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FES / AdsD / Über das Archiv / Geschichte

Geschichte des AdsD

Geschichte

Archive sind als Aufbewahrungsorte historischer Dokumente nicht nur Werkstätten der Geschichtsschreibung, sie haben auch selbst eine Geschichte. Die Geschichte des alten Parteiarchivs der SPD, in dessen Nachfolge das Archiv der sozialen Demokratie gegründet wurde, reicht zurück bis ins 19. Jahrhundert.

Während des Verbots sozialdemokratischer Vereine und Zeitungen durch das Sozialistengesetz (1878-1890) war die SPD gezwungen, einen Teil ihrer politischen Arbeit von der Schweiz aus zu organisieren. Dort wurde 1882 auf der Züricher Parteikonferenz einstimmig die Gründung eines eigenen Archivs beschlossen. Hatte August Bebel schon 1878 im "Vorwärts" zur Gründung einer Parteibibliothek aufgerufen, so nahm jetzt im Schweizer Exil beides, Archiv und Bibliothek, erste Gestalt an. Hier wurden mit den Briefen und Unterlagen von Ferdinand Lassalle, dem Gründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), auch die ersten bedeutenden Archivalien aus der Geschichte der Arbeiterbewegung erworben. Von hier aus organisierte man aber auch so erfolgreich die illegale Verbreitung sozialdemokratischen Schrifttums im Deutschen Reich, daß auf Druck der deutschen Regierung die deutschen Sozialdemokraten 1888 des Landes verwiesen wurden. Es folgten weitere Jahre des Exils in London, wohin auch das Archiv, verpackt in 16 Kisten, verbracht wurde.

Nach dem Fall des Sozialistengesetzes dauerte es allerdings noch einige Jahre, bis alle Bestände des Archivs, zu denen mittlerweile auch die Nachlässe von Marx und Engels gehörten, in der Berliner Parteizentrale der SPD zusammengeführt werden konnten. Dort überstand das Archiv die Jahre des ersten Weltkrieges sowie -mehr oder weniger unbeschadet- auch die Auseinandersetzungen der Novemberrevolution 1918 und erlebte in der Weimarer Republik eine erste Blütezeit. Es wurde zu einer auch international renommierten Institution für die Erforschung von Theorie und Praxis der Arbeiterbewegung.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht an sich rissen, die SPD verboten und ihre Parteiorganisation zerschlagen wurde, konnte das Archiv nur mit knapper Not vor dem Zugriff der Nazis gerettet werden. Zur Finanzierung der politischen Arbeit in Widerstand und Emigration und um die Bestände endgültig zu sichern, entschloß sich der Vorstand der Exil-SPD (SOPADE) 1938 zum Verkauf der Archivalien an das Internationale Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam, wo sie auch heute noch aufbewahrt werden. Im AdsD stehen den Archivbenutzern große Teile dieser Bestände in verfilmter Form zur Verfügung.

Wenn auch in einzelnen Fällen durch besonderes Engagement Archivalien gesichert werden konnten, die zum Teil bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen, so bilden heute doch die Bestände und Findmittel aus der Zeit nach 1945 den eigentlichen Schwerpunkt innerhalb der Bestände des AdsD. Neben den Akten der zentralen Parteiinstitutionen hat sich das AdsD seit seiner Gründung auch um den Erwerb von SPD-Akten der regionalen Gliederungen bemüht sowie um die systematische Sicherung der Akten der SPD-Parlamentsfraktionen auf Landesebene, der SPD-Bundestagsfraktion und der Sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament. Mit der Eingliederung der Akten der 1989 gegründeten Sozialdemokratie in der DDR (SDP) und ihrer Vertretung in der Volkskammer hat das AdsD schon früh Konsequenzen aus der Vereinigung Deutschlands 1990 gezogen. Durch die Übernahme der Akten zahlreicher Einzelgewerkschaften, insbesondere der Integration des DGB-Archivs im Frühjahr 1995 erfuhren auch die langjährigen Bestrebungen zur Erschließung und Sicherung von Akten aus der Gewerkschaftsbewegung eine eindrucksvolle Bestätigung. Die Anzahl der personenbezogenen Schriftgutbestände, Nachlässe und Deposita, ist mittlerweile auf über 1000 angewachsen.

Das Archiv der sozialen Demokratie hat sich somit in seiner nunmehr 40-jährigen Geschichte unter dem Dach der Friedrich-Ebert-Stiftung endgültig zu einer der führenden Institutionen zur Erforschung der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung sowie der Sozial- und Zeitgeschichte entwickelt.