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Digitalisierte Quellen aus dem AdsD

Spieker-Tagebücher

„Denksplitter und Formulierungsversuche“

Schon in jungen Jahren begann Wolfgang Spieker zu schreiben. Überliefert sind erste Aufzeichnungen über eine Italienreise der katholischen Jugendorganisation „Neudeutschland“ im damaligen „Heiligen Jahr“ 1950 sowie mehrere poetische Ver­suche und Darstellungen eigener Gemütszustände in Prosa. Einzelne dramatische Textskizzen (z.T. mit politischen Karikaturen) wurden nach eigenen Angaben von ihm selbst vernichtet.

Nach einigem Experimentieren fand Wolfgang Spieker schließlich eine Form, die seiner Idee, Betrachtungen aus vielfältigen Bereichen seines Lebens spontan nieder­schreiben zu können, entsprach: Im Herbst 1959 entdeckte er die Aphoristik als ge­eignete Ausdrucksform für seine persönlichen Gedanken und begann, sie unter dem Titel „Denksplitter und Formulierungsversuche“ in Tagebüchern festzuhalten.

Dieser Form der handschriftlichen Aufzeichnungen blieb Wolfgang Spieker treu und führte sie lebenslang fort. Über die Jahre hinweg entstanden so 65 Bände mit insgesamt 10.418 Kurztexten aus fast fünf Jahrzehnten. Die letzten Einträge aus seiner Feder stammen vom 29. August 2009 – dem Tag vor seinem unerwarteten Tode.

Seine Texte berühren Alltägliches, Philosophisches, Gesellschaftskritisches und Politisches genauso wie das Thema Sport und später zunehmend auch Eindrücke von seinen In- und Auslandsreisen. Sie spiegeln die Entwicklung und Reifung seiner Persönlichkeit über ein halbes Jahrhundert, ebenso wie die Lebenswirklichkeit in der Bundesrepublik Deutschland dieser Jahre, mit immer neuen Facetten.

Schon zu Lebzeiten äußerte Wolfgang Spieker den Wunsch, „Denksplitter und Formulierungsversuche“ posthum dem Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) der Friedrich-Ebert-Stiftung zu hinterlassen, dem er 1982 die Akten und Unterlagen aus seiner gewerkschaftspolitischen Tätigkeit in Form eines Depositums anvertraut hatte. Gleichzeitig hatte er lange danach gestrebt, seine aphoristischen Texte dauerhaft einem größerem Leserkreis zugänglich zu machen.

Deshalb stellt die Friedrich-Ebert-Stiftung nun mit Unterstützung der Familie das textliche Vermächtnis Wolfgang Spiekers in digitalisierter Form für Interessierte zur Verfügung. Eine gedruckte Auflage ausgewählter Texte ist in Vorbereitung.