nationalsozialismus und den Neuaufbau Deutschlands nach dem Krieg. Er bietet zugleich Informationen über das Schicksal einzelner Personen in der NS-Zeit. Dazu zählen auch eine Reihe aktiver Sozialdemokratinnen, Frauen, die das Schicksal ihrer politisch verfolgten Männer teilten oder selbst direkt von politischer oder rassischer Verfolgung betroffen waren.

Von den Materialien zu prominenteren Sozialdemokratinnen seien hervorgehoben: Die Korrespondenzen von Marie Juchacz (1933 - 1945), Hanna Kirchner (1933 - 1940) und Herta Gotthelf (1934 - 1945) mit der SOPADE sowie Unterlagen zu Einzelschicksalen in der NS-Zeit.

Herta Gotthelf (rechts), Leiterin des SPD-Frauensekretariats, auf dem SPD-Parteitag in Düsseldorf, 13.09.1948
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SPD-Bundestagsfraktion und andere parlamentarische Überlieferungen

In den Akten der SPD-Bundestagsfraktion (1949 - 1998) spiegelt sich auf breiter Ebene die in der Bundesrepublik geführte Diskussion um die gesetzgeberischen Initiativen auf den Gebieten der Frauenpolitik, Gleichstellungspolitik und der Familienpolitik wider. Die Unterlagen sind bis zum Ende der 6. Wahlperiode (1972) durch konventionelle Findmittel und die Datenbank Faust erschlossen. Für die Jahre 1971 - 1980, vereinzelt auch für frühere Jahre, liegen Tonbandaufzeichnungen der Fraktionssitzungen vor. Von besonderem Interesse für die Frauenforschung sind die Akten des Arbeitskreises Rechtswesen, in denen sich die Unterlagen zu den großen Reformvorhaben der 1960er und 1970er Jahre befinden: zu den Veränderungen im Ehe- und Familienrecht, im Scheidungsrecht, zur Reform des Unehelichenrechts und zur Auseinandersetzung um die Reform des § 218 (Schwangerschaftsabbruch). Ab 1987 wurde von der Fraktion ein zusätzlicher Arbeitskreis „Gleichstellung von Frau und Mann" eingerichtet, dessen Unterlagen von besonderer Bedeutung für Frauen- und Genderangelegenheiten sind. Gleichfalls von Interesse sind die Akten anderer Arbeitskreise/-gruppen wie „Familie, Senioren, Frauen und Jugend" oder „Sozialpolitik", die Materialien zur Familien- und Jugendgesetzgebung, Altersversorgung / Rentenversicherung (insbesondere Altersversorgung der Frauen) und Mutterschutzgesetzgebung enthalten.

Mitgliederwerbung  der Jungsozialisten, 1990
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SPD-Flugblatt zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern anlässlich der Bundestagswahlen 1949
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Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auch auf die Aktengruppen „Runder Tisch" und „SPD-Volkskammerfraktion der DDR" (1990), die einiges Material zu Frauenfragen und Frauenpolitik in der Umbruchphase der deutschen Wiedervereinigung enthalten.

Bestände von sozialdemokratischen Parteigliederungen und Landtagsfraktionen

Die hier archivierten Altregistraturen der einzelnen Untergliederungen der SPD (Landesverbände, Landtagsfraktionen, Bezirke, Unterbezirke und Geschäftsstellen) sind außerordentlich umfangreich und setzen in der Regel erst ab den 1950er Jahren oder später ein. Materialien aus früherer Zeit (Weimarer Republik oder Kaiserreich) sind nur in ganz wenigen Ausnahmefällen erhalten. Die Akten der Regionalbestände sind zum überwiegenden Teil nicht detailliert erfasst. Für viele Bestände existieren Abgabelisten, Karteikarten oder provisorische Findmittel. Dennoch sind die Aktenbestände der einzelnen Unterorganisationen in der Regel für Forschungen zur Frauenarbeit der SPD auf regionaler und lokaler Ebene von Bedeutung, da sie fast immer (wenn auch in unterschiedlicher Dichte) Materialien (Korrespondenz, Protokolle, Flugblätter, Presseausschnitte, Aufzeichnungen) zur Frauenarbeit in den jeweiligen Organisationen und zur Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen enthalten. Inhaltlich beziehen sich die Unterlagen auf die innerparteiliche Diskussion über die Beteiligung von Frauen an politischen Ämtern und Mandaten ebenso wie auf Aktionen, Veranstaltungen und Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen (z.B. Ehe- und Familienrecht, Schwangerschaftskonfliktberatung, Einrichtung von Frauenhäusern). Vereinzelt befinden sich in den Akten auch historische Sammlungen (z.B. zur Frauengeschichte u.a. in der NS-Zeit und zu Biographien von Politikerinnen in der jeweiligen Region) sowie einige Original- Materialien aus der Zeit vor 1933. Ein Beispiel dafür sind die Unterlagen aus der SPD-Frauenarbeit im Bezirk Hamburg-Nordwest aus den Jahren 1926-1933.

SPD-Informationen über Maßnahmen zur Gleichstellung der Frauen in Hamburg, 1982
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Trümmerfrauen bei der Arbeit, Berlin 1945
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Andere Organisationen und Institutionen

Im Archiv der sozialen Demokratie befinden sich eine Reihe nicht parteigebundener Bestände, die von Institutionen und Organisationen übernommen wurden, die zum Teil der Arbeiterbewegung verbunden sind oder aus dem größeren Umkreis sozialer und kultureller Bewegungen stammen. Dazu zählen Akten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ebenso wie Unterlagen der Friedensbewegung. Sie alle können für Fragestellungen zur historischen Frauen- und Genderforschung in Betracht kommen.

Im einzelnen hervorgehoben werden sollen an dieser Stelle die Bestände

Internationaler Jugendbund (IJB) / Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK)

Der Bestand umfasst den Zeitraum 1916 - 1979 sowie Anreicherungen aus späteren Jahren. In ihm wird die Tätigkeit des von dem Göttinger Philosophen Leonard Nelson und der Pädagogin Minna Specht 1917 initiierten Internationalen Jugendbundes und des 1926 gegründeten Internationalen Sozialistischen Kampfbundes dokumentiert. In den Akten sind neben Materialien aus der Zeit vor 1933 (IJB/ISK-Konferenzen, Schulungen, Tätigkeit einzelner Ortsgruppen) vor allem Unterlagen über die Widerstandstätigkeit gegen den Nationalsozialismus und die politische Arbeit in der Emigration sowie Korrespondenzen aus der Zeit nach Auflösung des ISK enthalten. Der IJB/ISK zeichnete sich vor anderen politischen Organisationen dadurch aus, dass in ihm eine ungewöhnlich große Zahl politisch engagierter Frauen tätig war. Ihre Arbeit wird direkt oder indirekt durch die im Bestand enthaltenen Korrespondenzen, Berichte und andere Unterlagen deutlich.

Erwähnt seien hier u.a. Hanna Bertholet (Hanna Fortmüller), Anna Beyer, Erna Blencke, Nora Block (Nora Platiel), Klara Deppe, Jenny Fliess, Grete Henry (Grete Hermann), Maria Hodann (Mary Saran), Regina Kaegi-Fuchsmann, Aenne Kappius, Eva Lewinski (Eva Pfister), Hilde Meisel (Hilde Olday / Hilda Monte), Mascha Oettli, Minna Specht.

FemArchiv

Im Sommer 2002 hat das Archiv der sozialen Demokratie einen Teil der Akten eines Bonner Frauenarchivs (Feministisches Archiv) übernommen, in dem sich insbesondere Akten, Materialien und Flugblätter von autonomen Frauengruppen aus Bonn sowie Unterlagen zu Veranstaltungen auf Bundesebene befinden.

Gleichfalls für Forschungszwecke verfügbar ist inzwischen die

Sammlung Frauenpolitik der FES / Referat Frauenpolitik Monika Langkau-Hermann

Die Sammlung umfasst die Akten des Gesprächskreises Frauenpolitik sowie der jeweiligen regionalen Gesprächskreise (Schwerpunkt neue Bundesländer) aus den Jahren 1986 - 2001. Enthalten sind u.a. die Unterlagen von Fachtagungen, Workshops, Abendveranstaltungen, Expertinnentreffen, Bürgerforen sowie die in diesem Zusammenhang erstellten Materialien und Broschüren.

Nationale und internationale Gewerkschaftsbewegung

Die Gewerkschaftsakten im AdsD reichen von den Altregistraturen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) über das 1995 in das AdsD integrierte DGB-Archiv bis hin zu den Beständen zahlreicher nationaler und internationaler Gewerkschaftsorganisationen (insgesamt ca. 12.000 lfd.m.).3 Aus diesem Bereich sind in den letzten Jahren - nicht zuletzt durch die Übernahme umfangreicher Gewerkschaftsarchive anlässlich der Fusionen von Einzelgewerkschaften zu größeren Verbänden - in kurzer Zeit große Mengen von Altregistraturen in das AdsD gelangt. Ein kleiner Teil ist durch detaillierte Verzeichnung erfasst, nahezu alle Bestände sind vorstrukturiert und für die Forschung benutzbar. Für den Bereich der Gewerkschaftsakten ist davon auszugehen, dass eine Reihe dieser Bestände für Forschungen zu Gender-Fragen, zu Frauenarbeit und zu Fragen der beruflichen und gewerkschaftlichen Organisation von Frauen schon aufgrund der Mitgliederstruktur der abgebenden Verbände von Interesse sind. Dies gilt sicher in besonderer Weise für die Aktenbestände der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) und der Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB), um nur einige zu nennen. Darüber hinaus können die Gewerkschaftsbestände insgesamt aufschlussreiches Material für die Erforschung der Situation von Männern und Frauen in der Arbeitswelt enthalten.

Vertreterin des Betriebsrats  im  Gespräch mit Arbeiterinnen der Ofenfabrik Gelsenkirchen, 1951
								© AdsD Frauenarbeit in einer Druckerei, 1958
								 © AdsD

In den Beständen der Einzelgewerkschaften gibt es in der Regel besondere Aktengruppen, deren Relevanz für die historische Frauenforschung schon auf den ersten Blick durch ihre Provenienz ins Auge fällt, nämlich Akten aus der jeweiligen „Abteilung Frauen" oder dem „Frauenreferat". Dabei handelt es sich in erster Linie um Unterlagen, die Aufschluss über Aktivitäten geben, die auf die Berücksichtigung von Fraueninteressen und Gleichstellungsfragen in den Gewerkschaftsorganisationen selbst abzielen (Forderungen nach entsprechender Vertretung von Frauen im hauptamtlichen und ehrenamtlichen Apparat, Anregungen in Bezug auf Tariffragen). Dort finden sich auch Stellungnahmen zu bestimmten politischen Fragen von frauen- oder familienpolitischer Relevanz bzw. zu gewerkschaftlichen Forderungen und Aktionen auf diesen Gebieten. Auch Materialien zur Situation der Frau im Arbeitsleben, oft ganz spezielle Erhebungen unter dem Aspekt der Gleichstellung, sind in einer Reihe von Beständen nationaler und internationaler Gewerkschaften enthalten. Von besonderer Bedeutung sind die Akten der Tarifsekretariate und Tarifkommissionen, die Einblick in Lohnverhandlungen und Lohngestaltung geben, in denen nicht zuletzt auch der Gender-Aspekt zum Ausdruck kommt. Bei der Formulierung von Forschungsvorhaben über die Arbeitsbedingungen von Frauen, ihr Organisations- oder Konfliktverhalten sollte das Interesse aber nicht nur den Akten der jeweiligen Vorstands- und zentralen Gremien gelten. Oft sind es gerade die Materialien der gewerkschaftlichen Untergliederungen (Landesverbände, Bezirke, Verwaltungsstellen), in denen sich Informationen über Arbeitsprozesse, Angaben zur Situation von Frauen in einzelnen Betrieben, zur Frage prekärer Arbeitsverhältnisse oder zu Streiks finden. Wie weit der regionale Rahmen gespannt ist, mag der Hinweis auf die hier archivierten Bestände verschiedener Verwaltungsstellen der Gewerkschaft Textil-Bekleidung zeigen, unter denen vom württembergischen Heidenheim über Bielefeld-Gütersloh bis zu den Regionen des Vogtlandes und des Erzgebirges zahlreiche Orte vertreten sind.

Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund (ADGB)

1919 - 1933 Die „ADGB-Restakten" spiegeln sowohl die Kontakte des Dachverbandes mit einigen Einzelgewerkschaften wie auch die allgemeinen politischen Aktivitäten des ADGB wider. In den Archivalien sind Dokumente zu Frauenfragen bzw. Unterlagen, die direkt auf die gewerkschaftliche Organisation von Frauen bezug nehmen, nur sehr vereinzelt erhalten, z.B. in den Titeln „Lehrgang für Jugendpflegerinnen und -führerinnen in Bonn 1928", „Heimvolkshochschule Schloss Tinz". In dieser Aktengruppe sind Unterlagen über „Männerkurse" (1922 - 1933) und „Frauenkurse" (1927 - 1932) enthalten. In dem über das DGB-Archiv in das Archiv der sozialen Demokratie gelangten Teil der ADGB-Altregistraturen befinden sich einige wenige Unterlagen von Gertrud Hanna, der Redakteurin der „Gewerkschaftlichen Frauenzeitung" und Leiterin des Arbeiterinnensekretariats (Schriftwechsel, Unterlagen zur Internationalen gewerkschaftlichen Arbeiterinnenkonferenz in Paris 1927).

Archiv des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im AdsD

Materialien zu Frauenangelegenheiten finden sich in den Akten der geschäftsführenden Vorstandmitglieder (vor allem bei Thea Harmuth, Maria Weber, Irmgard Blättel, Ursula Engelen-Kefer), Vorlagen und Beschlüsse zur Frauenpolitik außerdem in den Protokollen des Geschäftsführenden Bundesvorstandes, des Bundesvorstandes und des Bundesausschusses sowie in der Abteilung Frauen. Thematisch beziehen sich die Unterlagen aus den Jahren 1949 - 2000 u.a. auf Frauenentlohnung, Gleichberechtigung von Mann und Frau (Stellungnahmen zur Gesetzgebung), Arbeitsschutz für Frauen, Aktionsprogramme für die gewerkschaftliche Frauenarbeit, Frauen und Mitbestimmung, Richtlinien für die DGB-Frauenarbeit, Frauenförderung im Bereich des DGB, nationale und internationale gewerkschaftliche Aktionen zu Frauenfragen (u.a. DGB-Frauenoffensiven), Bundesfrauenkonferenzen. Zusätzlich zu den Registraturen dieser Gremien kommen - insbesondere zu bestimmten Sachthemen - auch die Akten der Abteilungen Sozialpolitik und Tarifpolitik in Frage.

Während die Landesbezirksvorstände ihre Akten in der Regel nicht an das DGB-Archiv abgegeben haben, bestand für die regionalen Frauengremien Abgabepflicht, so dass in den Sachakten des Bundesvorstandes heute auch Materialien der Landesbezirksfrauenausschüsse und der Kreisfrauenausschüsse überliefert sind. Eine Ausnahme bilden auch die Akten des DGB der Britischen Zone, die gleichfalls in das DGB-Archiv Eingang gefunden haben (und damit auch die Altregistraturen der entsprechenden Frauenreferate, die von besonderem Interesse für die Erforschung der gewerkschaftlichen Frauenarbeit in der frühen Nachkriegszeit sind).

Als Besonderheit ist anzumerken, dass in den Unterlagen des Geschäftsführenden Bundesvorstandes auch Akten des Deutschen Frauenrates enthalten sind, die durch die Funktionen der DGB-Vorstandsmitglieder Maria Weber und Irmgard Blättel beim Deutschen Frauenrat in das DGB-Archiv gelangten.

Knapp die Hälfte der DGB-Akten ist durch Findbücher erschlossen (zum Teil auch in EDV-Form), die andere Hälfte ist durch Eingangsverzeichnisse erfasst.

Sammlungen

Von den umfangreichen Sammlungen des Schriftgutbereichs sollen an dieser Stelle einige vorgestellt werden, die von besonderem Interesse für den Themenbereich Gender / Frauen / Frauenbewegung / Frauengeschichte sind:

Sammlung „Kleine Erwerbungen "

Der Bestand „Kleine Erwerbungen", der rund 17 laufende Meter umfasst, enthält in erster Linie einzelne Dokumente, Mitgliedsbücher, Autographen oder Dossiers zu verschiedenen Personen und Themen. Die folgenden Hervorhebungen sind wiederum in erster Linie nur als Beispiel für mögliche Funde zum Thema Frauengeschichte zu werten.

Dazu zählen Materialien aus der Rubrik „Personalia und Dossiers", in der u.a. Autographen, Lebenserinnerungen und Dokumente archiviert wurden. U.a. zu: Eva Pfister (Lebenserinnerungen), Ruth Schmidt, Eva Macias, Gundel Trantofsky, Elfriede Trautmann (Lebenserinnerungen), Helene Troost (persönliche Unterlagen), Rose Frölich, Clara Zetkin, Irmgard Enderle, Hildegard Behrisch, Agnes Behm, Frieda Paul, Bertha von Suttner, Anna Bios, Margarete Susman, Hanna Kirchner (Korrespondenz). In der Rubrik „Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg 1933 - 1945 /NS-Justiz" sind eine Reihe von Unterlagen zu politischen Prozessen enthalten, u.a. zu: Margarete Leupold (Generalstaatsanwalt Hamm, 1934), Käthe Lenau (Oberlandesgerichts Hamm, 1935), Hedwig Sylvia Leibetseder [Gertrud Rath] (Kammergericht Berlin, 1936), Margarete Kellershohn (Volksgerichtshof, 1935).

In dem Bestand findet sich außerdem eine Sammlung von Mitgliedsbüchern prominenter und unbekannter SPD-Mitglieder, darunter auch von zahlreichen Frauen. Schließlich fehlt es nicht an einigen „Kuriosa", darunter eine 1924 von den Teilnehmerinnen des 4. Frauenkurses auf Schloss Tinz redigierte „Zeitschrift" mit dem Titel „Die Rote Universität. Organ der marxistischen Amazonenschule Tinz".

Sammlung Personalia

Bei der Sammlung Personalia handelt es sich in erster Linie um eine Sammlung personenbezogener Materialien (Presseausschnitte, Pressemitteilungen, im Einzelfall auch andere Dokumente, wie Korrespondenz, Redetexte, biographische oder autobiographische Aufzeichnungen). Die Sammlung ist alphabetisch geordnet und nicht im einzelnen verzeichnet, sie erschließt sich insofern nur durch Durchsicht der jeweils in Frage kommenden Akteneinheiten. Da es sich bei den Presseartikeln häufig um Beiträge zu bestimmten Anlässen (Geburtstage, Berufungen in ein Amt, Nachrufe) handelt, enthält der Bestand eine Fülle von biographischen Informationen über bekannte und weniger bekannte politisch tätige Frauen aus verschiedenen Regionen (vor 1989 hauptsächlich aus der alten Bundesrepublik sowie in Einzelfällen auch aus dem Gebiet der Sowjetzone / DDR).

Zeitungsausschnittsammlung

In der Zeitungsausschnittsammlung werden vorwiegend Zeitungsartikel, Pressedienste etc. thematisch unter Schlagwörtern abgelegt. Zu unserem Thema finden sich entsprechende Materialien in der älteren Version der Verschlagwortung (1945 - 1959) allgemein unter „Frauen- und Familienfragen", in den neueren Teilen der Sammlung (1973 ff.) unter „Bevölkerung" mit entsprechenden Gender-Spezifizierungen. Aber auch unter den Schlagworten „Soziales", „Arbeit", „Fürsorge", „Jugend", wurden einschlägige Unterlagen zusammengefasst.

Informations- und Pressedienste

Die Informations- und Pressedienste der SPD und der SPD-Bundestagsfraktion enthalten in chronologischer Ordnung Materialien, die bis in die unmittelbare Nachkriegszeit zurückreichen. Sie ermöglichen bei Frauen- und Gender-Themen einen Zugang zur jeweils aktuellen tagespolitischen Diskussion. Von besonderem Interesse ist die „Frauen-Korrespondenz", die in regelmäßigen Abständen dem seit 1946 erscheinenden „Sozialdemokratischen Presse- dienst" (Politik) befugt wurde. Ab November 1967 entstand daraus eine eigenständige Beilage „Frau und Gesellschaft", die ab 1974 Broschürenform erhielt.

Flugblätter und Flugschriften

Die Flugblattsammlung ( ca. 40.000 Stück) umfasst Materialien aus dem Zeitraum von 1800 bis zur Gegenwart. Zwar bilden die Flugblätter und Flugschriften sozialdemokratischer Provenienz den Schwerpunkt, doch sind auch Materialien anderer politischer Parteien und Organisationen enthalten. So gibt es z.B. neben personenbezogenen Flugblättern von Kandidatinnen für verschiedene parlamentarische Gremien speziell an Frauen gerichtete Wahlaufrufe der SPD und anderer politischer Parteien. Es besteht die Möglichkeit, in einem Teil des Bestandes (neben Volltextrecherchen innerhalb der gescannten Texte) u.a. auch über eine Schlagwort- und eine Personenliste zu recherchieren.4 Die für die Erfassung von Gender-Fragen relevanten Flugblätter können z. B. über den Sachindex erfasst werden, wo das Schlagwort „Frauen" weiterführt zu „Frauenbewegung" / "Gewalt gegen Frauen" / „Gleichberechtigung" / „Frauenwahlrecht" / „Schwangerschaftsabbruch", aber auch Eingaben wie „Feminismus" weitere Ergebnisse zu tage fördern. Flugblätter können auch über eine Datenbank im Internet recherchiert werden, zu der man über die Internet-Seite des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung gelangt.

SPD- Wahlkampfwerbung für die Bundestagswahl am 19.11,1972
© AdsD SPD-Flugblatt für junge Frauen und Mädchen, ca. 1952/53
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Plakatsammlung

Die Plakatsammlung mit ca. 60.000 Objekten (Zeitraum 1848 bis zur Gegenwart) und dem inhaltlichen Schwerpunkt Arbeiterbewegung, speziell Sozialdemokratie und Gewerkschaften, bietet visuelle Materialien, deren überwiegender Teil aus der Zeit nach 1918 stammt. Ein großer Teil der Bestände ist digitalisiert und durch das Archiv-EDV-System „Faust" erfasst.

Die Sammlung enthält zahlreiche Bildmotive zur Frauenwerbung der politischen Parteien sowie Darstellungen zu frauenbezogenen Themen (z.B. zu Frauenerwerbsarbeit, Bildung, Rentenpolitik, Reform des § 218). Auch hier sind Recherchen über einen Teil des Bestandes in der Datenbank im Internet möglich.

SPD-Plakat zur Europa-Wahl 1979
© AdsD SPD-Plakat zum Arbeitsbericht '74 der Bundesregierung, 1974
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Ton- und Film/Videoarchiv

Das umfangreiche Tonarchiv (Zeitraum: 1918 bis zur Gegenwart) enthält einige sehr rare Ton-Dokumente von Politikerinnen in Form von digitalisierten Schellack-Schallplatten und Tonaufzeichnungen (z.B. Ansprachen der Reichstagsabgeordneten Marie Arning, Marie Juchacz und Toni Sender zu den Reichstagswahlen im Mai 1928, von Clara Bohm-Schuch zur Reichstagswahl am 14.09.1930, von Clara Zetkin die Eröffnungsansprache als Alterspräsidentin des Reichstags am 31.07.1932. Im Film- und Videoarchiv, das 1911 einsetzt und ca. 61000 Filme sowie rund 10 000 Videos umfasst, werden gleichfalls Dokumente aufbewahrt, die für die Frauenforschung von Interesse sein könnten, z.B. Amateurfilmaufnahmen von Mitgliedern des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) im Londoner Exil oder der Film „Die sozialistische Fürsorgeerziehung" (über die AWO-Einrichtung Immenhof), der eine Filmsequenz mit Marie Juchacz, der Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, enthält. Im Video-Archiv befinden sich Aufnahmen einer Reihe von FES-Veranstaltungen mit Frauenthemen (u.a. Socialist International Women Conference, Berlin 1992).

Bildarchiv

Das Bildarchiv mit rund 1.000.000 Fotos verfügt insbesondere in seinem personenbezogenen Teil (350.000 Objekte) über umfangreiches Bildmaterial zu politisch aktiven Frauen. Von besonderem Interesse sind auch die zahlreichen unter Sachthemen zu findenden Fotos zu Kongressen, Veranstaltungen oder zu Motiven aus der Arbeitswelt. Wer Aufnahmen von Luise Zietz oder Anna Nemitz auf dem außerordentlichen USPD-Parteitag im März 1919 in Berlin sucht, wird ebenso fündig werden wie bei Recherchen zu Frauendemonstrationen zum Internationalen Frauentag 1927 oder bei der Suche nach Fotos der SPD-Frauenkonferenz im Mai 1953 in Köln. Auch im Bildarchiv sind Recherchen über eine Datenbank im Internet möglich.

Wahldemonstration für die USPD und Luise Zietz anlässlich der Wahlen zur Nationalversammlung 1919
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Fazit

Die knappe Übersicht zeigt die Problematik, die sich für Archivare/Archivarinnen und Historiker/Historikerinnen bei der Bearbeitung und Auswertung von Akten zur Frauen- und Gendergeschichte in unserem Archiv ergeben. Durch die Ausführungen wird aber auch deutlich, dass es Sichtweisen und Strategien gibt, die den Zugang wesentlich erleichtern können. Hier wird sicher aus archivischer Sicht in Zukunft noch über weitere Hilfestellungen für die Forschung nachgedacht werden müssen. Einen Schritt zur besseren Erfassung von Frauenbeständen hat man im Archiv der sozialen Demokratie bereits dadurch unternommen, dass inzwischen Bestände von Männern, die auch Dokumente der Ehefrauen enthalten, konsequent unter beider Namen ausgewiesen oder in getrennte Bestände aufgeteilt werden. Dennoch sollte stets berücksichtigt werden, dass - wie oben ausgeführt - zahlreiche Bestände auch „männlicher" Provenienz natürlich immer auch unter dem Gender-Aspekt von Interesse sein können. Als schwierigstes Kapitel in der Quellenerschließung bleibt das Problem der „versteckten Quellen" weiter bestehen. An dieser Stelle ist letztlich die Hilfestellung der einzelnen Archivmitarbeiter und -mitarbeiterinnen unersetzlich, die aus der Erfahrung mit dem Schrift- oder Sammelgut ihrer jeweiligen Arbeitsbereiche wesentliche Anregungen und Impulse geben können. Dies war auch bei der vorliegenden Ausführungen der Fall, die - wie hier dankend vermerkt werden soll - ohne spezielle Hinweise der Kolleginnen und Kollegen des Archivs nicht möglich gewesen wären. Auch die folgende Übersicht über Nachlässe und Deposita von Frauen stützt sich zum überwiegenden Teil auf die von den Archivmitarbeiterinnen und -mitarbeiten ermittelten Daten über Bestände und Personen.

Fussnoten:

Fussnote 1:
Vgl. dazu Mario Bungert: „Zu retten, was sonst unwiederbringlich verloren geht". Die Archive der deutschen Sozialdemokratie und ihre Geschichte. Hrsg. Historisches Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung (Beiträge aus dem Archiv der sozialen Demokratie ; 4), Bonn 2002.Zurück

Fussnote 2:
Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung: Bestandsübersicht, 2. veränderte Auflage, Bonn 1998. Vgl. Paul, Hans-Holger: Vom Parteiarchiv zur zentralen Forschungsstätte der Arbeiterbewegung und Sozialgeschichte. Zum 30. Jahrestag der Gründung des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung. In: Der Archivar, Jg. 52, Heft 4, 1999. Available at: http://www.archive.nrw.de/archivar/1999-04/inhalt.htm.Zurück

Fussnote 3:
Zu den Gewerkschaftsbeständen im AdsD vgl. Hans-Holger Paul: Gewerkschaftsakten im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, in: VdA - Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V., Mitteilungen der Fachgruppe 6: Archivare an Archiven der Parlamente, der Politischen Parteien, Stiftungen und Verbände im Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V., Nr. 27, 15. Juli 2002, S. 11 - 25; Klaus Mertsching: Das DGB-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie, in: ebenda, S. 27-31.Zurück

Fussnote 4:
Vgl. Harry Scholz: Erschließung und Digitalisierung von Flugblättern und Flugschriften im Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), in: Brandenburgische Archive. Mitteilungen aus dem Archivwesen des Landes Brandenburg, 2000, 15, S. 11 - 14.Zurück