Internetquellen aus Bibliotheken im Portal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung

Regine Schoch

 

Die wissenschaftliche Literatur- und Informationsversorgung findet auch in den Geisteswissenschaften zunehmend im Internet statt. Anschub und Dynamik erhält diese Entwicklung von großen kommerziellen Anbietern wie Google, deren Angebot in Google Scholar weit über die bisher bekannte Suchmaschinenfunktion hinausgeht. Wissenschaftliche Bibliotheken reagieren nicht nur auf die neuen Herausforderungen, sondern agieren mit neuen Konzepten und stellen digitalisierte Forschungsquellen im Internet bereit.1 Sie entwickeln sich zu Wissensmanagementeinrichtungen, die elektronische Medien, Fachzeitschriften und Datenbanken sowie Online-Angebote der Fachdisziplinen auswählen und zusammenfassen.2 Es entstehen neben den klassischen Bibliothekskatalogen sogenannte Subject Guides, Fach- oder Themenportale.

Das Portal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, konzipiert und realisiert vom Historischen Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung, ist ein solches Themenportal. Es schließt mit seinem Auftrag, alle Internetquellen zur Geschichte der deutschen Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung aufzufinden und auf einer Plattform zusammenzuführen, eine thematische Lücke unter den großen historischen Fachportale.

Wesentlicher Teil der digitalen Quellen im Portal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ist die Sammlung der elektronischen Zeitschriften. Es sind historische Zeitschriften, retrodigitalisiert von der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung aber auch von in- und ausländischen Bibliotheken mit Beständen zur deutschen Arbeiterbewegung. Die aktuellsten Digitalisierungsprojekte der Bibliothek sind das „Archiv für Sozialgeschichte“ von 1961 bis 2007 sowie das laufende Projekt, die Retrodigitalisierung der „Neuen Zeit“, dem intellektuellen Forum der europäischen sozialistischen Intelligenz vor dem Ersten Weltkrieg, inzwischen im Volltext vorliegend von 1883 bis 1901.

Auch außerhalb der Digitalisierungsaktivitäten der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung befinden sich im Internet Bestände elektronischer Zeitschriften aus der Arbeiterbewegung. Die Universitätsbibliothek der University of Wisconsin digitalisierte Quellen zur deutschen Gewerkschaftsbewegung; sie stellte den „Aufwärts: Jugendzeitschrift des DGB (Britische Zone)“ aus der frühen Nachkriegszeit ins Internet. Die Deutsche Nationalbibliothek realisierte innerhalb ihres Projektes „Exilpresse digital“ die Volltextdigitalisierung des „Neuen Vorwärts“ von 1933 bis 1940.

Mit zunehmenden Digitalisierungsaktivitäten der Bibliotheken und Wissenseinrichtungen entsteht Schritt für Schritt im Portal Arbeiterbewegung eine Sammlung aller Zeitschriften zur deutschen sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Presse im Volltext. Bereits Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde eine fünfbändige gedruckte Bibliographie mit Besitznachweis von Alfred Eberlein erstellt, heute sind diese Titel im Portal unmittelbar im Volltext lesbar.3

 

Selbstverständlich sind alle E-Journals, die im Portal Arbeiterbewegung aufgeführt werden, auch innerhalb der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) verzeichnet. Doch in der EZB ist der systematische Zugriff nach klassischen Wissenschaftsdisziplinen (z.B. Geschichte, Politologie, Soziologie ….) organisiert. Ein thematischer Zugriff nach „Sozialdemokratie“, „Gewerkschaft“ oder „Arbeiterbewegung“ ist weder möglich noch vorgesehen. Das Themenportal Arbeiterbewegung schließt hier eine Recherchelücke.

Die vollständige Liste aller Zeitschriften im Portal befindet sich unter http://www.portal-arbeiterbewegung.de/zeitschriften/kollektion

Für die Datenbanken innerhalb des Portals gilt das gleiche Prinzip, wie eben bei den Zeitschriften beschrieben. Innerhalb des deutschen Bibliothekswesens existiert das „Datenbank-Infosystem (DEBIS)“ mit allen im Internet bekannten Datenbanken. Das Themenportal bietet hier wieder den thematisch spezifischen Zugriff auf Datenbanken zur Arbeiterbewegung. Die vollständige Liste aller Datenbanken zur Arbeiterbewegung findet sich unter http://www.portal-arbeiterbewegung/datenbanken/kollektion

Das dritte Segment der Internetressourcen im Portal sind die von der Bibliothek erstellten Netz-Quellen. Jede Netz-Quelle widmet sich einem eigenen Thema und versammelt darin Volltexte, digitalisierte Quellen, Bilder und Links aus Bibliothek und Archiv. Innerhalb einer Netzquelle werden die Internetressourcen beschreibend aufbereitet. Die Präsentation eines Themas ist geeignet für die politische Bildung, den Schulunterricht oder zum Ersteinstieg in dieses Thema. Die Liste aller bisher vorhandenen Netzquellen findet sich unter http://www.portal-arbeiterbewegung/netz-quellen/kollektion

Durch die Zusammenführung der Datenbanken, der elektronischen Zeitschriften und der Netz-Quellen kommt das Portal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung der Forderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft an die Spezialbibliotheken nach, an einer digitalen Informationsversorgung von überregionaler Ausstrahlung mitzuwirken, die offen und zugänglich für alle Nutzer ist. Denn analog zur überregionalen Versorgung mit konventioneller Literatur gilt auch hier das Prinzip eines kostenfreien und ungehinderten Zugangs zu den Digitalisaten. Die deutschen Wissenschaftseinrichtungen haben sich dem Open Access, der freien Nutzung von Literatur im Internet, verpflichtet.4 Im Portal Arbeiterbewegung werden nur digitale Ressourcen aufgenommen, deren uneingeschränkte Nutzung erlaubt ist.

Am Ende steht der Ausblick auf ein zukünftiges Projekt innerhalb des Portals, die Einbindung der digitalen Einzelveröffentlichungen. Ihre Anzahl im Bibliothekskatalog und im Internet ist bereits jetzt so hoch, dass eine Einzelverzeichnung nicht mehr sinnvoll ist. Nur mit Hilfe eines professionellen Bibliothekskatalogsystems und seiner verschiedenen Recherchemöglichkeiten sind digitale Monographien sinnvoll zu verwalten und anzubieten. So muss ein kommendes Projekt sein, den Bibliotheks-OPAC mit seinen vielen monographischen Volltexten zur deutschen Arbeiterbewegung in das Portal einzubinden und mit Hilfe seiner bekannten Suchfunktionen das Segment der digitalen Monographien komfortabel erschließbar zu machen.

 


 

1 Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme: Schwerpunkte der Förderung bis 2015; DFG-Positionspapier; Bonn 2006; http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/download/positionspapier.pdf (24.8.2009)

2 Marra, Stephanie: .hist2006: Querschnittsbericht „Themenportale zwischen Bibliothek und Fachwissenschaft“ in: H-Soz-u-Kult, 22.05.2006 http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=719&type=diskussionen (24.8.2009)

3 Eberlein, Alfred: Presse der Arbeiterklasse und der sozialen Bewegung; Frankfurt/M 1968-1970, 5 Bde.

4 Gemeinsame Erklärung der Wissenschaftsorganisationen; vom 25 März 2009 http://www.wissenschaftsrat.de/texte/allianz_erklaerung_25-03-09.pdf (24.8.2009)