Das Layout dieser Seite wird mit CSS umgesetzt. Wenn Sie diesen Hinweis sehen, kann Ihr Browser CSS nicht darstellen.
Die Seite bleibt trotzdem voll funktionsfähig.
Hier finden Sie einen standard-konformen Browser: www.mozilla.org.

 

Walter Dirks

Walter Dirks

Bestand: 36,40 lfd.m.
Laufzeit: 1921 - 1991

Lebensdaten: * 8.1.1901 † 30.5.1991

Walter Dirks wurde in Hörde bei Dortmund geboren. Sein Vater arbeitete als Handelsreisender für eine Brauerei, die Mutter war als Fürsorgerin tätig. Nach dem Abitur 1920 studierte Dirks bis 1923 Theologie in Paderborn und Münster. In diese Zeit fällt auch sein Engagement im "Quickborn", einem katholischen Bund innerhalb der Jugendbewegung. Durch Vermittlung des Pädagogen und Religionsphilosophen Romano Guardini, dessen Sekretär er für kurze Zeit war, sowie des reformkatholischen Publizisten Ernst Michel kam Dirks 1924 als Leiter des Feuilletons an die linkskatholische "Rhein-Mainische Volkszeitung" in Frankfurt, für die er bis zu ihrer Schließung durch die Nationalsozialisten Anfang 1934 arbeitete. Zwischen 1928 und 1933 studierte er daneben Soziologie und Philosophie, zunächst in Frankfurt, dann Gießen. Im gleichen Zeitraum war er verantwortlicher Redakteur des "Friedenskämpfers", der Zeitschrift des "Friedensbundes der Deutschen Katholiken", und schrieb unter dem Pseudonym Georg Risse zahlreiche Beträge für die Wochenzeitschrift "Deutsche Republik". Dort, wie in Artikelserien für die "Rhein-Mainische Volkszeitung" erarbeitete Dirks ab 1930 eine luzide soziologische Analyse der aufziehenden nationalsozialistischen Bewegung.
Nach mehrwöchiger "Schutzhaft" im Sommer 1933 und zeitweiligem Schreibverbot war er 1934/35 Mitarbeiter beim Sozialfunk des Reichssenders Frankfurt. 1935 erhielt er eine Anstellung im Lokalteil, später im Feuilleton der "Frankfurter Zeitung", bis die nationalsozialistische Regierung im Sommer 1943 auch diese einstellte und Dirks eine weitere Ausübung seines Berufes untersagte. 1941 heiratete er Marianne Ostertag. In der Endphase des Krieges arbeitete Dirks für die Postreklame GmbH und bereitete im Auftrag des Herder-Verlags ein Buchprogramm für die Zeit nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft vor.
Nach der Besetzung Frankfurts durch US-Truppen wurde Dirks in den Bürgerrat der Stadt berufen und setzte sich zunächst für die Gründung einer Sozialdemokraten, Kommunisten und Linkschristen umfassenden "Sozialistischen Einheitspartei" ein. Nach dem Scheitern dieses Vorhabens beteiligte er sich an der Gründung der CDU Hessen, deren "Frankfurter Leitsätze" deutlicher als alle anderen programmatischen Aussagen der frühen CDU politisch argumentieren und sich für einen "wirtschaftlichen Sozialismus auf dogmatischer Grundlage" einsetzten. Bekannt wurde Dirks vor allem zusammen mit Eugen Kogon als Herausgeber der "Frankfurter Hefte", die von 1946 an erschienen und als eine der bedeutendsten bundesrepublikanischen Zeitschriften der Nachkriegszeit gelten können. Seit 1985 erschien sie mit der sozialdemokratischen Monatszeitschrift fusioniert als "Die Neue Gesellschaft - Frankfurter Hefte". Zwischen 1948 und 1957 war Dirks regelmäßiger innenpolitischer Kommentator des Südwestfunks und freier Mitarbeiter verschiedener Tageszeitungen, unter anderem der "Frankfurter Neuen Presse", der "Neuen Ruhr-Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Anfang der fünfziger Jahre beteiligte er sich an empirischen Untersuchungen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und war zusammen mit Theodor W. Adorno Herausgeber der "Frankfurter Beiträge zur Soziologie". 1953 wurde Dirks in den "Deutschen Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen" berufen, dem er bis zu dessen Auflösung 1967 angehörte. Zwischen 1956 und 1966 leitete er die Hauptabteilung Kultur beim Westdeutschen Rundfunk in Köln. Ende der sechziger Jahre zählte er zu den Gründern des "Bensberger Kreises" politisch engagierter Katholiken und gehörte zum Präsidium der katholischen Friedensorganisation "Pax Christi". Nach seiner Pensionierung lebte Walter Dirks als freier Schriftsteller in Wittnau bei Freiburg, wo er am 30.5.1991 verstarb.

Walter Dirks entschloß sich 1984, sein Privatarchiv dem Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) zu überlassen. Der größte Teil des Nachlasses wurde daraufhin zwischen 1984 und 1986 vom Ulrich Bröckling in Dirks’ Haus in Wittnau bei Freiburg geordnet, verzeichnet und dem Archiv übergeben; ein kleinerer Teil wurde nach dem Tod des Nachlassers in den Bestand eingeordnet. Im Auftrag des AdsD erstellte Bröckling darüber hinaus eine mehr als 4.100 Titel umfassende Walter-Dirks-Bibliographie, die 1991 in der Schriftenreihe des Archivs veröffentlicht wurde.
Bei der Ordnung des Bestandes konnte in den Bereichen "Allgemeine und persönliche Korrespondenz" sowie "Publizistische Äußerungen des Nachlassers" weitgehend auf vorgefundene Registraturen zurückgegriffen werden; bei den Sachakten wurden in den meisten Fällen ebenfalls vorgefundenen Mappen und Aktensammlungen erhalten. Die Akten wurden insgesamt durch Titelbildung, formale Kriterien, Angaben der Laufzeit und "Enthält"-Vermerke inhaltlich erschlossen. Bei der "Allgemeinen und persönlichen Korrespondenz" und bei den Spezial-Korrespondenzen wurden jeweils die wichtigste Korrespondenzpartner namentlich aufgeführt sowie die entsprechenden "Betreffs" verzeichnet. Alle im Text genannten Personennamen sind in einem Personenregister erfaßt.
Der Bestand an Korrespondenz ist für die Zeit bis 1945 lückenhaft; für die Jahre 1946 bis 1956 ist die Korrespondenz an Walter Dirks annähernd vollständig und in Durchschlägen auch die Korrespondenz von Walter Dirks weitgehend erhalten. Die allgemeine und persönliche Korrespondenz dieser Jahre enthält zu einem erheblichen Teil auch redaktionelle Schriftwechsel, die Walter Dirks’ Tätigkeit als Herausgeber der "Frankfurter Hefte" betreffen. Nicht zum Bestand gehören dienstliche Schriftwechsel, die Walter Dirks zwischen 1956 und 1966 als Leiter der Hauptabteilung Kultur beim Westdeutschen Rundfunk führte. Für die weiteren Jahre bis zu Dirks’ Tod 1991 ist die Korrespondenz wiederum weitgehend vollständig dokumentiert.
Der Bestand an Manuskripten und Druckbelegen erfaßt nicht alle in der Walter Dirks Bibliographie aufgeführten Titel. Lücken bestehen insbesondere für die Zeit bis 1933. Mikrofilme der "Rhein-Mainischen Volkszeitung", in der die meisten Dirks-Beiträge dieser Zeit erschienen, besitzen die Universitätsbibliothek Frankfurt sowie das Institut für Zeitgeschichte in München. Die publizistischen Äußerungen des Nachlassers sind jahrgangsweise chronologisch geordnet.
Eine eigene Aktengruppe bilden die Unterlagen zu den "Frankfurter Heften", die insbesondere die Gründungsphase und erste Jahrgänge der Zeitschrift betreffen. Umfassend dokumentiert sind die Pläne zur Beendigung der Zeitschrift 1984 und die Verhandlungen, die zur Fusion mit der Zeitschrift "Die neue Gesellschaft" führten.
Die Sachakten enthalten größere Einzelbestände vor allem für die Zeit zwischen 1945 und 1955; sie betreffen unter anderem den politischen und kirchlichen Neuanfang in Frankfurt, das Verhältnis von Christentum und Sozialismus sowie die CDU-Gründung in Hessen. Umfassend dokumentiert sind ferner die Arbeit des "Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen" und des "Bensberger Kreises". Die Akten sind chronologisch und nach Sachgruppen geordnet.

  • Persönliche Unterlagen und Dokumente Korrespondenz: Allgemeine und persönliche Korrespondenz / Korrespondenz mit Freunden /
  • Korrespondenz mit Rundfunkanstalten / Korrespondenz mit Verlagen / Glückwunschkorrespondenzen
  • Publikationen des Nachlassers
  • Publikationen über den Nachlasser
  • Materialien zu Ehrungen und Würdigungen
  • Frankfurter Hefte
  • Sachakten bis 1933: Friedensbund Deutscher Katholiken, Linkskatholizismus in der Weimarer Republik / Gotteslästerungsprozeß gegen George Grosz
  • Sachakten 1933 - 1945: Materialien zum Nationalsozialismus / Frankfurter Zeitung
  • Sachakten 1945 - 1954: Kriegsende / Katholische Volksarbeit, Katholische Aktion / Politischer Neubeginn in Frankfurt / Entnazifizierung / Parteien nach 1945 / Christentum und Sozialismus / Gesellschaft Imhausen / Reisen nach Frankreich und Schweden, deutsch-französische Schriftstellertreffen / Remilitarisierung / Zeitgeschichtliche Materialien zu diversen Themen
  • Sachakten 1955 - 1989: Gewerkschaftspolitik und Mitbestimmung / Konrad Adenauer, Deutschlandpolitik / Deutscher Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen / Bildungs- und Erziehungspolitik / Zweites Vatikanisches Konzil / Bensberger Kreis / Publik, Publik-Forum / Pax Christi / Diskussion um Neuregelung des § 218 / Sozialdemokratische Wählerinitiative und August-Bebel-Kreis / Gustav-Heinemann-Initiative / Burgbrief Burg Rothenfels, Rothenfelser Werkhefte / Medien und Medienpolitik / Materialien zu theologischen und kirchenpolitischen Fragen / Materialien zu Themen aus Kunst, Kultur und Wissenschaft / Zeitgeschichtliche Materialien zu diversen Themen / Materialien zu einzelnen Personen

Walter Dirks in der Online-Datenbank des AdsD der FES

Walter Dirks im Online-Katalog Bibliothek der FES