Neue Bestände
Der Nachlass Fritz Parlow

Ende 2005 wurde dem AdsD von Frau Margarete Haaf-Sonntag der Nachlass Fritz Parlow übergeben.

Fritz ParlowFritz Parlow (1905 – 1983) war nach einer Schlosserlehre in Berliner Metallbetrieben tätig. Nach den Anfängen gewerkschaftlicher und politischer Arbeit in der Metallarbeiterjugend und der Sozialistischen Proletarier-Jugend Deutschlands (USPD) engagierte er sich bis 1933 in verschiedenen linkskommunistischen und syndikalistischen Gruppen1 (u.a. Kommunistische Arbeiter-Jugend KAJ, Allgemeine Arbeiter-Union Deutschlands (Revolutionäre Betriebsorganisationen), Erwachende Jugend Deutschlands (Spartakusbund), Allgemeine Arbeiterunion (Einheitsorganisation), Kommunistische Arbeiterunion (KAU). 1924 wurde er Redakteur der Wochenzeitung „Die Einheitsfront“, Ende der Weimarer Republik Redakteur beim „Kampfruf“. Parlow war außerdem in der Gemeinschaft proletarischer Freidenker aktiv und hatte Kontakte zu dem Kreis um Franz Pfemfert, Otto Rühle und zu Erich Mühsam. 1933 ging er in den Untergrund, wurde jedoch bei einer illegalen Zusammenkunft Ende Mai 1933 verhaftet. Er wurde zunächst in Plötzensee, dann im KZ Brandenburg/Havel und von Januar bis Ostern 1934 im KZ Esterwegen inhaftiert. Nach seiner Entlassung betrieb er eine Druckerei. Nach dem Krieg wurde Parlow SED-Mitglied in Berlin-Mitte, betätigte sich aber auch im Westsektor und gehörte zur Gruppe Internationale Sozialisten um Alfred Weiland Link und die Zeitschrift „Neues Beginnen. Blätter internationaler Sozialisten“. Vor der drohenden Verhaftung floh Fritz Parlow im Januar 1950 in den Westsektor Berlins, wo er eine Buchhandlung eröffnete. Im Oktober 1954 trat er in die SPD ein und wurde in den folgenden Jahren Bezirksverordneter und SPD-Kreissekretär im Bezirk Berlin-Tiergarten.

Der Nachlass enthält Ausweise, persönliche Unterlagen, Lebenserinnerungen („Notizen eines Arbeiters“), Aufzeichnungen, Presseausschnitte, Akten, Korrespondenz und Einzelzeitschriften. Umfang: ca. 4 lfm. Akten, Laufzeit: ca. 1950 – 1984.


Angaben nach Lebenserinnerungen „Notizen eines Arbeiters“ und Michael Kubina: Von Utopie, Widerstand und Kaltem Krieg. Das unzeitgemäße Leben des Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland (1906 – 1978), Hamburg u.a. 2001, S. 289-292.