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Heinrich Ritzel, 1968
	   Copyright: Jupp Darchinger im AdsD

Heinrich Ritzel

Bestand: 76,00 lfd.m.
Laufzeit: 1913 - 1971

Lebensdaten: * 10.4.1893 † 19.6.1971

Heinrich G. Ritzel wurde am 10. April 1893 in Offenbach a.M. geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und der Fortbildungsschule erwarb Ritzel durch besondere literarische Leistungen das "Kunst"-Einjährige, das ihm das Studium der Nationalökonomie, Rechts- und Staatswissenschaft und der Kommunalwissenschaften an der Akademie für Arbeit in Frankfurt a. M. und an der Universität Gießen ermöglichte.
Mit 26 Jahren wurde er 1919 zum Berufsbürgermeister von Michelstadt im Odenwald gewählt. 1930 berief ihn die hessische Regierung als Oberregierungsrat an die Provinzialdirektion Oberhessen in Gießen. Ritzel war außerdem als Kreisdirektor des Kreises Gießen und später als stellvertretender Provinzialdirektor der Provinz Oberhessen tätig. Ritzel, der seit 1915 Mitglied der SPD war, vertrat seine Partei von 1924 - 1930 im hessischen Landtag. 1930 wurde er in den Reichstag gewählt. Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit im Verwaltungsdienst und in seiner Eigenschaft als SPD-Abgeordneter war Ritzel in den letzten Jahren der Weimarer Republik heftigen Angriffen von Seiten der Nationalsozialisten ausgesetzt.
Im April 1933 wurde er verhaftet; im Juni gelang ihm die Flucht in das unter Völkerbundverwaltung stehende Saargebiet. Bis 1935 war Ritzel als Beamter des Völkerbunds in der Leitung der Saarpolizeiverwaltung tätig. Nach der Saarabstimmung flüchtete er zunächst nach Lothringen. Im Juni 1935 emigrierte er in die Schweiz, wo er in den nächsten Jahren als freier Schriftsteller lebte. Von 1939 - 1947 amtierte Ritzel als Generalsekretär der Europaunion in Basel. Mit Otto Brunn, Wilhelm Hoegner, Joseph Wirth und dem saarländischen Schriftsteller Kindt-Kiefer gründete Ritzel im Schweizer Exil die Arbeitsgemeinschaft "Das Demokratische Deutschland". 1947 kehrte er nach Deutschland zurück.
Den Schwerpunkt in der politischen Arbeit nach dem Krieg bildete für Ritzel die Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter. Von 1949 - 1965 vertrat er als SPD-Abgeordneter den hessischen Wahlkreis Dieburg-Erbach.

Im Bundestag übernahm er den Vorsitz im Ausschuß für Wahlprüfung, Geschäftsordnung und Immunität. Als Experte in Finanzfragen war Ritzel außerdem engagiertes Mitglied im Haushaltsausschuss.
Ritzel gehörte als "Europäer der ersten Stunde" der ersten Delegation der Bundesrepublik beim Straßburger Europarat an. 1957 lehnte er jedoch aus Enttäuschung über die Arbeit der Straßburger Institution eine Wiederwahl demonstrativ ab. Von den zahlreichen Funktionen auf lokaler und regionaler Ebene, die Ritzel innehatte, seien seine Tätigkeit als Kreisvorsitzender der Erbacher SPD, Mitglied des SPD-Bezirksvorstandes von Hessen-Süd und des Landesausschusses erwähnt. Auch seinen literarischen Neigungen ging Ritzel als Autor von Sachbüchern und Kriminalromanen weiterhin nach.
Nach einem schweren Verkehrsunfall verzichtete Ritzel 1965 auf eine erneute Kandidatur für den Bundestag. Er starb am 19. Juni 1971 während eines Verwandtenbesuches in Basel.

Der Nachlass gelangte nach dem Tod des Heinrich G. Ritzel durch die Frau des Verstorbenen, Jeanne Ritzel, in das AdsD.
Er dokumentiert die verschiedenen Aktivitäten des Nachlassers über einen bestimmten Zeitraum hinweg nahezu umfassend. Während sich aus Ritzels Tätigkeit in der Zeit der Weimarer Republik nur Einzelstücke erhalten haben, sind bereits die Exiljahre ausführlicher belegt. Für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg existiert geradezu eine Fülle von Unterlagen, die aus Ritzels zahlreichen Funktionen und Ämtern erwachsen sind.
Für die Forschung dürfte der Nachlass unter mehreren Aspekten von Interesse sein: er enthält aufschlussreiche Unterlagen über Ritzels personelle Kontakte im Schweizer Exil. Vor allem aber dokumentiert der Bestand geradezu exemplarisch die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten. Die Materialien geben Einblick in Ritzels intensive Wahlkreisarbeit und die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Odenwald-Region. Die Verästelungen lokaler Politik sind ebenso belegt wie Ritzels parteipolitische Positionen und die Einzelheiten einer engagiert betriebenen Haushaltspolitik.
Der beträchtliche Umfang des Bestandes beruht nicht zuletzt auf der Gewohnheit Heinrich Ritzels, kontinuierlich Materialien zu einzelnen Themen zu sammeln. Damit gelangte zum Teil auch zeitgeschichtlich relevantes Material in den Nachlass, das ursprünglich in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Tätigkeit Ritzels stand.
Eine Besonderheit sind die von Ritzel angelegten Dossiers zu einzelnen Personen. Sie enthalten nicht selten Originaldokumente. Hervorzuheben ist schließlich, dass auch die umfangreichen Unterlagen, Vorarbeiten und Manuskripte zu Ritzels literarischem Werk überliefert sind.
Der Bestand befand sich bei der Übernahme durch das AdsD in einem geradezu chaotischen Zustand. Eine Altregistratur existierte nur bruchstückweise. Der weitaus größte Teil der Materialien ließ keinerlei Systematik in der Zusammenstellung erkennen. Korrespondenz, Broschüren, Manuskripte und persönliche Unterlagen waren zusammenhanglos vermischt.
Infolgedessen gestalteten sich die Ordnungsarbeiten am Nachlass besonders aufwendig. Der größte Teil der Aktengruppen musste völlig neu gebildet werden. Auch wo Relikte einer Ordnung existierten, war es erforderlich, diese Materialien mit den ungeordneten Unterlagen neu zusammenzufassen.
Die Gliederung und Ordnung des Nachlasses orientierte sich, soweit möglich, an den Funktionen und der Tätigkeit des Nachlassers. Das vom Nachlasser gesammelte Material zu einzelnen Themen wurde nach sachlichen Kriterien geordnet.
Bei der Verzeichnung wurde für jede Mappe ein Titel gebildet. Mit Ausnahme einiger Mappen aus den Sammlungen, die durch die Titelbildung hinreichend erfasst waren, wurde der Inhalt der Mappen jeweils durch eine formale Beschreibung und den "Enthält"-Vermerk beschrieben. Bei der Aktengruppe "Allgemeine und persönliche Korrespondenz" sowie den Sachakten mit relevantem Korrespondenzanteil wurden die wichtigsten Korrespondenzpartner namentlich aufgeführt. Die Namen der Korrespondenzpartner sowie alle im Text enthaltenen Personennamen wurden in einem Personenregister erfasst.

  • Persönliche Unterlagen 1913 - 1970
  • Berufliche Tätigkeit Heinrich Ritzels 1906 - 1935
  • Unterlagen zur politischen Biographie des Nachlassers / Ehrungen und Würdigungen 1945 - 1971
  • Publizistische Äußerungen des Nachlassers 1906 - 1971
  • Publikationsvorhaben des Nachlassers (Materialsammlungen) 1940 - 1970
  • Allgemeine und persönliche Korrespondenz 1929 - 1971
  • Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, politisches Exil und Nachkriegszeit 1930 - 1951: Entlassung Heinrich Ritzels aus dem Staatsdienst, Emigration / NS-Kampagne gegen Heinrich Ritzel / Tätigkeit Heinrich Ritzels im Dienst der Regierungskommission des Saargebiets / Ansprüche aus dem Dienstverhältnis als Beamter der Regierungskommission des Saargebietes / Entwicklung in NS-Deutschland, Krieg, Zusammenbruch, Wiederaufbauvorstellungen / Politischer Gedankenaustausch mit „Michel" / Bildung einer internationalen Polizeimacht / Arbeitsgemeinschaft „Das demokratische Deutschland" / Internierte deutsche Soldaten in der Schweiz / Deutsche Kriegsgefangene und Vermißte / Europa-Union. Schweizerische Bewegung für die Einigung Europas / Europa-Verlag
  • Europa-Union und Europa-Gedanke in der Nachkriegszeit 1945 - 1957: Europa-Union, Schweiz / Deutsche Europa-Union / Europäische Wirtschafts- und Sozialhilfe / Europagedanke in verschiedenen Staaten; Union Européene des Fédéralistes
  • Bundestagstätigkeit 1949 - 1965: Sprechstundenkorrespondenz / Wahlkreis / Korrespondenz mit Abgeordneten, Fraktionen und der Verwaltung des Bundestags / Vorstand des Deutschen Bundestags / SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag / Haushaltsausschuß / Haushaltsfragen, Gesetzgebung allgemein / Ausschuß für Wahlprüfung, Geschäftsordnung und Immunität / Ausschuß für Kulturpolitik und Publizistik / Ausschuß für innergebietliche Neuordnung / Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten / Interparlamentarische Arbeitsgemeinschaften, ad-hoc-Kommissionen / Gesetzgebungsvorhaben und Debatten / Fragestunde
  • Materialien zu Tagespolitik und Zeitgeschichte 1927 - 1971
  • Politik und Verwaltung in Hessen 1947 - 1971: Hessischer Landtag / Hessischer Landkreistag / Hessischer Staatsgerichtshof / Verwaltungsreform in Hessen / Hessische Politik, einzelne Themen / Kommunalpolitik im Landkreis Erbach und in Michelstadt
  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands 1947 - 1971: SPD-Parteivorstand / Parteirat / SPD-Parteitage, Kongresse und Veranstaltungen / SPD-Informationsdienste / SPD-Landesausschuß, Landesvorstand Hessen / SPD Bezirk Hessen-Süd / SPD Unterbezirk Bergstraße, SPD Kreis Erbach, SPD Kreis Dieburg, SPD Ortsverein Michelstadt / Jungsozialisten / Kontakte zu regionalen Parteiorganisationen und einzelnen Parteimitgliedern / Sozialdemokratische Hochschulgemeinschaft / Materialsammlung „Sozialismus", Materialien zur SPD-Politik
  • Kontakte des Nachlassers zu politischen Parteien, Vereinen, Institutionen, Verbänden und Interessengruppen
  • Wilhelm-Leuschner-Stiftung / Materialsammlung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus" 1950 - 1962
  • Wahlen
  • Mitgliedschaften des Nachlassers in Vereinen, Verbänden, Institutionen, Stiftungen 1951 - 1971
  • Initiativen zur Wirtschaftsförderung 1950 - 1970
  • Rechtsstreitigkeiten und Prozesse 1945 - 1970
  • Reisen 1960 - 1968
  • Personalia und Dossiers A - Z
  • Publikationen Dritter A - Z
  • Kopien von Archivalien
  • Einzelzeitungen und Einzelzeitschriften, Pressedienste und sonstige Periodika A - Z