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Max Quarck

Max Quarck

Bestand: 0,25 lfd.m.
Laufzeit: 1953 - 1991

Lebensdaten: * 9.4.1860 † 21.1.1930

Max Quarck wurde am 9. April 1860 in Rudolstadt/Thüringen als Sohn eines Landgerichtsrat geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Heimatstadt und studierte nach dem Abitur in Leipzig Jura und Volkswirtschaft. 1883, im Jahr seiner Promotion, trat er als Referendar für die Richterlaufbahn in den Staatsdienst ein, wurde jedoch 1886, noch während er sich im Assessorexamen befand, wegen "Beteiligung an Umsturzbestrebungen" entlassen. "Sein Verbrechen", so kommentiert die "Frankfurter Zeitung", "bestand darin, daß er sich zu Demokratie bekannte".
Quarck hatte sich seit Beginn der achtziger Jahre mit den Schriften von Lassalle, Marx und insbesondere mit dem Werk des Staatssozialisten Rodbertus befaßt, über dessen Leben und Werk er 1883 eine Abhandlung für die "Deutsche Wochenschrift" in Wien schrieb. Seine theoretischen Studien brachten ihn in engeren Kontakt mit führenden Sozialisten. An Friedrich Engels wandte er sich 1883 mit dem Vorschlag, die Übersetzung von Marx' "Misère de la philosophie" zu übernehmen; zwei Jahre später bemühte er sich um die Übersetzungsrechte an einer französischen "Kapital"-Popularisierung von Deville - in beiden Fällen ohne Erfolg. Seit Januar 1884 erschienen (zunächst unter Pseudonym) Beiträge von Max Quarck in der in Zürich von Karl Kautsky herausgegebenen "Neuen Zeit", dem theoretischen Organ der deutschen Sozialdemokratie, ebenso in verschiedenen bürgerlichen Zeitungen und Zeitschriften. Nach einer Tätigkeit bei der "Deutschen Zeitung" in Wien, für die auch Victor Adler und Engelbert Pernerstorfer schrieben, wurde Quarck 1887 volkswirtschaftlicher Redakteur bei der "Frankfurter Zeitung". Politische Differenzen mit dem Herausgeber Leopold Sonnemann, dem Quarcks Artikel zu arbeiterfreundlich waren, führten 1891 zur Kündigung. Einen Beitrag Quarcks zum 1. Mai hatte Sonnemann als "nicht mehr sozialdemokratisch, sondern schon anarchistisch" bezeichnet.
Es folgten einige Jahre, in denen Quarck als freier Journalist weiterhin für die "Frankfurter Zeitung" und für verschiedene andere Presseorgane tätig war, darunter auch für den "Vorwärts". Bemühungen Quarcks um eine Stelle als "Vorwärts"-Redakteur blieben jedoch erfolglos. In den neunziger Jahren engagierte er sich zunehmend in der Frankfurter Arbeiterbewegung. 1894 trat er dem Sozialdemokratischen Verein bei, wurde Vorsitzender der Preßkommission und übernahm 1895 die Leitung der Agitation im Reichstagswahlkreis Wiesbaden. Im Sommer 1895 wurde Quarck zum Chefredakteur der Frankfurter "Volksstimme" ernannt. Gleichzeitig beteiligte er sich am Aufbau der Gewerkschaftsbewegung. Er übernahm es, das Frankfurter Gewerkschaftskartell in juristischen und sozialen Fragen zu beraten, war Mitarbeiter der Bauarbeiterschutzkommission, gründete im April 1894 einen (nichtsozialdemokratischen) Verein für kaufmännische Angestellte und beteiligte sich an den Bemühungen zur Errichtung eines Arbeitersekretariats.
1901 gelang es Quarck als erstem Sozialdemokraten, trotz des ungerechten Wahlsystems in die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung einzuziehen. Er gehörte diesem Gremium bis 1919 an. 1897, 1898, 1901 und 1903 kandidierte Quarck bei den Reichstagswahlen im Wahlkreis Wiesbaden, 1907 im Wahlkreis Frankfurt/M., den er jedoch erst 1912 für die SPD erobern konnte.
Als Vertreter des reformistischen Parteiflügels war Quarck in der Frankfurter SPD und auch in der Gesamtpartei nicht unumstritten. Seine Haltung in der Budgetdebatte auf dem Frankfurter Parteikongreß 1894, in der er Georg von Vollmar unterstützte, seine Rolle in der Agrarkommission der Partei, die starke Betonung des Gewerkschaftsgedankens und vor allem seine Kontakte zu bürgerlichen Sozialpolitikern brachten ihm zum Teil Mißtrauen und Kritik ein. Während des Ersten Weltkriegs gehörte Quarck zu den entschiedenen Befürwortern der Zustimmung zu den Kriegskrediten; nach heftigen Kontroversen in der Frankfurter SPD wurde ihm im September 1917 die Redaktion der "Volksstimme" entzogen.
Im Dezember 1918 wurde Quarck als Beigeordneter in das Reichsamt des Inneren berufen; er übte diese Amt bis Mitte 1919 aus. Als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und 2. Vorsitzender des Verfassungsausschusses beteiligte er sich an der Ausarbeitung der Weimarer Verfassung. Unter anderem beantragte er die Abschaffung der Todesstrafe und (gemeinsam mit dem Zentrumsabgeordneten Gröber) die Einführung von Schwarz-Rot-Gold als Reichsfarbe.
Quarck, der stets neben seiner politischen Arbeit zahlreiche Artikel und Broschüren veröffentlicht hatte, wandte sich in den zwanziger Jahren verstärkt wieder der journalistischen und schriftstellerischen Tätigkeit zu. Daneben hielt er Vorträge an der Frankfurter "Akademie der Arbeit". Zwar gehörte er dem Ausschuß an, der das "Görlitzer Programm" der SPD von 1921 vorbereitete; in der Tagespolitik trat er allerdings kaum mehr hervor.
Zu Max Quarcks bekanntesten Veröffentlichungen zählen: Die Arbeiterschutzgesetzgebung im Deutsche Reich (1886), Kommunale Schulpolitik (1906), Soziale Kämpfe in Frankfurt a.M. - Vom Mittelalter bis an die Schwelle der großen Revolution (1911), Die erste deutsche Arbeiterbewegung. Geschichte der Arbeiterverbrüderung 1848/49. Ein Beitrag zur Theorie und Praxis des Marxismus (Leipzig 1924), Geschichte des deutschen Handels, Transports und Verkehrs in Deutschland (Berlin, 1929).
Max Quarck war mit Meta Quarck-Hammerschlag (21.12.1864 - 11.8.1954) verheiratet. Seine Frau, die seit 1911 gleichfalls der SPD angehörte, übte von 1919 - 1933 die Tätigkeit eines ehrenamtlichen Magistratsmitglied in Frankfurt aus und engagierte sich insbesondere in der sozialen Fürsorge. Quarcks einziger Sohn fiel im Ersten Weltkrieg.
Max Quarck starb am 21. Januar 1930 in Frankfurt am Main.

Der Nachlass gelangte 1954 nach dem Tod der Witwe Max Quarcks in das SPD-Parteiarchiv und von dort 1969 in das Archiv der sozialen Demokratie. Es handelt sich um einen Restnachlass, (ein weiterer Teilnachlass befindet sich im Staatsarchiv Frankfurt), der jedoch für die Forschung trotz seines vergleichsweise geringen Umfangs von erheblichem Interesse ist. Er besteht (von einigen Anlagen abgesehen) ausschließlich aus Korrespondenz. Fast alle Schriftstücke liegen in handschriftlicher Form vor. Nahezu durchgängig sind die Schrieben an den Nachlasser adressiert; Schreiben an Dritte finden sich kaum. Nur in einigen wenige Fällen sind auch Druckschriften ausgehender Korrespondenz erhalten.
Die verschiedenen Zeitabschnitte in der Biographie des Nachlassers und seine Kontakte zu einzelnen Personen sind unterschiedlich gut dokumentiert. Ausführlich belegt sind Quarcks Rodbertus-Studien und der gedankliche Austausch mit dem Rodbertus-Herausgeber Moritz Wirth in den Jahren 1883 - 1888. In den neunziger Jahren sind vor allem Quarcks Tätigkeit für den "Vorwärts", die daraus resultierende Verbindung zu Wilhelm Liebknecht und Interna aus der "Vorwärts"-Redaktion , die ihren Niederschlag in der Korrespondenz finden. Daneben gibt es Hinweise auf Quarcks berufliche und schriftstellerische Projekte. Die Korrespondenz bezieht sich aber ebenso auf Themen allgemeiner Art, z.B. die Sozial- und Arbeiterschutzgesetzgebung, die Auseinandersetzung um den Agrarprogramm-Entwurf der SPD, auf Wahlkämpfe, politische Prozesse oder Differenzen in der Frankfurter Sozialdemokratie.
Nicht belegt sind die Jahre des Ersten Weltkriegs. Aus der Zeit der Weimarer Republik sind vergleichsweise wenige Unterlagen enthalten.
Zu den Korrespondenzpartnern zählen zahlreiche bekannte Persönlichkeiten der deutschen, österreichischen und französischen Arbeiterbewegung. Neben dem bereits erwähnten Briefwechsel mit W. Liebknecht sind u.a. Schreiben von August Bebel , Karl Kautsky , Heinrich Braun, Franz Mehring , Carl Legien, Adolf Braun, Engelbert Pernerstorfer und (in Kopie) Jean Jaurès zu nennen.
Bei der Bearbeitung des Nachlasses wurde einer chronologischen Ordnung der Vorzug gegeben. Nur so ließen sich Aktivitäten des Nachlassers und komplexere Vorgänge in ihrem Zusammenhang darstellen. Um die Bearbeitung der handschriftlichen Unterlagen zu erleichtern, wurde jedes Schriftstück durch Angabe des Absenders, ausführlichen "Enthält"-Vermerk, Hinweise auf die Form des Schreibens und Datumsangabe erfaßt. Die Personennamen wurden über ein Register erschlossen.

Einleitung

  • Korrespondenz: 1883 - 1884; 1884 - 1892; 1893 - 1897; 1898 - 1903; 1904 - 1929

Max Quarck im Online-KatalogBibliothek der FES