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Einzelstücke

Portrait des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert als Holzintarsie

Holzintarsie von Friedrich EbertZu den Beständen des AdsD gehört auch dreidimensionales Sammlungsgut wie dieses Partrait des Reichspräsidenten Friedrich Eberts. Dieses 27 cm. x 37 cm. große Werk stellt eine Besonderheit dar, weil es kein Gemälde oder eine Zeichnung, sondern eine Holzintarsie ist. Eine Holzintarsie ist eine Gestaltungsweise, in der verschiedene Holzfurniere (dünne Holztafeln) auf eine ebene Fläche geleimt werden. Die Arbeit ähnelt in etwa der des Mosaiks, doch werden die einzelnen Furniere so akkurat geschnitten, dass keinerlei Raum zwischen den einzelnen Holzfurnieren bleibt. Wie bei einem Mosaik treten die unterschiedlichen Farben ausschließlich durch die Wahl der eingelegten Stücke auf. Bei den Holzintarsien dient als Farbgebung lediglich die natürliche Farbe der unterschiedlichen Holzarten. Nach den Einlegearbeiten wird die Oberfläche geschliffen und versiegelt, wodurch sie als Einheit ohne tastbare Unterschiede der Holzarten erscheint. Üblicherweise begegnen uns die Holzintarsien bei Möbelstücken wie Tischen, Schränken, Truhen usw. Häufig weisen die so veredelten Möbel geometrische Muster als Gliederung einer Fläche auf. Auch Blumen und architektonische Darstellungen sind nicht selten zu finden. Eine Intarsie aber, die, vom Möbelstück losgelöst als eigenständiges Kunstwerk zu begreifen ist, tritt deutlich seltener in Erscheinung - besonders, wenn die Vorlage der Arbeit eine Photographie oder ein Gemälde zu sein scheint. Warum aber nicht Gemälde sondern Intarsie? Üblicherweise liegt der große Vorteil der Intarsie in der Abstraktion der Darstellung - eine Abstraktion, die dem Holz durch seine Maserung und seine natürliche Farbe zu eigen ist. Diese Abstraktion liegt auch der Darstellung Friedrich Eberts zugrunde, da der Künstler als Hintergrund eine Furnierplatte gewählt hatte, die lediglich durch die Maserung des Holzes eine Gliederung erfährt. Hierdurch ist jede illusionistische Raumdarstellung unterbunden. Auch die Darstellung der Kleidung ist abstrahiert, wenngleich mehrere Holzarten verwendet wurden und durch vertiefte Schnitte in das Holz einzelne Körperpartien auszumachen sind. Die Gliederung des Gesichtes wirkt dagegen durch eine besondere Verwendung mehrerer Holzarten beinahe plastisch und in seiner naturalistischen Gestaltung fast wie die direkte Übernahme von einer Fotografie. Diese Verschmelzung von abstrakter und naturalistischer Gestaltungsweise macht den besondern Reiz dieses Werkes aus.

So ungewöhnlich wie diese Darstellung Friedrich Eberts, so wechselhaft ist die Geschichte des Werkes. Es stammt aus dem Besitz von Elise und Friedrich Klöppinger. Geschaffen hat dieses Werk vermutlich Hermann Eiermann, der Bruder von Elise Klöppinger. Als Schreiner gehörte die Intarsienkunst zu seinem Handwerk, so dass er um 1928 dieses Portrait seinem Schwager, dem SPD-Mitglied Friedrich Klöppinger schenkte. Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft wurde diese Werk auf dem Dachboden des Einfamilienhauses der Familie Klöppinger in Pfungstadt versteckt. Bei Umbaumaßnahmen durch die Tochter Irma, die später das Elternhaus mit ihrem Ehemann Ludwig Steinmetz bewohnte, wurde das verschollen geglaubte Portrait 1970 wiederentdeckt.

Friedrich Ebert, Reichstagsabgeordneter und Parteivorsitzender der SPD eröffnete am 6. Februar 1919 als Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten die Nationalversammlung, die nach den ersten tatsächlich demokratischen Wahlen im Deutschen Reich zusammentrat. Am 11. Februar 1919 wurde er zum Reichspräsidenten gewählt und übte dieses Amt bis zu seinem Tode am 28. Februar 1925 aus.

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