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Jakob Altmaier

Jakob Altmaier

Bestand: 0,35 lfd.m.
Laufzeit: 1926 - 1962

Lebensdaten: * 23.11.1889 † 8.2.1963

23.11.1889 in Flörsheim/Main geboren als Sohn des jüdischen Bäckermeisters Joseph Altmaier und seiner Frau Lina geb. Levi; 7 Geschwister. Mittlere Reife am Gymnasium in Höchst, Militärdienst als "Einjähriger", kaufmännische Lehre in Frankfurt. Volontariat und journalistische Tätigkeit bei der "Frankfurter Volksstimme" und der "Flörsheimer Zeitung"
1913 Eintritt in die SPD
1914 - 1917 Frontsoldat, schwer verwundet entlassen
1917 - 1921 Redakteur bei der "Frankfurter Volksstimme"
1919 Korrespondent des "Vorwärts" bei den Versailler Friedensverhandlungen
1921 - 1926 Korrespondent für mehrere sozialdemokratische und linksliberale Blätter in Berlin, u.a. "Manchester Guardian"
1926 - 1932 Auslandskorrespondent für den "Sozialdemokratischen Pressedienst" und den "Vorwärts" in Belgrad, Paris und London, dann wieder Berlin
1.4.1933 Emigration, Leben als Journalist, meistens in Paris, Aufenthalte als Korrespondent von "Manchester Guardian" und "Le Populaire" auf dem Balkan, vor allem in Belgrad. Deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt
1937 - 1938 Korrespondentenreisen ins republikanische Spanien für Berichte über den Bürgerkrieg
Anfang 1938 Mitarbeiter des Senders der "Deutschen Freiheitspartei" im Ärmelkanal
1940 Flucht vor den deutschen Truppen aus Paris und Belgrad nach Kairo
1941 - 1945 Experte für Balkanfragen beim britischen Hauptquartier für den Mittleren Osten
1946 - 1948 Korrespondent verschiedener Zeitungen (u.a. "Telegraf", Berlin) in Paris
1948 Rückkehr nach Deutschland, offizieller Wohnsitz in Flörsheim, aber zunächst weiterhin Arbeit in Paris
14.8.1949 Wahl in den Bundestag, Wahlkreis Hanau-Gelnhausen, MdB bis zum Tode 1963. Ordentliche Mitgliedschaften im Ausschuß für Berlin (1. Wahlperiode), für Presse-, Rundfunk- und Filmfragen (1. WP), für Kommunalpolitik (2. WP), für Wiedergutmachung (3. WP), für Entwicklungshilfe (4. WP), stellvertretende Mitgliedschaften im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten (1. - 3. WP), für Presse-, Rundfunk- und Filmfragen (2. WP) im Bundestag u.a. Einsatz für die Wiedergutmachung des nationalsozialistischen Unrechts
1950 - 1962 Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarats 10.9.1952 Teilnahme an der Unterzeichnung des Luxemburger Wiedergutmachungsabkommens zwischen der Bundesrepublik und Israel
12.1953 / 1.1954 Reise in die USA (New York, Chicago, Washington; u.a. Empfang bei Präsident Eisenhower). Weitere USA-Reisen 1959 und 1962
1954 Ehrenbürger von Flörsheim
1955 Reise nach Israel
1957 Mitglied der Versammlung der Westeuropäischen Union
4.1958 Mitglied der Bundestagsdelegation bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Staates Israel
8.2.1963 in Bonn gestorben

Jakob Altmaier gehört zu den relativ wenigen jüdischen Emigranten, die nach dem Ende der NS-Herrschaft nach Deutschland zurückkehrten und sich aktiv in der Politik des zweiten deutschen Anlaufs zu einer demokratischen Ordnung engagierten. Er tat dies, obwohl 29 seiner engeren und weiteren Verwandten, darunter auch Geschwister, in Theresienstadt, Auschwitz und den anderen Orten des Holocaust umgekommen waren. Im ersten deutschen Bundestag war er einer der beiden Abgeordneten jüdischer Herkunft (neben seinem Fraktionskollegen Blachstein) und der einzige, der sich auch zur jüdischen Glaubensgemeinschaft bekannte. In den Anfangsjahren der Bundesrepublik war er ein wichtiger Vermittler erster Kontakte zwischen der Bundesregierung und der Regierung des Staates Israel, die zuerst nur geheim stattfanden. Altmaier war einer der Väter des Luxemburger Wiedergutmachungsabkommens von 1952. Als Parlamentarier begleitete er die Gesetzgebung zur Ausführung dieses Abkommens ebenso wie die übrige Gesetzgebung zu Wiedergutmachung und Entschädigung für nationalsozialistisches Unrecht. Seine Kontakte in die USA, die aus seinem Engagement für die Wiedergutmachung entstanden, setzte er auf der anderen Seite für die Freigabe beschlagnahmten deutschen Eigentums ein.
Neben seiner politischen Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter vernachlässigte er seine publizistische Tätigkeit nie ganz, wovon sich auch im Nachlaß noch Zeugnisse finden.
Unverheiratet und durch den Tod seiner Familie einsam geworden, starb Jakob Altmaier an einem Freitagabend in seinem Büro im Bundestag.

Der an Umfang relativ kleine, aber an Informationsgehalt relativ reichhaltige Nachlaß von Jakob Altmaier (0,35 lfd.m., 15 Nummern) gelangte über den Parteivorstand der SPD ins Archiv der sozialen Demokratie. Die überlieferten Archivalien waren ungeordnet, ließen sich jedoch klar in Persönliche Unterlagen, Korrespondenz, Sachakten, Publikationen und Sammlungen gliedern. Die Persönlichen Unterlagen enthalten wichtige Hinweise zu den biographischen Daten sowie beispielhaftes Aktenmaterial über die Probleme eines ehemaligen Emigranten jüdischer Herkunft, angesichts der komplizierten Wiedergutmachungs- und Entschädigungsgesetzgebung zu seinem Recht zu kommen. Die Korrespondenz gibt Anhaltspunkte für die Abgeordnetentätigkeit Altmaiers und den Kreis seiner politischen und persönlichen Freunde. Eine besondere Mappe bildet die Korrespondenz mit dem ehemaligen amerikanischen General, republikanischen Politiker und Public-Relations-Berater Julius H. Klein, den Altmaier im Zusammenhang mit den Verhandlungen über das Wiedergutmachungsabkommen kennenlernte. In den Sachakten bilden die Unterlagen zur Entstehung des deutsch-israelischen Wiedergutmachungsabkommens, zur Wiedergutmachungs- und Entschädigungsfrage und zu den deutsch-israelischen Beziehungen allgemein das wichtigste Thema. Die überlieferten Manuskripte für Zeitschriftenaufsätze und Reden, soweit sie aufgrund der Verfasserangabe oder anderer Hinweise eindeutig Altmaier zuzuschreiben sind, stammen aus der Zeit ab 1948, befassen sich mit der Geburt des westdeutschen Staates und Wahlkampf, aber auch noch häufig mit Balkan- und Mittelostproblemen.

  • Persönliche Unterlagen
  • Korrespondenz
  • Sachakten
  • Publikationen Jakob Altmaier
  • Sammlungen

Jakob Altmaier im Online-KatalogBibliothek der FES