Gerhard Kreyssig
Bestand: 10,10 lfd.m.
Laufzeit: 1921 - 1982
Lebensdaten: * 25.12.1899 † 14.10.1982
Gerhard Kreyssig wurde am 25.12.1899 in Crossen/Mulde (Sachsen) geboren. Er besuchte die Volksschule, die Höhere Bürgerschule und das Realgymnasium in Plauen. Nach Ablegung des Kriegsteilnehmerabiturs 1919 studierte er Volkswirtschaft und Staatswissenschaften an den Universitäten Greifswald und Leipzig. 1922 trat er in die SPD ein. Außerdem war er Mitglied des Reichsbanners und gewerkschaftlich im Zentralverband der Angestellten (AfA-Bund) organisiert. Neben seinem Studium arbeitete er gleichzeitig als Geschäftsführer der vom Deutschen Fürsorge-Büro Leipzig eingerichteten Naturwissenschaftlichen Werkgemeinschaft an der Universität Leipzig. Daran schloss sich bis August 1924 eine Lehre bei der Deutschen Bank in Leipzig an. 1924 heiratete er Elsbeth Lambrecht. 1925 promovierte er an der Universität Leipzig mit der Arbeit "Der Solidarismus als sozialwissenschaftliches Prinzip in der Formulierung durch Heinrich Pesch" zum Dr. rer.pol. Nach einer Tätigkeit bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in München arbeitete er 1928 als Sekretär des Allgemeinen freien Angestelltenbundes (AfA-Bund) in der wirtschaftspolitischen Abteilung der Hauptgeschäftsstelle in Berlin. Er betreute die wirtschaftspolitische Dokumentation, erstellte Studien zu wirtschaftspolitischen Problemen, organisierte und führte Betriebsräte-Aufsichtsrats-Lehrgänge durch. Gerhard Kreyssig leitete dann das Bildungsreferat, zu dessen Aufgabenbereich die Organisation und Leitung der vom zentralen AfA-Bundesvorstand veranstalteten Kurse gehörte. In diesen Jahren schrieb er auch über Wirtschafts- und Finanzprobleme der deutschen Volkswirtschaft in den "Sozialistischen Monatsheften" (SM). Im Juli 1931 wechselte Gerhard Kreyssig als wissenschaftlicher Mitarbeiter (economic advisor) in die wirtschaftspolitische Abteilung des Sekretariats des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) in Berlin über, der er bis Oktober 1945 angehörte. Als der IGB 1933 seinen Sitz von Berlin nach Paris verlegen musste, emigrierte Kreyssig mit Frau und Tochter Inge nach Paris. Die Nationalsozialisten bürgerten Gerhard Kreyssig und seine Familie 1938 aus.
Schon während seiner Tätigkeit als Mitarbeiter des Pariser IGB-Sekretariats scheinen Spannungen zwischen Gerhard Kreyssig und dem IGB bestanden zu haben, die im Nachlass Gerhard Kreyssig für die Zeit seiner Tätigkeit im IGB-Sekretariat in London von Oktober 1941 bis Oktober 1945 ausführlich dokumentiert sind. Diese waren in der persönlichen Animosität zwischen Walter Schevenels, dem Generalsekretär des IGB und Gerhard Kreyssig, sowie in der Politik des IGB begründet, die Gerhard Kreyssig heftig kritisierte. Er warf dieser eine fehlende Verbindung zur gewerkschaftlichen Basis sowie eine mangelnde Unterstützung der illegalen Gewerkschaftsarbeit in Deutschland vor. Im August 1938 mietete Gerhard Kreyssig einen Keller im südlichen Pariser Vorort Clamart an und gab unter Wahrung seiner Anonymität bis zum Juli 1939 die Rundbriefe "Deutsche Gewerkschafter im Exil" (DGE) in bis zu vierteljährlichen Abständen heraus. Er wollte mit diesen Rundschreiben, deren Bedeutung wohl eher marginal war, eine Plattform für die Sammlung des gewerkschaftlichen Exils jenseits von AGD (Auslandsvertretung Deutscher Gewerkschaften) und RGO (Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition) schaffen. Die AGD wurde in den "DGE"-Rundbriefen in den gleichen Punkten kritisiert und angegriffen wie der IGB: demokratiefeindliches Verhalten innerhalb der Organisation, mangelnde Unterstützung der illegalen Gewerkschaftsarbeit, fehlende theoretische Erarbeitung von grundsätzlichen Positionen zu Fragen gewerkschaftlicher Politik im Exil. Die RGO war für Gerhard Kreyssig lediglich ein Transmissionsriemen der Kommunistischen Partei. Positiv äußerten sich die "DGE"-Rundbriefe über die in der "Freien Sozialistischen Tribüne", einer Beilage der "Sozialistischen Warte" geführte Gewerkschaftsdiskussion .
Die Rundbriefe wurden eingestellt, als Gerhard Kreyssig bei Kriegsausbruch als Staatenloser zur französischen Armee eingezogen wurde. Nach der Demobilisierung der französischen Armee floh Gerhard Kreyssig mit seiner Familie nach Montrejeau (Pyrenäen). Als nach der Flucht aus Paris die Wahl auf London als neuen Sitz des IGB gefallen war, wurde Gerhard Kreyssig dort eine Weiterbeschäftigung zugesagt und er aufgefordert nach London zu kommen. Mit finanzieller Unterstützung des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) floh Gerhard Kreyssig mit seiner Familie über Spanien und Portugal nach England.
Die Tätigkeit Gerhard Kreyssigs im IGB-Sekretariat in London war durch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und durch die genannten politischen Differenzen gekennzeichnet. Hinzu kamen seine massiven Vorwürfe, Mitarbeiter des IGB-Sekretariats in Paris nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen ihrem Schicksal überlassen zu haben. Gerhard Kreyssig warf Walter Schevenels immer wieder vor, die illegalen französischen Gewerkschaften bei ihrer Widerstandsarbeit zu wenig zu unterstützen und kaum Initiativen zur Befreiung von Léon Jouhaux zu entwicklen, der von der Vichy-Regierung in Vals-Les-Bains (Ardèche) interniert worden war. Gerhard Kreyssig hatte es auch für Léon Jouhaux übernommen, einen für Sir Walter Citrine verfassten Bericht über die Lage der Gewerkschaften im besetzten und unbesetzten Teil Frankreichs an diesen weiterzuleiten. In London hatte Gerhard Kreyssig wie schon im französischen Exil (im Pariser Vorort Châteny-Malabry) Kontakte zu sozialdemokratischen Emigranten wie Wilhelm Sander, Hans Vogel, Fritz Heine und Erich Ollenhauer, dessen Sohn Peter die Tochter von Gerhard Kreyssig, Inge, im englischen Exil kennenlernte und später heiratete. Bei Hans Gottfurcht beantragte er seine Aufnahme in die Landesgruppe deutscher Gewerkschaften in England. Auf Einladung Willi Eichlers arbeitete er bei den Programmberatungen in der "Union Deutscher Sozialistischer Organisationen" mit. Die Erstellung der Studie von Walter Fliess "Die Wirtschaft im neuen Europa", die Überlegungen zur Reorganisation der europäischen Wirtschaft entwickelt, unterstützte er durch kritische Anmerkungen. In von ihm selbst verfassten Studien zu Fragen und Problemen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus Europas nach dem Krieg entwickelte Gerhard Kreyssig die Konzeption einer sozialisierten Montanindustrie in Form einer "Europagemeinschaft Eisen und Stahl", in die die sozialisierten Industrien der Einzelstaaten im Allgemeininteresse Gesamteuropas eingebracht werden sollten, als Ziel der Arbeiterbewegung und als gewerkschaftliche Grundforderung. Eine weitere wirtschaftspolitische Grundforderung war für ihn die Beseitigung der "Monopolposition des Privatkapitalismus". Er lehnte Monopole und Kartelle im Bereich der Schwer- und Grundstoffindustrie ab. Er warf ihnen im gesamteuropäischen Raum eine Förderung und Zusammenarbeit mit dem Faschismus und Nationalsozialismus vor.
Nach der Liquidation des IGB und der damit verbundenen Kündigung von Gerhard Kreyssig als Mitarbeiter des Londoner Büros zum 31.12.1945 reiste er im Januar 1946 im Auftrag Erich Ollenhauers nach Châteny-Malabry, um die Wohnungsauflösungen sozialdemokratischer Emigranten wir Otto und Toni Wels, Familie Hans Vogel usw. abzuwickeln. Ab dem 1.8.1946 arbeitete er als Wirtschaftsredakteur bei der "Süddeutschen Zeitung" in München. Damit endete seine gewerkschaftliche Tätigkeit, die sein berufliches Engagement seit 1928 bestimmt hatte. 1951 schied er aus der Redaktion wieder aus, als er an Stelle Waldemar von Knoeringens, der sein Bundestagsmandat niedergelegt hatte, in den Bundestag eintrat. Die Tätigkeit als SPD-Abgeordneter bestimmte zwischen 1947 und 1965 sein berufliches und politisches Engagement: Mitglied des Wirtschaftrates von 1947 - 1949, Mitglied des Deutschen Bundestages von 1951 - 1965, Mitglied der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) von 1952 - 1958, Mitglied des Europäischen Parlaments von 1958 - 1965. Als Abgeordneter setzte Gerhard Kreyssig in den parlamentarischen Gremien sein Fachwissen als Volkswirtschaftler ein, um der Wirtschaftspolitik Ludwig Erhards in dessen Funktion als Direktor der Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes (VWG), als Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler entgegenzuwirken, für die der Ordnungsentwurf des Neoliberalen Wilhelm Röpke und seiner Schule konstitutiv war. Dieser beinhaltete im Innern eine Entscheidung für das Ordnungsmodell der "sozialen Marktwirtschaft" und im Bereich der Außenpolitik eine liberal-freihändlerische internationalistische Orientierung in einem Funktionssystem marktwirtschaftlich verfasster Volkswirtschaften. Gerhard Kreyssig hingegen wollte eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verwirklichen, wie sie in den wirtschaftspolitischen Grundsätzen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) formuliert und auf dem Gründungskongress am 12.-14.10.1949 angenommen worden war. Dieses wirtschaftliche Ordnungsmodell war durch Streben nach Vollbeschäftigung, Mitbestimmung der (organisierten) Arbeitnehmer in allen Fragen der Wirtschaftsführung und -gestaltung, durch Konjunktur- und Investitionsplanung, durch Überführung der Schlüsselindustrie in Gemeineigentum sowie durch soziale Gerechtigkeit, d.h. angemessene Beteiligung aller Werktätigen am volkswirtschaftlichen Gesamtertrag sowie durch eine aktive Preis/Lohn- und Steuerpolitik gekennzeichnet. Für Gerhard Kreyssig hatten gerade die Jahre zwischen 1918 und 1933 gezeigt, dass eine bloße formale, auf den politischen Bereich beschränkte Demokratie, bei der eine Demokratisierung der Wirtschaft unterblieben war, ein sicheres Funktionieren der politischen Demokratie verhindert hatte. Für ihn hatten diese Jahre auch bewiesen, dass staatliche Eingriffe in ein kapitalistisches Wirtschaftssystem notwendig waren, um systemimmanente Wirtschaftskrisen zu verhindern oder wenigstens zu mildern
Ein besonderes Anliegen war ihm die Schaffung einer Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, um diese wirtschaftspolitischen Ordnungsvorstellungen im gesamteuropäischen Rahmen zu verwirklichen. Er lehnte aber wie die Mehrheit in der SPD auf der Grundlage des Ansatzes von Kurt Schumacher von nationalstaatlicher Dominanz und Sozialismus die EGKS als Spezialpakt eines konservativen kapitalistischen Kleineuropa ab, das auch deutschen Interessen und hier insbesondere der Wiedervereinigung zuwiderlaufe. Auch wenn er anfangs nur mitarbeitete, "um Schlimmstes zu verhindern" (Heinrich Deist), wurde er jedoch mit der Bejahung der europäischen Integrationsformen durch die SPD zu einem engagierten Europapolitiker, der die wirtschaftspolitischen Ordnungsvorstellungen des demokratischen Sozialismus gegen neoliberale Ordnungsvorstellungen im Rahmen der beiden europäischen Parlamente zu verwirklichen suchte. Einzelne politische Funktionen im Rahmen seiner parlamentarischen Tätigkeit waren: Stellvertretender Vorsitzender der Sozialistischen Gruppe des Montanparlaments von 1955 - 1957, Vizepräsident des Binnenmarktausschusses des Europäischen Parlaments, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschafts- und Sozialpolitik der Sozialistischen Fraktion des Europäischen Parlaments, Vizepräsident des Europäischen Parlaments.
1947 wurde er vom SPD-Parteivorstand in den wirtschaftspolitischen Ausschuss beim Parteivorstand berufen, dem er bis 1967 angehörte. Außerdem war er Mitglied der Arbeitsgemeinschaft für europäische Zusammenarbeit beim Parteivorstand (1954-1955) und des 1960 gegründeten Ausschusses Entwicklungsländer beim Parteivorstand.
Gewerkschaftlich war er seit 1945 in der IG Druck und Papier organisiert. 1948 wurde Gerhard Kreyssig vom Wirtschaftsrat in den Aufsichtsrat der Staatlichen Erfassungsstellte für öffentliches Gut m.b.H. (STEG) entsandt, dem er bis 1952 angehörte. Von 1953 - 1968 saß er als Vertreter der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten der Siemens & Halske AG und der Siemens-Schuckertwerke AG.
Gerhard Kreyssig starb am 14.10.1982 in München.
Der Nachlass Gerhard Kreyssig umfasst ca. 10 lfd. m. Schwerpunkt des Nachlasses bilden die Sachakten, die aus seiner Abgeordnetentätigkeit als Mitglied des Wirtschaftsrates, des Montanparlaments und des Europäischen Parlaments erwachsen sind. Die Ordnung und Verzeichnung erfolgte nach den Richtlinien des AdsD vom 16.10.1980. Der Nachlass gliedert sich in 22 Aktengruppen. Bei der Aktengruppe "Persönliche Unterlagen" (I) sind seine Tagebuchaufzeichnungen von Oktober 1941 - August 1942 hervorzuheben, die die Probleme des gewerkschaftlichen und politischen Exils von Gerhard Kreyssig widerspiegeln. Als Gliederungspunkt II schließen sich die Publizistischen Äußerungen des Nachlassers zwischen 1942 und 1977 an. Die von ihm angelegten Sammlungen im Zeitraum 1920 - 1968 (Materialsammlungen, Zeitungs-Zeitschriften-Broschürensammlung) vermitteln ebenfalls das Bild eines Sozialdemokraten, für den die Neugestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung ein zentrales politisches Anliegen war. Im Rahmen der Überlegungen für diese Neugestaltung nahm die Sozialisierungsfrage einen wichtigen Platz ein. So finden sich hier z.B. die Protokolle der Sitzungen des hessischen Kabinettsausschusses über die Beratung des Gesetzes über die Sozialgemeinschaften mit Schlussbericht. Die allgemeine und persönliche Korrespondenz (1943 - 1968) gibt für die Jahre 1943 - 1946 Aufschluss über einzelne Emigrantenschicksale. Das Aktengut aus seiner Tätigkeit im IGB-Sekretariat in London sowie seine Korrespondenz mit E.F. Rimensberger (Schweizerischer Gewerkschaftsbund) vermitteln einen lebendigen Einblick in Organisation, Struktur und politische Praxis des IGB zwischen 1940 und 1945. Die Aktengruppe "Gewerkschaftliches und politisches Exil und Nachkriegszeit" (IX) enthält u.a. Materialien zur politischen und menschlichen Situation des Londoner Ausschusses der SPD. In seiner Korrespondenz mit Thomas Biene (1980), der in Zusammenhang mit seinem Dissertationsvorhaben zur Exilpublizistik in den Niederlanden 1933 - 1940 Gerhard Kreyssig als alleinigen Herausgeber der "DGE"-Rundbriefe festgestellt hatte, erörterte G. Kreyssig Probleme des gewerkschaftlichen Exils. Eine Kopie eines "DGE"-Rundbriefes vom Februar 1939 ist im Nachlass vorhanden.
Als Abgeordneter des Frankfurter Wirtschaftsrates war er Mitglied zentraler Ausschüsse des Wirtschaftsrates wie des Hauptausschusses und des Ausschusses für Wirtschaft. Neben den Protokollen der Ausschusssitzungen ist auch Schriftgut der Ausschüsse im Nachlass vorhanden. Dieses Aktengut wurde durch Protokollnotizen und Vermerke von Gerhard Kreyssig und Dritten ergänzt. Dies trifft auch auf Aktengut zu, das in seiner Eigenschaft als Mitglied der Sozialdemokratischen Fraktion des Wirtschaftsrates erwachsen ist. So läßt sich die "Oppositionsentscheidung" der SPD daran nachvollziehen.
Das Aktengut seiner Tätigkeit als Mitglied des Montanparlaments und des Europäischen Parlaments dokumentiert das Zusammenwachsen der Sozialistischen Fraktion und ihr Bemühen, über den nationalen Rahmen hinaus Grundsätze sozialistischer Politik zu Fragen und Problemen der europäischen Integration zu erarbeiten. Das Aktengut, Protokolle der Sitzungen der Sozialistischen Fraktion des Montan- und des Europäischen Parlaments, Protokolle der Arbeitsgruppe für Wirtschafts- und Sozialfragen und der Arbeitsgruppe Kartelle und Zusammenschlüsse der Sozialistischen Fraktion beider Parlamente, Protokolle und Schriftgut zahlreicher Ausschüsse der Gemeinsamen Versammlung und des Europäischen Parlaments - ebenfalls angereichert mit Protokollnotizen und Vermerken von Gerhard Kreyssig und Dritten - geben einen Einblick in die Tätigkeit beider Parlamente, ihre zentralen Aufgaben und Probleme sowie in die erarbeiteten Lösungen.
Hinsichtlich der Aktengruppe "Sozialdemokratische Partei Deutschlands" ist das Aktengut aus seiner Tätigkeit beim Wirtschaftspolitischen Ausschuss beim Parteivorstand hervorzuheben. Desweiteren findet sich hier Aktengut zur Tätigkeit des SPD-Landesverbandes Bayern und der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Akademiker beim SPD-Unterbezirk München 1946 - 1956 (1968). Aufgaben und Probleme einer im Treuhandauftrag arbeitenden gemeinwirtschaftlichen Abwicklungsstelle werden am Beispiel der STEG sichtbar, deren Aufsichtsrat Gerhard Kreyssig von 1948 - 1952 angehörte. Aus seiner langjährigen Tätigkeit als Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten der Siemens & Halske AG, der Siemens-Schuckertwerke AG sind gutachterliche Stellungnahmen der wirtschaftspolitischen Abteilungen des Hauptvorstandes der DAG und des Vorstandes der IG Metall zu den Geschäftsberichten des Siemens-Konzerns, Protokolle der Aufsichtsratssitzungen, Protokolle der internen Sitzungen der Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten des Siemens-Konzerns und Berichte der Gesamtbetriebsratssitzung und der Vertreterversammlung der Betriebsräte des Konzerns vom 19.7. - 21.7.1966 erhalten. Sie geben Einblick in die Tätigkeit der Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten des Siemens-Konzerns sowie in die Geschäfts- und Personalpolitik des Siemens-Vorstandes. Von multinationalen Konzernen getragene Entwicklungen wie "Internationalisierung der Produktion" (u.a. Auslagerung von Produktionsstätten ins Ausland), Durchführung von Großprojekten in Entwicklungsländern aus Mitteln der Entwicklungshilfe, Firmenbeteiligungen und Firmenübernahmen im nationalen und internationalen Rahmen sowie Rationalisierung der Fertigungsmethoden lassen sich im Aktengut verfolgen. Ebenso lässt sich das Engagement des Konzerns bei der Konstruktion und Errichtung von Kernkraftanlagen nachvollziehen.
Das Aktengut des Nachlassers war bei der Übergabe an das AdsD im großen und ganzen den einzelnen politischen und beruflichen Funktionen des Nachlassgebers eindeutig zugeordnet, so dass klare Aktengruppen (wie IGB, Wirtschaftsrat, Deutscher Bundestag, Gemeinsame Versammlung, Europäisches Parlament) zu Tage traten. Innerhalb dieser Aktengruppen erfolgte die Titelbildung nach funktionalen oder sektoralen Gesichtspunkten sowie nach Gesichtspunkten, die sich aus der Organisation oder Geschäftsordnung der jeweiligen Institution ergaben.
Daneben wurden Unterlagen des Nachlassers zu Aktengruppen wie Persönliche Unterlagen, Publizistische Äußerungen des Nachlassers, Materialsammlungen zu Publikationen, Gewerkschaftliches und politisches Exil und Nachkriegszeit, Allgemeine und persönliche Korrespondenz, Mitgliedschaften, Wahlen und Prozesse zusammengefasst. Die Verzeichnung des Bestandes wurde möglichst ausführlich vorgenommen, ohne dass man aber von einer "pro-Stück Verzeichnung" sprechen kann. Sie ist detailliert und greift selten zu zusammenfassenden Beschreibungen. Die in den Sachakten enthaltenen Materialien wurden rein formal beschrieben. Daneben erfasst der "Enthält"-Vermerk den Inhalt eines Aktenstückes. Bei der Verzeichnung der (marginalen) Korrespondenz werden die Korrespondenzpartner aufgeführt und die Inhalte im "Enthält-Vermerk" erfasst.
Gerhard Kreyssig in der Online-Datenbank des AdsD der FES
Gerhard Kreyssig im Online-KatalogBibliothek der FES
