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Georg Eckert

Georg Eckert

Bestand: 66,10 lfd.m.
Laufzeit: 1919 - 1974

Lebensdaten: * 14.8.1912 † 7.1.1974

Geboren in Berlin als Sohn eines Redakteurs und einer aus Russland stammenden Mutter, legte Georg Eckert 1931 die Reifeprüfung ab und begann in Berlin das Studium von Geschichte, Geographie, Germanistik, Volks- und Völkerkunde. 1931 wurde Eckert auch Mitglied der SPD, nachdem er schon vorher der Sozialistischen Schülergemeinschaft angehört hatte. Anfang 1931 übernahm er einige Monate deren Reichsleitung und gab von 1930-1933 die "Sozialistische Schülerzeitung" heraus. Von März 1932 bis ins Frühjahr 1933 suchte er als Vorsitzender des Sozialistischen Studentenschaft der Universität Berlin den Nationalsozialisten entgegen zu treten, war deshalb stark gefährdet und setzte sein Studium ab Sommersemester 1933 in Bonn fort. Zwischenzeitlich wieder nach Berlin gewechselt und als Zwangsmitglied der Studenten-SA in gewisser Weise unverdächtig, beteiligte sich Eckert in Kontakt mit dem Exil-Parteivorstand der SPD in Prag an illegalen Widerstandsaktionen. 1935 promovierte Eckert wiederum in Bonn im Hauptfach Völkerkunde, um 1936 und 1938 beide Staatsexamina abzulegen und in den Berliner Schuldienst zu gehen. 1937 trat er zur Tarnung und mit Wissen der SPD, wie er in einem Lebenslauf später schrieb, der NSDAP bei. Widerstandsaktivitäten betrieb die Gruppe um Eckert bis zum Kriegsausbruch.
1940 erst zum Heer eingezogen, leistete Eckert ab 1941 Dienst als uniformierter Wehrmachtsbeamter, wobei er am Ende die Uniform eines Majors trug. Während eines Urlaubs 1943 erlangte er in Bonn die Habilitation und die Venia Legendi. Nach der Besetzung Griechenlands als Leiter der Marinewetterwarte nach Saloniki in Nordgriechenland kommandiert, gewann er als Landeskenner bei den deutschen Militärstellen und Besatzungsbehörden Einfluss und konnte zugleich unter dem Deckmantel völkerkundlicher Studien Kontakte zur griechischen Widerstandsbewegung aufnehmen. Eckert war es in vielen Fällen möglich, Verfolgte zu retten und Vergeltungsmaßnahmen verhindern. Im Herbst 1944 vermittelte er zwischen der Wehrmacht und der Volksbefreiungsarmee ELAS den kampflosen Abzug der deutschen Truppen aus Saloniki und ging dann mit seinen engsten Gefolgsleuten zur ELAS über. Aus politisch zuverlässigen Personen bildete Eckert ein "Antifaschistisches Komitee", das die in Saloniki verbliebenen deutschen Widerständler, Deserteure und Kriegsgefangenen der ELAS, die sich der Übergabe an die britischen Truppen entzogen hatten, unter griechischer Oberaufsicht in antifaschistischen Kompanien organisierte. Nach Ausbruch der griechischen Bürgerkriegskämpfe im Dezember 1944 entschlossen sich die Sozialdemokraten unter den Antifaschisten im Unterschied zu den Kommunisten, nicht in die innergriechischen Kämpfe einzugreifen, sondern nun doch zu versuchen, mit Hilfe der Briten als Kriegsgefangene nach Hause zu gelangen. Eckert wurde von den anderen getrennt und kam über Rom im August 1945 nach Goslar, wo er wegen eines schweren Lungenabzesses bis November 1946 in einer Spezialklinik bleiben musste. So bald wie möglich schloss er sich wieder aktiv der SPD an.
Ab November 1946 bekleidete Eckert eine Dozentenstelle an der Kant-Hochschule in Braunschweig, der späteren Pädagogischen Hochschule, und wurde dort 1952 Professor für Geschichte und für Methodik des Geschichtsunterrichts. Er interessierte sich besonders für Fragen der Darstellung historischer Ereignisse und Zusammenhänge in Schulbüchern und gründete 1951 mit Hilfe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Braunschweig das Internationale Schulbuchinstitut, dessen Leiter er bis zu seinem Tode blieb. Maßgeblich war Eckert nach dem Warschauer Vertrag von 1970 an der gemeinsam von Deutschen und Polen betriebenen Revision der Geschichtslehrbücher beteiligt.
Auf dem Gebiet der historischen Forschung war Eckert in Westdeutschland einer der ersten, die sich nach dem Krieg der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung widmeten. Außer durch eigene Publikationen und Editionen wirkte er als der erste Leiter des von ihm mit initiierten Instituts für Sozialgeschichte Braunschweig und gehört zu den Initiatoren der Internationalen Tagung der Historiker der Arbeiterbewegung in Linz/Österreich. Von 1961 bis 1969 trug er die alleinige Verantwortung für das im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlichte Jahrbuch "Archiv für Sozialgeschichte".
In der SPD gehörte Eckert den Ausschüssen für Kulturpolitik und für Sicherheitsfragen an und war Mitglied der Kommission zur Vorbereitung des Godesberger Programms von 1959.
Seit 1949 war Eckert Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission und wurde 1964 ihr Präsident. Zu seinen weiteren Ämtern gehörte das des Vorsitzenden des Ausschusses für Geschichtsunterricht der Arbeitsgemeinschaft deutscher Lehrerverbände bzw. der GEW, des Vorsitzenden der Wissenschaftlichen Kommission beim Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung und eines Vorstandsmitglieds im Deutschen Rat der Europäischen Bewegung.

Persönliche Unterlagen; Dokumente aus der Zeit in Griechenland; Korrespondenz; Unterlagen aus der Arbeit für das Internationale Schulbuchinstitut, das Institut für Sozialgeschichte Braunschweig, die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer, Ausschüsse des SPD-Parteivorstands, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die UNESCO, die europäische Bewegung, die Herausgabe der Zeitschriften "Archiv für Sozialgeschichte" und "Zeitschrift für Ethnologie"; Materialien zur Ethnologie, zur Geschichte der Braunschweiger Arbeiterbewegung, zur NS-Herrschaft, zur Kommunalpolitik in Braunschweig; Manuskripte, Fotos

Georg Eckert im Online-KatalogBibliothek der FES