Hans Koschnick
Bestand: 106,00 lfd.m.
Laufzeit: 1967 - 2005
Lebensdaten: * 2.4.1929
Hans Koschnick wurde nach dem Besuch der Mittelschule für den gehobenen Verwaltungsdienst ausgebildet.
Seine Berufstätigkeit als Verwaltungsbeamter begann 1945, nachdem er am Zweiten Weltkrieg teilgenommen hatte und in britischen Kriegsgefangenschaft geraten war. Bis 1951 arbeitete er im öffentlichen Dienst von Bremen und stieg nach einer Tätigkeit als Jugendsekretär und Beamten-Sekretär der Gewerkschaft ÖTV Bremen zum leitenden Verwaltungsbeamten auf und leitete ab 1963 als Oberregierungsrat die Abteilung Jugendhilfe und Sport beim Senator für Wohlfahrt und Jugend in Bremen. Nebenher leitete er von 1954 - 1962 als Vorsitzender den Beamtenausschuss des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Land Bremen.
Bereits 1955 war Koschnick Mitglied der Bremer Bürgerschaft und kurz darauf 2. Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bremen geworden. Im November 1963 übernahm er das Amt des Innensenators von Bremen und trat damit aus der Bürgerschaft aus.
Am 20. Juli 1965 erfolgte seine Ernennung zum zweiten Bürgermeister von Bremen. Im November 1967 wurde er zum Bürgermeister und zum Präsidenten des Bremer Senats gewählt, welches er bis 1985 blieb. Hans Koschnick gehörte von 1970 - 1991 dem SPD-Bundesvorstand an und war von 1975 - 1979 stellvertretender Parteivorsitzender. 1971 - 1977 war Koschnick Präsident des Deutschen Städtetages, von 1975 - 1978 Vorsitzender des Verbandes kommunaler Unternehmen und 1981 - 1985 Präsident der International Union of Local Authorities.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Bremer Senat und dem Amt des Bürgermeisters widmete er sich seiner Aufgaben als Vorsitzender der SPD-Kommission für Internationale Beziehungen mit Schwerpunkt Dritte Welt und zog für den Wahlkreis Bremen-West 1987 - 1994 in den Bundestag ein. Hier war er vorrangig im Verteidigungsausschuss mit Themen der Bundeswehr und der Sicherheitspolitik befasst. Im Auswärtigen Ausschuss und im Vermittlungsausschuss war er stellvertretendes Mitglied. Im Februar 1993 wurde er von der ÖTV als einer der Vorsitzenden der Schlichtungsstelle im öffentlichen Dienst benannt und übernahm 1994 das Amt eines Administrators der EU, um den Wiederaufbau der Verwaltung der im jugoslawischen Bürgerkrieg schwer zerstörten und geteilten Stadt Mostar zu organisieren sowie die in Washington und Wien vereinbarte moslemisch-kroatische Föderation zu stabilisieren.
In Mostar entging Koschnick einem Mordanschlag kroatischer Extremisten.
Am 26. Februar 1996 gab Koschnick sein Mandat als EU-Verwalter zurück und verließ einen Monat später Mostar.
Im Frühsommer 1996 übernahm er für die Gewerkschaften die Schlichterrolle im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes. Von Dezember 1998 - Dezember 1999 fungierte Koschnick als Bosnienbeauftragter der Bundesregierung. Er übernahm von März 2000 - Ende 2001 den Vorsitz des Lenkungsausschusses für Flüchtlingsfragen im Stabilitätspakt für Südosteuropa. 2000 - 2003 war er Vorsitzender des überparteilichen Vereins "Gegen Vergessen - Für Demokratie" und 2000 - 2005 Präsident des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt.
Hans Koschnick wurde mit dem Prix France-Allemagne, der Ehrenmitgliedschaft im israelischen Städteverband, der Ehrenmedaille in Gold der Stadt Bremen, dem Theodor-Heuss-Preis, dem Preis für politische Kultur der Stadt Herdecke, der Carl-von Ossietzky-Medaille, der Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold, dem Waldemar-von Knoeringen-Preis und der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet.
Für sein Engagement in Mostar wurde er mit dem Kasseler Bürgerpreis "Glas der Vernunft" sowie dem hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Das Gustav-Adolf-Werk der Evangelischen Kirche verlieh ihm den Gustav-Adolf-Preis.
Koschnick ist verheiratet und hat ein Kind.
Veröffentlichungen: "Brücke über der Neretva: Der Wiederaufbau in Mostar" (1995 zusammen mit Jens Schneider); "Von der Macht der Moral"(1998, herausgegeben von Meinhard Schmidt-Degenhard)
Manuskripte, Korrespondenz und Materialien u.a. aus der Amtszeit als Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, aus seiner Abgeordnetentätigkeit im Deutschen Bundestag, aus der Arbeit in Gremien der SPD sowie für Vereinigungen und Organisationen.
Hans Koschnick im Online-KatalogBibliothek der FES
