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Carl Severing

Carl Severing

Bestand: 4,20 lfd.m.
Laufzeit: 1892 - 1952

Lebensdaten: * 1.6.1875 † 23.7.1952

Carl Severing wurde am 1. Juni 1875 in Herford als Sohn eines Zigarrenarbeiters und einer Weißnäherin geboren. In seiner Jugend lernte er "Jahre der härtesten Entbehrungen" kennen. Da die Eltern das Geld für die Bürgerschule nicht aufbringen konnten, musste er zunächst die Armenschule besuchen. 1889 begann Carl Severing eine Schlosserlehre. Berichte über den großen Bergarbeiterstreik von 1889 und Gespräche mit einem Arbeitskollegen, der auf die "Metallarbeiterzeitung" abonniert war, brachten ihn mit der Arbeiterbewegung in Berührung. Unmittelbar nach Beendigung der Lehre wurde er Gewerkschaftsmitglied. Als im Sommer 1893 ein Sozialdemokratischer Verein in Herford gegründet wurde, schloss sich Severing der Sozialdemokratie an und wurde - erst achtzehnjährig - in den Vereinsvorstand und zum Schriftführer gewählt. Für die sozialdemokratische "Volkswacht" in Bielefeld schrieb er bald eigene Beiträge.
Seine ersten Erfahrungen mit Arbeitskonflikten sammelte Severing in Bielefeld, wo er seit 1895 in einer Nähmaschinenfabrik beschäftigt war. Während eines Streiks im Frühjahr 1896 von den Arbeitern als Wortführer bestimmt, wurde er nach dem Scheitern der Lohnbewegung "gemaßregelt" und musste die Stadt verlassen. Die anschließende Wanderschaft führte ihn in die Schweiz, wo er Beschäftigung fand und sich dem deutschen Arbeiterbildungsverein "Eintracht" in Zürich anschloss.
In den Vorträgen und Diskussionen des Vereins festigten sich seine politischen Anschauungen. In seinen Lebenserinnerungen schrieb Severing später:" Mein Weg zur Arbeiterbewegung ist mir durch Marxsche Theorien jedenfalls nicht gewiesen worden. ... Die Beweggründe, die mich zum Anschluss an die Gewerkschaft, zum Eintritt in die Sozialdemokratische Partei bestimmt haben, nämlich eine unmittelbare Besserung der Lebenshaltung der Arbeiter durch ihren Zusammenschluss und ihren Kampf gegen jegliche Bedrückung herbeizuführen, waren auch für Millionen anderer deutscher Arbeiter maßgebend. Aber sie waren mehr vom Gefühl, vom Willen zur Freiheit und zum wirtschaftlichen Aufstieg als von wissenschaftlicher Erkenntnis eingegeben".
Ende 1898 kehrte Severing endgültig nach Bielefeld zurück, wo er sich am Aufbau der Gewerkschaftsbewegung beteiligte. 1901 wurde er zum 1. Bevollmächtigten des Bielefelder Metallarbeiterverbandes gewählt und Ende des gleichen Jahres zum festangestellten Geschäftsführer ernannt. In der bürgerlichen Presse wurde er einige Jahre später als "interessanteste Erscheinung der Bielefelder Sozialdemokratie überhaupt" charakterisiert: "Ungemein fleißig, ungemein belesen", habe er dem Metallarbeiterverband "den Stempel des Individuellen aufgedrückt".
1907 wurde er erstmals in den Reichstag gewählt.
Severing rechnete sich selbst keinem bestimmten Flügel der SPD zu; in der Reichtagsfraktion schloss er sich jedoch meist den Gewerkschaftern und reformistisch eingestellten Abgeordneten an.
Schwerpunktmäßig befasste er sich vor allem mit Fragen des Arbeitsschutzes und der Versicherungsgebung. Bei den Reichstagswahlen von 1912 unterlag Severing in seinem Wahlkreis einem Gegenkandidaten, dem früheren Staatssekretär im Reichsamt des Innern, Graf Posadowsky.
Im April des gleichen Jahres übernahm Severing die politische Leitung der Bielefelder "Volkswacht". Daneben verfasste er Beiträge für die "Sozialistischen Monatshefte". Nach Kriegsausbruch gehörte er zu jenen Kräften in der Sozialdemokratie, die entschieden für eine Zustimmung zu den Kriegskrediten eintraten. Am 1. August 1914 schrieb Severing in der "Volkswacht": "Die vaterlandslosen Gesellen werden ihre Pflicht erfüllen und sich darin von den Patrioten in keiner Weise übertreffen lassen ". Severing war Mitglied in dem 1914 gegründeten Parteiausschuss der SPD; dem linken Flügel der Partei stand er, der weiterhin die Burgfriedenspolitik vertrat, mit zunehmender Distanz gegenüber. Während der Novemberrevolution 1918 gelang es Severing, sich in Bielefeld an die Spitze des Arbeiter- und Soldatenrats zu stellen und einen gewaltlosen Übergang herbeizuführen. Im Dezember 1918 nahm er am Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin teil. Dabei betrachtete er es als seine besondere Aufgabe, die Vollversammlung vor Störungen zu schützen und mit den verschiedenen Arbeiter-Deputationen zu verhandeln. Die Wahlen im Januar 1919 brachten ihm Mandate für die Weimarer Nationalversammlung, die Verfassunggebende Preußische Landesversammlung und das Bielefelder Stadtparlament.
Am 7. April 1919 wurde Severing die bis dahin bedeutendste Aufgabe in seiner politischen Laufbahn übertragen: er wurde zum Reichs- und Staatskommissar für das Ruhrgebiet ernannt, wo über 300.000 Bergleute u.a. für die Sechsstundenschicht, Lohnerhöhungen, Anerkennung des Rätesystems, Auflösung aller Freikorps und Bildung einer revolutionären Arbeiterwehr streikten. In dieser, für die Regierung Scheidemann aus wirtschaftlichen und politischen Gründen äußerst schwierigen Situation, wollte Severing "als Arbeitervertreter zu den Arbeitern reden und als Arbeiter für die Arbeiter handeln". Das Einfühlungsvermögen und die Flexibilität, die Severing im Umgang mit den Streikenden bewies, trug dazu bei, dass sich die Lage entspannte.
Ein Jahr später musste sich Severing mit den Folgen des Kapp-Putsches im Ruhrgebiet auseinandersetzen. Dort war aus lokalen Arbeiterwehren, die sich zur Abwehr des Putsches gebildet hatten, die "Rote Armee" entstanden. Die Erbitterung in der Arbeiterbevölkerung über den Putsch und die politischen und strukturellen Voraussetzungen, die ihn ermöglicht hatten, war so groß, dass einer Entwaffnung starke Widerstände entgegengestanden. Severing war auch in dieser Situation bemüht, die Situation durch Verhandlungen zu entschärfen.
Im "Bielefelder Abkommen" wurde u.a. Straffreiheit unter bestimmten Umständen für vor dem 25. März begangene revolutionäre Anschläge, Waffenabgabe unter Aufsicht von Gemeindebehörden und Vollzugsräten sowie Freilassung von Gefangenen vereinbart. Bei Einhaltung dieser Punkte sollte der Einmarsch der Reichswehr unterbleiben. Die Aufständischen gingen nur teilweise auf die Vereinbarungen ein. Zur Verschärfung der Lage trugen eigenmächtig erlassene Bestimmungen des Generals von Watter über die Waffenabgabe bei. Den "weißen Terror", den Reichswehr und Freikorpstruppen nach ihrem Einmarsch ins Ruhrgebiet entfalteten, konnte Severing nicht verhindern.
Am 29. März 1920 wurde Severing Nachfolger des zurückgetretenen preußischen Innenministers Wolfgang Heine; er übte diese Funktion mit einer kurzen Unterbrechung bis Oktober 1926 aus. Im Juni 1920 erhielt er ein Reichstagsmandat; 1921 wurde er in den preußischen Landtag gewählt. Zu Severings vordringlichen Aufgaben als preußischer Innenminister gehörte die Neuorganisation der Polizei und die Entfernung von illoyalen Beamten aus dem Verwaltungsapparat.
Bis 1926 waren mit einer Ausnahme alle Oberpräsidentenämter, alle Regierungspräsidentenstellen und über die Hälfte der Landratsämter in Händen von Beamten, die vom republikanischen Staat ernannt worden waren.
Diese Maßnahmen brachten ihm erhebliche Anfeindungen und persönliche Diffamierungen ein. Heftige Angriffe von den Rechtsparteien oder von der extremen Linken begleiteten seine Amtsführung auch in den nächsten Jahren. Angriffspunkte waren u.a. die Aufhebung eines Runderlasses seines Amtsvorgängers, nach dem Kommunisten generell versagt wurde, wichtige Ämter im Staats- oder Gemeindedienst zu übernehmen.
1923 versuchte Severing, durch ein Verbot der Deutschvölkischen Freiheitspartei den Aktivitäten der Rechtsradikalen Einhalt zu gebieten. Auf der anderen Seite sprach er auch ein Verbot der Proletarischen Hundertschaften aus.
Schon Anfang 1925 dachte er daran, sein Amt aufzugeben. Im Oktober 1925 brachten die deutschnationale Fraktion und die DVP im preußischen Landtag Misstrauensvoten gegen ihn ein, die jedoch mit großer Mehrheit zurückgewiesen wurden. Sein angegriffener Gesundheitszustand veranlasste ihn, am 6.10.1926 das Rücktrittsgesuch einzureichen. In einer Abschiedsrede vor den Mitarbeitern des preußischen Innenministeriums bekannte Severing offen: "Zermürbt haben mich diejenigen ungerechtfertigten Angriffe, die die politische Ehre nicht nur, sondern auch die persönliche Ehre des Angegriffenen, also in diesem Fall meine persönliche Ehre, angetastet haben."
Aus der Politik zog sich Severing allerdings nicht zurück. Er war weiterhin Landtags- und Reichstagsabgeordneter und nutzte die Zeit zu einem Rückblick auf seine Tätigkeit als Reichs- und Staatskommissar. 1927 erschien sein Buch "1919/1920 im Wetter- und Watterwinkel". Bei den Wahlen am 20. Mai 1928 erhielt er erneut ein Doppelmandat für den Reichstag und den preußischen Landtag.
In der neuen Reichsregierung unter Führung des Sozialdemokraten Hermann Müller übernahm Severing das Amt des Reichsinnenministers. Ende des Jahres wurde er mit einer Sondermission beauftragt: Er wurde am 28. November 1928 von der Reichsregierung als Oberschlichter im Ruhreisenstreit vorgeschlagen und von den Tarifparteien akzeptiert. Severing war bereits in früheren Jahren mehrfach als Schlichter tätig gewesen. In diesem großen Arbeitskonflikt, in dessen Verlauf die nordwestdeutschen Stahlindustriellen Anfang November ca. 230.000 Arbeiter ausgesperrt hatten, ging es nicht nur um eine tarifliche Auseinandersetzung, sondern auch um die grundsätzliche Frage der staatlichen Zwangsschlichtung. Severings Schiedsspruch erging am 21.12.1928. Er versuchte, der bereits ergangenen staatlichen Schlichtung formal Rechnung zu tragen; materiell brachte sein Spruch zwar Abstriche bei den Lohnfestsetzungen, kompensierte dies aber teilweise durch Arbeitszeitverkürzungen.
In den folgenden Monaten sah sich Severing mit einer Verschärfung der innenpolitischen Spannungen konfrontiert. Er widersetzte sich dem Ersuchen des preußischen Innenministers Grzesinski, nach den blutigen Zusammenstößen am 1. Mai einem Verbot der KPD zuzustimmen, ließ aber ein Verbot des Rotfrontkämpferbundes zu.
Die Abwehr republikfeindlicher Bestrebungen wurde erschwert, nachdem eine Verlängerung des Republikschutzgesetzes im Sommer 1929 gescheitert war. Eine neue Vorlage brachte Severing am 4. Dezember im Reichstag ein. In einer der folgenden Debatten mahnte Severing die Abgeordneten: "Ein Staat, der seinen Schutz aufgibt, gibt sich selbst auf ...". Trotz heftigen Widerstands von Seiten der Nationalsozialisten und der Kommunisten wurde das Gesetz am 18.3.1930 angenommen. Weitere politische Konflikte brachten die Agitation für das "Volksbegehren gegen den Youngplan" und die Beteiligung der Nationalsozialisten an der thüringischen Landesregierung mit sich.
Nach dem Bruch der großen Koalition im Reich und dem Ende der Regierung Müller übernahm Severing am 27. Oktober 1930 auf Wunsch des preußischen Ministerpräsidenten Braun wieder das Amt des preußischen Innenministers. Er stand damit im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit den erstarkten Nationalsozialisten. Nach Entdeckung der "Boxheimer Dokumente" drängte Severing auf Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens. Zu einer Abschiebung Hitlers aus Berlin, die zeitweilig erwogen wurde, konnte sich die preußische Regierung nicht entschließen. Anlässlich der Reichspräsidentenwahlen im Frühjahr 1932 ließ Severing nach Hinweisen auf bürgerkriegsähnliche Aufrüstungsmaßnahmen der SA Hausdurchsuchungen in den Geschäftsstellen der NSDAP in Preußen durchführen. Das SA- und SS-Verbot, das der Reichspräsident am 13. April 1932 erließ, kam nach Severings Meinung "reichlich spät".
Bei den preußischen Landtagswahlen am 24. April 1932 mussten die Sozialdemokraten schwere Verluste verbuchen, während Nationalsozialisten und Kommunisten hohe Stimmengewinne erhielten. Die Weimarer Koalition hatte damit ihre Mehrheit verloren, eine neue Mehrheit war jedoch nicht in Sicht. Die preußische Regierung blieb weiter geschäftsführend im Amt und war in dieser parlamentarischen Krisensituation, wie Severing rückblickend schrieb, "peinlich bemüht..., der Reichsregierung keinen Anlass zum Einschreiten zu gebe."

Der Schlag gegen die sozialdemokratische Preußenregierung kam dennoch nicht überraschend. Am 20. Juli 1932 teilte Reichskanzler Franz von Papen in einer kurzfristig anberaumten Besprechung mit, dass der preußische Ministerpräsident und der Innenminister aufgrund einer Verordnung des Reichspräsidenten nach Artikel 48 ihrer Ämter enthoben seien. Mit der Führung des Innenministeriums wurde der Essener Oberbürgermeister Franz Bracht beauftragt.
Severing protestierte gegen die Unterstellung, in Preußen sei die öffentliche Sicherheit und Ordnung weniger gewährleistet als in anderen Ländern. Auf die Frage von Papens, ob er freiwillig seine Posten räumen würde, erwiderte Severing, er wolle "nur der Gewalt weichen". Unmittelbar nach seiner Rückkehr in das Innenministerium erfuhr Severing, dass für Berlin und die Provinz Brandenburg bereits der Ausnahmezustand verhängt worden war. Severing verließ seine Diensträume am Abend des 20. Juli, als der neue Berliner Polizeipräsident ihn durch persönliches Eingreifen an der Fortführung seiner Amtsgeschäfte hinderte.
Die preußische Staatsregierung beschloss, für eine Entscheidung den Staatsgerichtshofs anzurufen. Gleichzeitig wurde ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt, durch welche die von Papen veranlassten Maßnahmen außer Kraft gesetzt werden sollten.
Für andere Maßnahmen - Aufruf zum Generalstreik, Mobilisierung der Eisernen Front etc. - war Severing ebensowenig zu gewinnen wie der SPD-Parteivorstand, der bereits am 16. Juli beschlossen hatte, "bei allem was kommen möge, die Rechtsgrundlage nicht zu verlassen". Der Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung wurde am 25. Juli 1932 abgewiesen. In seinem Urteil vom 25. Oktober 1932 erklärte der Staatsgerichtshof die Verordnung vom 20. Juli als mit der Verfassung vereinbar, soweit sie sich auf die Befugnisse des Reichspräsidenten bezog, den Reichskanzler als Reichskommissar für das Land Preußen zu bestellen, ihn zu ermächtigen, preußischen Ministern vorübergehend Amtsbefugnisse zu entziehen und diese Befugnisse selbst zu übernehmen oder anderen Personen als Kommissaren des Reiches zu übertragen. Dagegen dürfe dem preußischen Staatsministerium nicht die Vertretung des Landes Preußen im Reichstag, Reichsrat oder gegenüber Reich, Landtag etc. entzogen werden.
Dennoch waren durch Papens "Staatsstreich" die tatsächlichen Machtverhältnisse längst entschieden. Am 6. Februar 1933 wurden dem Reichskommissar durch neue Verordnung des Reichspräsidenten auch die Befugnisse übertragen, die nach dem Urteil des Staatsgerichtshofs der preußischen Staatsregierung noch zustanden. Am 23. März 1933 beschlossen die preußischen Minister formell ihren Rücktritt.
Anfang März 1933 sollte Severings Pass eingezogen werden. Demonstrativ schickte er den Privat- und Dienstpass an den Reichspräsidenten mit der Bemerkung "dass ich den Gedanken, als ob ich mich irgendeiner Verantwortung durch Flucht ins Ausland entziehen wollte, als beleidigende Unterstellung zurückweise".
Am 23. März 1933 wurde Severing auf dem Weg zur Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz verhaftet, zur Teilnahme an der Abstimmung wieder entlassen. Untersuchungen wegen Verwendung von Staatsgeldern bei der Reichspräsidentenwahl 1932 wurden bald eingestellt.
Severing blieb - von sporadischen Belästigungen durch einzelne Nationalsozialisten abgesehen - die meiste Zeit des "Dritten Reichs" unbehelligt. Vor geplanten Anschlägen auf sein Haus in Bielefeld wurde er rechtzeitig durch den dortigen Polizeipräsidenten gewarnt.
Entgegen seinen ursprünglichen Absichten betätigte sich Severing nach Kriegsende erneut politisch. Er beriet die britische Militärregierung in organisatorischen und personellen Fragen und war Mitbegründer und bis Mai 1948 Chefredakteur der "Freien Presse" in Bielefeld. Seit April 1947 gehörte er dem Landtag in Nordrhein-Westfalen an, bis Juli 1949 war er Vorsitzender des SPD-Bezirks Östliches Westfalen. Er befasste sich u.a. mit Fragen des Kohlebergbaus und der Neuorganisation der Polizei.
Carl Severing starb am 23. Juli 1952 in Bielefeld. Das Privatarchiv Carl Severings wurde von der Tochter Emmy Manzel nach Severings Tod im Parteiarchiv der SPD deponiert. Von dort gelangte der Nachlass 1969, als das Parteiarchiv in seiner früheren Form aufgelöst wurde, in das Archiv der sozialen Demokratie.
Der Bestand dokumentiert Tätigkeit und Funktionen des Nachlassers von 1892 - 1952 in unterschiedlicher Dichte. Erhalten sind Korrespondenz, Manuskripte, Protokolle, Aktenvermerke, Denkschriften und Presseausschnitte. Die neunziger Jahre sind durch eine kleine Sammlung von Briefen belegt, die Severing in den Jahren 1896/97 an seine Eltern schrieb. Die politische und gewerkschaftliche Arbeit in Bielefeld, die Reichstagstätigkeit 1907 - 1912 sowie die Jahre des I. Weltkrieges sind dagegen fast ausschließlich durch Presseausschnitte und -abschriften, vorwiegend aus der Bielefelder "Volkswacht", dokumentiert. Bei dem weitaus größten Teil der Unterlagen handelt es sich um Handakten, die sich auf Severings Tätigkeit als Reichs- und Staatskommissar im Ruhrgebiet, als preußischer Innenminister und als Reichsinnenminister beziehen. Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden Materialien über links- und rechtsextreme Organisationen, über die Beziehungen der Reichswehr zu den sog. Selbtsschutzverbänden, über die Umorganisation der Polizei und über politische Unruhen und Krisen der Weimarer Republik insgesamt. Ausführliches Material findet sich zu den Folgen des Kapp-Putsches im Ruhrgebiet, zum 20. Juli 1932, zu Severings Schlichtertätigkeit bei Tarifauseinandersetzungen, zu Beamten- und Verwaltungsfragen.
Der Nachlass befand sich vor der Neuordnung und Verzeichnung bereits in einem "vorgeordneten" Zustand, wobei jedoch die beiden ersichtlichen Hauptkriterien für die Registraturbildung - chronologische Ordnung und inhaltliche Ordnung nach Sachgruppen - nicht konsequent angewandt worden war.

Bei der Neuordnung des Nachlasses wurden folgende Veränderungen vorgenommen:

1. Sämtliche Publikationen Severings, die über den gesamten Bestand verstreut lagen, wurden in die Rubrik "Publizistische Äußerungen des Nachlassers" zusammengefasst. In den Sachakten verblieben (bzw. wurden dort durch Kopien belegt) ausschließlich Publikationen, die mit den dort befindlichen Unterlagen in einem unmittelbaren inhaltlichen Zusammenhang stehen.
2. Die Kassette "Ausgewählte Dokumente und Originalbriefe" wurde aufgelöst. Sie enthielt zum Teil Dokumente, die eindeutig aus umfangreichen Vorgängen entnommen waren (z.B. Unterlagen zu Severings Tätigkeit als Reichskommissar) und nun wieder in die entsprechenden Akten zurückgeordnet wurden.
3. Neu gebildet wurden die Gruppe "Allgemeine und persönliche Korrespondenz". Sie enthält Reste der oben erwähnten Kassette "Ausgewählte Dokumente und Originalbriefe", ergänzt durch Schriftstücke allgemeinen und persönlichen Inhalts, die sich an anderen Stellen im Bestand fanden. Hier wurden auch Severings eigene Briefe von 1896/97 eingefügt.
4. Bei der Durchsicht der Materialien zeigte es sich, dass der überwiegende Teil der Unterlagen in unmittelbarer Beziehung zu Severings Ministerämtern steht bzw. mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Ausübung dieser Funktion in den Besitz des Nachlassers gelangte. Damit war eine Neuordnung, die einen großen Teil der Materialien diesen Funktionen zuwies, gerechtfertigt; innerhalb der neu gebildeten Gruppen "Reichs- und Staatskommissar im Ruhrgebiet", "Preußischer Innenminister" und "Reichsinnenminister" erfolgte die Ordnung nach möglichst strikt chronologischen Gesichtspunkten. Der Benutzer wird also in diesen Aktengruppen einen großen Teil der Materialien finden, die in der bis dahin existierenden provisorischen Übersicht über den Severing-Nachlass ("Findbuch der älteren Nachlässe", S. 145 - 195 a-i) unter den dort aufgeführten Jahresangaben abgelegt waren.
5. Handakten zu bestimmten Themen, z.B. die Titel "Reichswehr", "Separatismus", "Kommunismus" etc. wurden im wesentlichen als solche belassen. Es wurden aber auch hier Unterlagen, die eindeutig aus umfangreichen Vorgängen entnommen worden waren, wieder in den entsprechenden inhaltlichen Zusammenhang zurückgeordnet. Dies war u.a. bei den Gruppen "Reichswehr" und "Polizei" der Fall; die letztgenannte Rubrik wurde ganz in die Akten aus Severings Ministertätigkeit integriert. Dagegen wurde die Rubrik "Beamte in Preußen" (jetzt: "Beamtenfragen / Personalangelegenheiten") im wesentlichen nur neu geordnet und durch zusätzliche Unterlagen aus dem Bestand ergänzt. In ähnlicher Weise wurde mit den Unterlagen verfahren, die sich auf Severing in der Zeit zwischen 1933/34 und 1945 beziehen. Für die Nachkriegszeit ergaben sich aus dem Inhalt des vorliegenden Materials ohne weiteres entsprechende Ordnungskriterien (SPD, Landtag Nordrhein-Westfalen etc.).
Die umfangreichen Materialsammlungen zur Zeitgeschichte sowie die Unterlagen zu publizistischen Auseinandersetzungen mit einzelnen Personen und der politischen Entwicklung in der Weimarer Republik bilden den Abschluss.
Bei der Bearbeitung des Nachlasses wurde besonders Wert auf eine detaillierte Verzeichnung der Mappen gelegt. Sie enthält jeweils den Aktentitel, Angaben über die Laufzeit und eine formale Beschreibung; die inhaltliche Erfassung findet sich im "Enthält"-Vermerk. Jeder Aktenvorgang wurde einzeln erfasst und nahezu jedes Dokument einzeln erwähnt. In die Beschreibung der Korrespondenz-Mappen wurden zusätzlich die Namen der Korrespondenzpartner aufgenommen. Auch bei der Verzeichnung der Sachakten wurden in der Regel die wichtigsten Korrespondenzpartner namentlich aufgeführt.

Carl Severing im Online-Katalog Bibliothek der FES