SPP/ICA-Tagung im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung

Bärbel Richter

In diesem Jahr, am 2./3. November 2006, fand das jährliche Treffen der Section for Archives of Parliaments and Political Parties des ICA (International Council on Archives) auf Einladung des AdsD in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn statt .

Das AdsD beteiligt sich bereits seit Jahren an der Arbeit des Internationalen Archivrats, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die Erhaltung der Archive und den Zugang zu diesen weltweit zu fördern. Im ICA sind nationale Archivverwaltungen, Fachverbände von Archivarinnen und Archivaren, Kommunal- und Stadtarchive, Archive anderer Organisationen sowie einzelne Archivarinnen und Archivare vereinigt. Mit seinen 1400 Mitgliedern aus 190 Ländern ist der ICA nicht nur nominell international. Die ICA-Regionalzweige bieten Archivarinnen und Archivaren ein regionales Forum in allen Teilen der Welt.

 

Prof. Dr. Michael Schneider, Leiter des AdsD und Rudolf Schmitz bei der Eröffnung der Tagung © AdsD

Das Motto der diesjährigen SPP-Tagung lautete: “The WWW as a challenge and as a chance for parliamentary and party archives”. Parlaments- und Parteiarchivarinnen und -archivare aus nahezu allen Kontinenten hatten sich in Bonn unter dem Vorsitz des SPP/ICA-Präsidenten Dr. Günther Schefbeck zusammengefunden, um über die Veränderungen – vor allem aber auch über die Chancen und die spezifischen Probleme – zu sprechen, die sich für die archivarische Arbeit durch das Internet ergeben.

Der erste Tag stand unter dem Motto: „The WWW into the archives“. Mehrere Vorträge beleuchteten u.a. die Frage, wie Internetauftritte oder wichtige Teile von Internetauftritten in die Bestände der Archive integriert werden können. Rudolf Schmitz vom AdsD hielt einen Vortrag zum Thema: „Archivierung von Internetseiten politischer Parteien in der Bundesrepublik“, in dem er sich mit den Möglichkeiten, aber auch den Grenzen der Verwendung von gespiegelten Internetseiten auseinandersetzte. Reinder van der Heide vom Parlamentsarchiv der Niederlande berichtete über den Aufbau und die Struktur der Internetseiten des niederländischen Parlaments. Interessantes über die Veränderung der eigenen Arbeit, aber auch über die Veränderungen bei den Anfragen ans Parlament standen im Vordergrund .

Prof. Dr. Angelika Menne-Haritz, Dr. Günter Schefbeck, Reinder van der Heide und Prof. Dr. Michael Schneider © AdsD

Frau Professor Dr. Angelika Menne-Haritz, Direktorin des SAPMO im Bundesarchiv und Vizepräsidentin des Bundesarchivs, beschäftigte sich in ihrem Vortrag mit Möglichkeiten internationaler Kooperationen. Hervorgehoben wurden in diesem Zusammenhang die zahlreichen internationalen Zusammenschlüsse, die sich u.a. mit der Entwicklung international gültiger Standards beschäftigen. Ferner erfuhren die Teilnehmer Einzelheiten u.a. über das Netzwerk SED-Archivgut, Fortschritte bei Online-Findbüchern, der Digitalisierung von Beständen im Internet und den Aufbau gemeinsamer Portale mit anderen Archiven.

Der zweite Konferenztag stand unter dem Motto: „Archives in the Internet“. In mehreren Vorträgen wurden unterschiedliche Herangehensweisen und Methoden präsentiert. Bärbel Richter und Peter Pfister stellten den Internetauftritt des AdsD vor. Dabei stand vor allem die veränderte Öffentlichkeitsarbeit der Archive durch das Internet im Vordergrund. Dr. Günther Schefbeck konnte in seinem anschließenden Vortrag den Internetauftritt des österreichischen Parlamentsarchiv erläutern. Im Bereich „Parlamentarische Dokumentation und Statistik“ werden sämtliche Verhandlungsgegenstände des Nationalrates und des Bundesrates und alle Stufen des parlamentarischen Verfahrens, dem sie unterzogen werden, dokumentalistisch erfasst. Seit Beginn der XXI. Gesetzgebungsperiode des Nationalrates erfolgt diese Erschließung nicht mehr karteimäßig, sondern ausschließlich EDV-unterstützt im Rahmen der Datenbankapplikation „Parlamentarische Materialien“. Gleiches gilt für die Dokumente des vorparlamentarischen Begutachtungsverfahrens, dem Ministerialentwürfe vor der Einbringung einer Regierungsvorlage im Nationalrat unterzogen werden. Des weiteren werden Statistiken erstellt und die „Parlamentarier-Datenbank“ betreut.

Besuch der Tagungsteilnehmer im Hohen Dom zu Köln © AdsD

Dietmar Haak vom Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP) der Konrad-Adenauer-Stiftung ging in seinem Beitrag auf die Anforderungen und Herausforderungen ein, denen sich Archive im Hinblick auf die komplexen rechtlichen Probleme des Copyrights gegenüber sehen .

Der Nachmittag des zweiten Tagungstages war der Vorstellung der Archive der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung vorbehalten. Bevor die Tagungsteilnehmenden an einer Führung durch das AdsD teilnahmen, berichtete Dr. Angelika Keller-Kühne über Aufgaben und Struktur des ACDP und informierte über die Politischen Stiftungen in Deutschland .

Während der erste Konferenztag mit einer Führung und einem Konzert im Kölner Dom seinen Abschluss fand, endete der Kongress am zweiten Tag mit einem Empfang der Stadt Bonn im Alten Rathaus. Am Samstag stand eine Exkursion nach Trier auf dem Programm, wo nicht nur die neugestalteten Ausstellungsräume im Karl-Marx-Haus, sondern auch die römischen Stätten Triers besichtigt werden konnten.

Weitere Bilder der Tagung finden Sie hier .