Neue Bestände
Friedrich Bartels (1871 – 1931)

Friedrich Bartels, 1928 © AdsDVor wenigen Wochen konnte das AdsD ein Konvolut mit Briefen und Unterlagen von Friedrich Bartels erwerben, das ursprünglich aus dem Besitz des französischen Publizisten und Übersetzers Adrien Robinet de Clèry stammte, der in den 1920er Jahren als Commissaire de Réparation für die französische Regierung tätig war.

Der Sozialdemokrat Friedrich Bartels zählte zu den weniger bekannten Politikern der Weimarer Republik, obgleich er als Präsident des Preußischen Landtags und Mitglied des SPD-Parteivorstands in herausgehobenen Positionen tätig war. Geboren am 28. März 1871 in Loitz (Pommern) als Sohn einer vorpommerschen Häuslerfamilie erlernte er nach dem Volksschulbesuch das Malerhandwerk. Auf der Wanderschaft kam er nach Hamburg, wo ihn das Erlebnis eines Streiks in die Reihen der Gewerkschaft führte. Mit 33 Jahren wurde er Angestellter des Malerverbandes, ab 1904 vertrat er die Sozialdemokratie in der Hamburger Bürgerschaft, 1906 berief ihn die Partei zum Bezirkssekretär für Schleswig-Holstein. 1913 wurde Bartels als Sekretär in den SPD-Parteivorstand gewählt. Er übersiedelte nach Berlin, wurde nach der Revolution von 1918 Mitglied des preußischen Landtags und ab 1925 dessen Präsident. Innerhalb des SPD-Parteivorstands übernahm er ab 1919 das Amt des Kassiers. Bartels, den nach Aussagen seiner Freunde „strenge Sachlichkeit, ein unbestechlicher, auf Ausgleich gerichteter Charakter und ein gutmütiges Grundwesen auszeichneten“ (Otto Braun, „Vorwärts“, 48. Jg., Nr. 539, 17.11.1931), starb am 11. November 1931.

Die nun im AdsD befindlichen Briefe und Dokumente von Friedrich Bartels (0,10 lfm) stammen aus den Jahren 1930/31, einer Zeit, in der er mehrfach schwer erkrankt war. Dennoch spricht aus dem Briefwechsel mit Adrien Robinet de Clèry vor allem die tiefe Sorge über die wirtschaftliche und politische Krise in Deutschland. Deutlich wird aus den Dokumenten auch Bartels’ großes Interesse an der deutsch-französischen Verständigung – ein Aspekt, der offensichtlich auch zu seiner Freundschaft mit dem französischen Germanisten und Historiker geführt hatte.