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Hermann Brill

Bestand: 0,30 lfd.m.
Laufzeit: 1945 - 1959

Lebensdaten: * 9.2.1895 † 22.6.1959

Hermann Louis Brill wurde am 9. Februar 1895 in Gräfenroda (Thüringen) als älterer Sohn des Schneidermeisters Michael Brill und seiner Ehefrau Lina, geb. Otto geboren. Er wuchs in einem Elternhaus auf, das ihm schon früh die Grundbegriffe des Sozialismus beibrachte.
Brill besuchte von 1901 - 1909 die Bürgerschule in Ohrdruf und von 1909 bis 1914 das Gothaer Herzog-Emst-Seminar, um dort als Volksschullehrer ausgebildet zu werden. Anfang August 1914 legte er seine "Seminarreifeprüfung" (erstes Lehrerexamen) ab. Mitgerissen durch die allgemeine Kriegsbegeisterung, die den Ausbruch des Ersten Weltkrieges begleitete, meldete sich Brill freiwillig zum Kriegsdienst und kämpfte bis zum Ende des Krieges an verschiedenen Fronten. Im Jahre 1920 legte Brill erfolgreich seine zweite Lehrerprüfung ab und war in der Folgezeit als Volksschullehrer tätig.
Die frühen Eindrücke des Sozialismus und das Kriegserlebnis führten zum Eintritt Brills in die USPD am 3.Oktober 1918. Er wurde als deren Abgeordneter in die erste Landesversammlung des Freistaates Sachsen-Gotha gewählt und 1920 schließlich in den Landtag des neugebildeten Landes Thüringen, dem er bis 1933 angehörte. Seine politische Laufbahn in Thüringen erreichte ihren Höhepunkt mit der Besetzung eines Kabinettpostens ohne Portefeuille von Oktober 1921 bis Oktober 1923. Nach der Wiedervereinigung der USPD und der SPD war Brill Mitglied der SPD. Im Jahre 1932 gehörte er von Juli bis November dem Reichstag an.
1920 wechselte Brill vom Lehrerdasein in den Verwaltungsdienst, der ihn über verschiedene Stationen bis in das Amt des Leiters der Polizeiabteilung des thüringischen Innenministeriums führte. 1924 wurde Brill als politischer Beamter verabschiedet und begann ein Studium der Rechtswissenschaften, politischen Ökonomie, Soziologie und Philosophie in Jena. 1929 beendete er sein Studium mit der Promotion zum Dr. jur. 1928 bis 1932 war er Mitglied der thüringischen Dienststrafkammer und des Dienststrafhofes. Eine berufliche Basis bot ihm 1927 bis 1933 seine Dozententätigkeit an der Heimvolkshochschule Tinz und an der Deutschen Hochschule für Politik.
Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde Brill aufgrund §4 des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus allen seinen Ämtern entlassen. Er war jedoch im Widerstand gegen die Nazidiktatur aktiv tätig. Zuerst engagierte er sich als Mitglied der illegalen Gruppe "Neu Beginnen", bis er 1936 an leitender Stelle der illegalen Gruppe "Deutsche Volksfront" stand.
Nachdem er 1935 wegen "Verächtlichung" zum ersten Mal in Untersuchungshaft kam, wurde er im September 1938 erneut verhaftet und am 28.07.1939 zu 12 Jahren Haft wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" durch den Volksgerichtshof verurteilt. Bis 1943 war er im Zuchthaus Brandenburg-Görden inhaftiert und von 1943 bis Kriegsende im Kozentrationslager Buchenwald. In Buchenwald wurde Brill zum Programmatiker und Organisator eines "Deutschen Volksfrontkomitees" aus Sozialdemokraten, Kommunisten, christlichen und liberalen Demokraten.
Aufgrund seiner Mitarbeit am "Buchenwalder Manifest", einem politischen Entwurf für ein demokratisches Deutschland nach dem Dritten Reich, fungierte Brill nach seiner Befreiung aus dem KZ Buchenwald als Berater der amerikanischen Militärregierung in Weimar und wurde mit der Wahrnehmung der Geschäfte des thüringischen Ministerpräsidenten und der Fachminister beauftragt. Damit legte er in den nachfolgenden Wochen die Grundzüge für den Neuaufbau des Landes Thüringen. Am 9. Juni 1945 wurde Brill schließlich von der amerikanischen Militärregierung zum ersten Ministerpräsidenten der Provinz Thüringen ernannt und nahm dieses Amt bis Mitte Juli 1945, der Übergabe Thüringens an die sowjetische Besatzungsmacht, wahr. Ab September 1945 bis Ende 1945 wurde er als Präsident der Thüringischen Landesverwaltungsgesellschaft (Landesamt für Vermögenskontrolle) eingesetzt.
Bis zum Jahresende 1945 stand Brill an der Spitze der thüringischen SPD als Hauptvertreter der Sozialdemokratie gegen die Vereinnahmung durch die KPD. Den Kampf gegen den Zusammenschluß verlor er schließlich mit dem Ende des Jahres 1945.
Mitte Dezember 1945 rief ihn OMGUS, die amerikanische Militärregierung für Deutschland, nach Berlin, wo er als Chief Consultant bei der Manpower Division eingesetzt wurde. Sein Weg führte ihn dann im Juli 1946 nach Wiesbaden. Dort wurde Brill von der amerikanischen Militärregierung zum Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des hessischen Staatsministeriums ernannt. Infolge der im KZ Buchenwald zugezogenen gesundheitlichen Leiden trat Brill Ende Juli 1949 von dem Amt des Staatssekretärs zurück.
Als Mitglied des Herrenchiemseer Verfassungskonvents im Jahre 1948 nahm er maßgeblich Einfluß auf die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Im Jahre 1949 wurde er als Abgeordneter der SPD in den ersten Deutschen Bundestag gewählt. Er war bis 1953 in den Ausschüssen Rechts- und Verfassungsausschuß, Auswärtiger Ausschuß, Berlin- und Gesamtdeutscher Ausschuß etc. tätig.
Von 1953 an arbeitete er als wissenschaftlicher Berater des hessischen Ministerpräsidenten, bis er im Alter von 64 Jahren am 22. Juni 1959 in Wiesbaden an einer Gehirnblutung starb.
Brill trat aktiv in verschiedenen Organisationsgliederungen der SPD in Erscheinung. Von 1948 bis 1949 war er Mitglied des Unterbezirksvorstandes Wiesbaden, von 1949 bis 1950 des Kreisvorstandes der SPD Wiesbaden, von 1949 bis 1950 des Bezirksvorstandes Hessen-Süd und wurde 1950 in den Landesausschuß der SPD Großhessen gewählt.
Hermann Brill ging neben seinen politischen Ämtern auch nach 1945 einer Lehrtätigkeit als Dozent und Honorarprofessor an verschiedenen Hochschulen nach. Ende April 1948 wurde er zum Honorarprofessor für Staatsrecht an der Universität Frankfurt am Main ernannt. Ab 1950 wirkte er als Dozent für öffentliches Recht an der Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main und als Honorarprofessor an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer mit dem Lehrauftrag der vergleichenden Staatslehre und Verfassungsgeschichte, bis er auch diese Tätigkeiten aus gesundheitlichen Gründen niederlegte.

Bei dem Bestand Hermann Brill im AdsD handelt es sich um einen Teilnachlaß. Im Bundesarchiv in Koblenz befindet sich ein größerer Teilnachlaß, der Brills Tätigkeit als Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei im hessischen Staatsministerium, als SPD-MdB überwiegend zu verfassungsrechtlichen Fragen, Konferenzen der Bizone zur Lage in Thüringen, zur hessischen Verwaltungsreform und zur Europapolitik dokumentiert.
Ein kleiner Teil des Nachlasses wurde von Frau Edeltraud Schönewald, der seit 1945 tätigen Sekretärin Brills an das Archiv der sozialen Demokratie übergeben. Der größere Teil des Nachlasses befand sich vor der Gründung des Archives im Jahre 1969 bereits in den Altbeständen, die vom SPD-Parteivorstand und der Friedrich-Ebert-Stiftung ins AdsD übernommen wurden.
Die vorgefundene Ordnung des Bestandes war durch eine thematische Gliederung der Sachakten geprägt, in die vorhandene Korrespondenz und eigene Publikationen mit eingegliedert waren. Die Ordnungs- und Erschließungsarbeiten des Bestandes orientierten sich an der vorgefundenen Ordnung des Bestands. Die Korrespondenz wurde den Sachakten nicht entzogen. Aktengruppen und Aktentitel sind nach chronologischer Entstehungszeit geordnet und erschlossen worden, wobei eine Trennung der Beamtentätigkeit und der parteiorientierten Tätigkeit vorgenommen wurde.
Der Bestand dokumentiert die Periode nach 1945 bis zum Tode Brills am 22. Juni 1959. Er enthält u.a. Auseinandersetzungen mit der sowjetischen Besatzungsmacht, den Zentralausschuß der SPD, Material über die SPD Thüringen, SPD Hessen, einen Korrespondenzkomplex mit dem Parteivorstand über die Themen Wahlrecht, Länderreform und Schulreform in Hessen, sowie Europafragen und Brills eigene publizistische Äußerungen. Formal handelt es sich um Berichte, hand- und maschinenschriftliche Aufzeichnungen, Korrespondenz, Protokolle, Manuskripte und Zeitungsausschnitte. Der Bestand umfaßt nach Erschließung 0,3 lfm Archivguts und weist 36 Signaturen auf.

  • Persönliche Unterlagen
  • Ministerpräsident des Landes Thüringen
  • Präsident der Thüringischen Landesverwaltungsgesellschaft
  • Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen der SPD
  • Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des hessischen Ministeriums
  • Mitglied des ersten Bundestages
  • Wissenschaftlicher Berater des hessischen Ministerpräsidenten
  • SPD Allgemein
  • Sozialdemokratische Hochschulgesellschaften
  • Eigene Publikationen

Hermann Brill im Online-KatalogBibliothek der FES