Gerd Hochgürtel

Biographien von A bis Z: Die „Sammlung Personalia“ im AdsD

Entstehung und Entwicklung der Sammlung

Mit dem Aufbau des Pressearchivs der SPD nach 1946 entstand neben der dort geführten Zeitungsausschnittsammlung“(vgl. „Archiv-Nachrichten“, Nr. 1) ein gesondertes Personenarchiv: die Sammlung Personalia. Sobald die auf diese Weise gesammelten Materialien unter tagespolitischen Gesichtspunkten entbehrlich waren, wurden sie fortlaufend zunächst in das damalige Parteiarchiv integriert und seit 1969 in regelmäßigen Teilübergaben dem AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung überlassen. Rückgrat des Bestandes sind also Presseausschnitte, die das SPD-Pressearchiv über Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zusammengetragen hat. Nicht unerwähnt bleiben soll aber auch die selbständige „Anreicherung“ der Sammlung durch biographische Auswertungen von Printmedien und anderen Materialsammlungen, die im AdsD selbst über Jahrzehnte hinweg vorgenommen wurde.

Eine umfangreiche Erweiterung erfuhr die Sammlung Personalia außerdem durch die Übernahme des Pressearchivs des sozialdemokratischen „Telegraf“ nach dessen Einstellung im Jahre 1972. Mehr unter journalistischen Aspekten angelegt, deckte das Archiv dieses bedeutenden Berliner Blattes jedoch nicht nur das bundes- und weltweite „öffentliche Interesse“ ab, sondern hatte gerade auch lokalen und regionalen Anforderungen zu genügen. Dabei spielten politisch und gesellschaftlich bekannte Persönlichkeiten ebenso eine Rolle wie Künstler und Literaten – und nicht zuletzt unzählige Notate zu weniger bekannten Lebensläufen. Für das historisch-wissenschaftliche Interesse an der lokalen und regionalen Partei- und Organisationsgeschichte stellt das Telegraf-Personenarchiv somit einen ungewöhnlich reichhaltigen Fundus dar.

Das Sammelgut

BeispielDie Sammlung Personalia ist keineswegs einfach eine personenbezogene Zeitungsausschnittsammlung, sondern von ihren Anfängen her geprägt durch eine große Anzahl mehr oder weniger systematisch gesammelter und von der Provenienz her sehr unterschiedlicher Unterlagen. Diese Form der „Verwässerung“ einer Presseausschnittsammlung setzte schon während der Aufbewahrung im SPD- Parteiarchiv ein. Dieser Sachverhalt rechtfertigt es, der Sammlung Personalia einen zusätzlichen Quellenwert zuzugestehen. So war die Sammlung von Anfang an „bereichert“ durch Briefe, Manuskripte, Notizen, Ausweise, Flugschriften usw., die sich auf bestimmte Personen bezogen oder bezogen werden konnten. Trotz grundsätzlicher archivischer Bedenken konnte diese Sammlung angesichts anderer vordringlicher Arbeitsvorhaben im AdsD lange Zeit nicht neu geordnet bzw. auf ihren eigentlichen Kern reduziert werden. Neben der Existenz von Autographen und Splitternachlässen zählten zur besonderen Problematik Lebenserinnerungen und Aufzeichnungen eher unbekannter Personen, die zwar einen durchaus erheblichen Quellenwert besaßen, ohne Kenntnis des Namens in der unverzeichneten und nur alphabetisch geordneten Sammlung aber überhaupt nicht recherchierbar waren. Über Jahre hinweg haben MitarbeiterInnen des AdsD schließlich die mühevolle Arbeit einer Neuordnung der Sammlung als originäre Presseausschnittsammlung geleistet. So erfolgten Zuordnungen von Dokumenten in andere Bestände des AdsD, z.B. in Nachlässe (herausragend: Nachlässe Kurt Schumacher, Willy Brandt) oder in die Sammlung „Kleine Erwerbungen“; ein Teil wurde Beispielausgegliedert und zu eigenen kleinen Personenbeständen zusammengefasst. Nur echte Einzeldokumente verschiedener Provenienz, die in keinem ersichtlichen Zusammenhang zu anderen Beständen stehen und gewissen Personen zugeordnet werden können, verbleiben weiterhin in der Sammlung Personalia. Der Umfang der personenbezogenen Materialien reicht auch nach Abschluss dieses Prozesses von einzelnen Mitteilungen (z.B. Todesanzeigen) über Loseblattsammlungen bis hin zu vielen „laufenden Metern“ Pressedokumenten über bedeutende Persönlichkeiten der Sozialdemokratie oder anderer politischer Parteien und Organisationen (Willy Brandt: über 400 Archivboxen, Helmut Schmidt: über 100, Herbert Wehner: über 90). Neben der zu erwartenden Fülle aus Zeitungen, Zeitschriften und Pressediensten stammenden biographischen oder autobiographischen Beiträgen birgt die Sammlung Personalia allerdings immer noch zahlreiche Originaldokumente oder biographische Klein-Sammlungen in sich.

BeispielOft ist die Sammlung Personalia die einzige, häufig aber eine wichtige ergänzende Auskunft- oder Hinweis-Stelle für besondere personenbezogene Anlässe und Details der politischen Vita nicht nur „kleiner“ oder „unbekannter“, sondern auch „großer“ Persönlichkeiten. Und es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass viele biographische Lexika bereits wesentliche Informationen aus dieser Sammlung geschöpft haben. Das gleiche gilt für personenbezogene Recherchen von Historikern oder Journalisten. Auch die in Vergessenheit geratene Biographie mancher Kommunalpolitiker oder Kommunalpolitikerinnen, die Lebensläufe von Frauen und Männern, die gegen den Nationalsozialismus gekämpft hatten, sind hier zu finden. Entsprechende Möglichkeiten bestehen auch für Persönlichkeiten des kulturellen Lebens oder aus dem Bereich des Sports. Die Sammlung erschließt sonst nicht oder kaum auffindbare („extreme“) Lebensdaten (Geburts- und Sterbetage), Jubiläen, Berufungen in Ämter, Würdigungen und Auszeichnungen. Speziell Nachrufe sind oft mit biographischen Rückblicken verbunden, die zusätzliche Lebensdaten enthalten können. Zeitlich liegt der Schwerpunkt der Sammlung in den Jahren ab 1945; für die Zeit vor 1933 steht nur sporadisch Quellenmaterial zur Verfügung. Insgesamt wurde aber die Materiallage im Laufe der Jahre systematisch verbreitert und unterliegt einem stetigen Wachstum: Der Umfang der Sammlung Personalia ist von etwa 20 laufenden Metern im Jahr 1973 auf Beispielderzeit über 900 angewachsen. Dies ist vor allem einer ständigen Ausweitung dieser Sammlung durch die Übergabe seitens des SPD-Pateivorstands in Bonn bzw. des heutigen Politischen Archivs beim SPD-Parteivorstand in Berlin zu verdanken. Nach Maßgabe des „Politischen Archivs“ erhält die Sammlung Personalia personenbezogene Einzelmaterialien/Einzelangaben (derzeitiger Stand: bis 2003) bis hin zu umfangreichen Akteneinheiten zu einzelnen noch lebenden oder in jüngerer Zeit verstorbenen Persönlichkeiten (derzeitiger Stand: bis 1996).

Der vorhandene Bestand des Parteiarchivs und seine jeweiligen Nachlieferungen umfassen nicht nur Daten über die der Sozialdemokratie und der Arbeiterbewegung (Arbeiterwohlfahrt, Gewerkschaften usw.) zugehörigen oder nahe stehenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, sondern auch über solche anderer Parteien und Institutionen. Die daraus resultierenden erweiterten Möglichkeiten der Nachfrage sind vielen Interessenten oft nicht gar nicht bewusst.

Benutzung

Die Sammlung Personalia ist alphabetisch geordnet. Ein Personenregister ist in Arbeit. Ohne Berücksichtigung der jeweiligen Provenienz sind sowohl die Einzelblätter als auch die mehr oder weniger umfangreichen Akteneinheiten in sich chronologisch (nach Datumsangaben) abgelegt. Dieses Ordnungsprinzip fand auch Anwendung bei der Zusammenführung ehedem verschiedener Teilsammlungen und gilt auch für die jeweiligen Nachlieferungen. Da die Sammlung nicht im Einzelnen verzeichnet ist, erschließt sich die Arbeit mit ihr somit nur durch die Durchsicht der jeweils in Frage kommenden losen Einzelblätter oder Einheiten.

Ausblick: Die Sammlung Personalia im „digitalen Zeitalter“

Einen unübersehbaren Einschnitt in der Weiterentwicklung der Sammlung Personalia brachte die Umstellung der Datenerfassung auf elektronische Medien im Politischen Archiv des SPD-Parteivorstandes mit sich. Auf absehbare Zeit wird die Sammlung aber auch als ausschließlich Schriftgut umfassender Bestand weiter seine Aufgabe erfüllen; trotz elektronischer Erfassung ist weiterhin mit einem Zuwachs an Papierdokumenten von zehn Prozent des bisherigen Volumens (vor Beginn der elektronischer Archivierung) zu rechnen. Die Frage, ob eine Übernahme der elektronisch archivierten Unterlagen durch das AdsD zu einem späteren Zeitpunkt möglich sein wird, ist bis jetzt noch offen.

Wie auch immer die Entwicklung sich gestalten wird: Allein mit dem bisherigen Fundus wird die Sammlung Personalia auf Dauer eine wertvollen Quelle für die biographische Forschung bleiben.