„Wir haben die Machtfrage gestellt“ –
SDP-Gründung und Friedliche Revolution 1989/90

Eine neue Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung

 

Steffen Reiche (MdB)

Vor 20 Jahren fegte die Friedliche Revolution des Herbstes und Winters 1989/90 in der DDR innerhalb von drei Monaten das SED-Regime beiseite und erstritt die politische Teilhabe der Opposition sowie baldige freie Wahlen. Damit wurde der Grundstein für die Demokratisierung der DDR gelegt und der Weg für die deutsche Einheit geebnet. Ein zentraler Aspekt des damit angestoßenen tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Wandels war die Neugründung der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP) und damit die Wiedererstehung der Sozialdemokratie im Osten Deutschlands nach über 55 Jahren der Unterdrückung während der nationalsozialistischen Diktatur und durch das SED-Regime in der SBZ/DDR.

Die SDP-Gründung durch Markus Meckel und Martin Gutzeit sowie etwas mehr als 40 weiteren Personen aus dem Umfeld der evangelischen Kirche der DDR am 7. Oktober 1989 in Schwante bedeutete im Kontext der Friedlichen Revolution eine neue Qualität. Die Etablierung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR griff den Machtanspruch der SED, der zu einem Gutteil auf der im April 1946 vollzogenen Zwangsvereinigung von SPD und KPD fußte, frontal an und stellte damit die Legitimität des SED-Regimes grundsätzlich in Frage. Im Herbst und Winter 1989/90 entwickelte sich die SDP – Anfang Januar 1990 in SPD in der DDR umbenannt – schnell zu einem der Kristallisationspunkte und zu einem wichtigen politischen Akteur der Umwälzung in der DDR.

Dr. Konrad Elmer-Herzig

Nach der Volkskammerwahl gestaltete die SPD als zweitstärkste politische Kraft der DDR in der christdemokratisch geführten Großen Koalition den Prozess zur deutschen Einheit mit. Im Zuge der damit verbundenen elementaren Staats- und Verwaltungsreformen des Jahres 1990 etablierte sich die SPD als Partei zunächst auf kommunaler dann auf Länderebene und schuf damit die Basis für die Einheit der deutschen Sozialdemokratie, die am 27. September 1990 auf dem gemeinsamen Parteitag in Berlin vollzogen wurde.

Die vom Historische Forschungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der Friedlichen Revolution konzipierte und realisierte Wanderausstellung „Wir haben die Machtfrage gestellt“ – SDP-Gründung und Friedliche Revolution 1989/90“ widmet sich auf insgesamt 30 Tafeln der Gründungsgeschichte und der praktischen Politik der Sozialdemokratie in der DDR bzw. den neuen Bundesländern in den Jahren 1989 und 1990. Darüber hinaus verdeutlicht ein Rückblick einerseits den diktatorischen Charakter des SED-Regimes und rückt andererseits die sozialdemokratische Deutschlandpolitik seit den 1960er Jahren sowie den Neuansatz der Opposition in der DDR seit den 1970er Jahren ins Blickfeld. Mit dieser Ausstellung wird die tragende Rolle, die die deutsche Sozialdemokratie während der Friedlichen Revolution und im Prozess der deutschen Einigung spielte, herausgearbeitet und für ein breites Publikum erlebbar gemacht. Zu der Ausstellung liegt ein Katalog vor, der die von Mario Bungert konzipierten Tafeln mit Fotos und Texten sowie einen einführenden Essay von Peter Gohle enthält.

„Wir haben die Machtfrage gestellt“ – SDP-Gründung und Friedliche Revolution 1989/90“ wurde am 28. Mai 2009 von dem SDP-Mitbegründer Steffen Reiche im Berliner Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnet.

Anfragen zur Ausstellung:

Friedrich-Ebert-Stiftung
Doreen Mitzlaff
Hiroshimastraße 17
10785 Berlin
Telefon 030 26935-7302
E-Mail: doreen.mitzlaff@fes.de