Michael Oberstadt

„Der Verein beschließt aus seiner Casse etwa anfallende Ueberschüsse zur Anschaffung von Büchern für eine kleine Bibliothek des Vereins theilweise zu verwenden...“

Das Protokollbuch des Buchdrucker-Vereins Hildesheim (1863 - 1871)


Seite 1 des Protokoll-Buches © AdsDDiese Bibliotheksgründung fand am 20. Januar 1866 statt.

Der Nachwelt ist dies bekannt, weil sich ein schriftlicher Nachweis der Gründung erhalten hat – in einem Protokollbuch. Fast auf den Tag genau 140 Jahre später – am 23. Januar 2006 - wechselte dieses Buch seinen Besitzer: Holger Paul und Michael Oberstadt erhielten für das AdsD aus den Händen von Seppel Meier, ehemaliger Orts- und Bezirksvorsitzender der IG Druck und Papier, und Markus Brinkmann, Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Leine-Weser, eines seiner ältesten Gewerkschafts-Dokumente – das Protokollbuch des Buchdrucker-Vereins Hildesheim (1863 – 1871).

Anlässlich der Übergabe dieses wertvollen Stücks (und weiterer Archivalien) erinnerte der 84jährige Seppel Meier die Gäste, unter ihnen Vertreter des ver.di-Bundesvorstandes und der Bundestagsabgeordnete Bernhard Brinkmann (SPD), an die Verfolgung der Gewerkschaftsbewegung unter den Nationalsozialisten. So habe etwa die Gestapo nach dem 1. Mai 1933 Unterlagen im Hause des damaligen Kassierers beschlagnahmt, das historische Protokollbuch aber auch bei später durchgeführten Hausdurchsuchungen nicht gefunden.

Während der Feierstunde im Torhaussaal des Gewerkschaftszentrums in Hildesheim las Bettina Sörgel, Schauspielerin am Stadttheater Hildesheim, aus den Protokolleinträgen. Sie stellte dabei vor allem das gesellige Vereinsleben der Buchdrucker in den Mittelpunkt ihrer Auswahl. So wurde in den Niederschriften stets detailfreudig die Organisation und Durchführung des alljährlichen Johannisfestes festgehalten. Das Fest wurde zur Erinnerung an Johannes Gutenberg, der als Erfinder des Drucks mit beweglichen Metalltypen gilt, gefeiert. Auch über die regelmäßig veranstalteten Stiftungsfeste wurde ausführlich berichtet.

Das Protokollbuch beginnt mit der im Jahre 1863 stattgefundenen Gründung des Vereins.

Die Druckergesellen schließen sich zusammen, um Fragen ihres beruflichen Alltags zu beraten und ihre Interessen gemeinsam zu vertreten. Der Verein sollte den „... Fortschritt in ihrem Berufe fördernder Weise zu bilden im Stande sein ...“

Sie diskutierten über Sonntagsarbeit, den weiteren Ausbau der gewerkschaftlichen Vertretung der Buchdrucker (überörtliche Koordination), Fragen der Unterstützung durchreisender Gesellen (Viatikumskasse) und beschlossen – nach 1870 – die Unterstützung der Angehörigen eines in den Krieg eingezogenen Vereinsmitgliedes.

Die Einträge in diesem Band enden im Jahre 1871 mit: „Hoffen wir, dass der fürchterliche Krieg bald beendigt und der goldene, lang ersehnte Frieden uns lächeln möge.“

Dieses Protokollbuch ist eine wertvolle Quelle und vertieft unsere Kenntnisse über die Phase der neuen Gründungsbewegung von Gewerkschaftsorganisationen der Buchdrucker nach 1862, die von der verstärkten Bildung örtlicher Interessensorganisationen der Druckergesellen geprägt ist, bevor sich 1866 der Deutsche Buchdruckerverbandes in Leipzig konstituierte.

Die Vereinsbibliothek übrigens wurde ein voller Erfolg - der Buchbestand wuchs und wuchs.