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Historische Wanderausstellungen

Kurt Schumacher und die Wiedergeburt einer demokratischen Partei

1933 bezeichnete eine nationalsozialistische Zeitung Dr. Kurt Schumacher anlässlich seiner Verhaftung als einen „der schamlosesten sozialdemokratischen Hetzer ganz Deutschlands". Nach Schumachers Tod sagte Walter Dirks im Südwestfunk: „Kurt Schumacher war der eine der beiden führenden Männer der deutschen Nachkriegspolitik - ein Mann von einer bedeutenden politischen Kraft, wie er dem deutschen Volk nicht oft geschenkt wird. (...) Schumacher hatte keinen privaten Ehrgeiz, wohl aber einen außerordentlichen politischen Willen, der völlig untrennbar von der Aufgabe war, der er sich verschrieben hatte. Er sah sich berufen, als demokratischer Repräsentant an der Spitze der Partei, die er als die eigentliche deutsche soziale und nationale Grundkraft des deutschen Volkes betrachtete, diesem Volk den richtigen Weg aus der Niederlage und aus vielfacher Unfreiheit heraus in eine freie und glücklichere Zukunft zu bahnen."

Als geradezu charismatischer Parteiführer hat Schumacher den Aufbau und die Politik der Nachkriegs-SPD entscheidend beeinflusst und gestaltet. Obwohl als Gegenspieler Adenauers unterlegen, hat er in, der Geschichte der jungen Bundesrepublik eine erhebliche Rolle gespielt.

Das Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung unternahm hier zum ersten Mal den Versuch, in einer Ausstellung das Leben Kurt Schumachers (1895 -1952), des ersten Vorsitzenden der Nachkriegs-SPD, und die ersten beiden „Gründerjahre" (1945 - 1947) der von ihm geführten Partei darzustellen.

Als Ausstellungsträger bot sich das Archiv der sozialen Demokratie (AdsD) geradezu an: es besitzt große Bestände zur frühen Nachkriegsgeschichte der Sozialdemokratischen Partei (darunter den sogenannten Schumacher-Bestand) sowie zur allgemeinen Zeitgeschichte. So konnten fast alle Exponate dem AdsD entnommen werden.

Die Ausstellung bestand aus einem „herkömmlichen" Teil, in dem die Darstellung in gewohnter Weise durch Fotos, Briefe, Urkunden, Plakate, Flugblätter u.ä. erfolgt. In einem anderen Teil wurden - auch hier für das AdsD zum ersten Mal - neue Medienmöglichkeiten eingesetzt. Ausschnitte aus Filmen wurden auf ein Videoband übertragen. Sie zeigten zum einen Kurt Schumacher, zum anderen Film-Dokumente aus der Geschichte der SPD und Deutschlands in dem entsprechenden Zeitraum. Ähnliches galt für die dem Besucher zur Verfügung gestandenen Tonbandaufzeichnungen. Schließlich wurde in einer Diaschau versucht, einen Eindruck vom „Leben in Deutschland 1945 - 1948" zu vermitteln, wobei nicht auf unpolitische Dokumente verzichtet wurde. Die ihn interessierenden Film- und Tonbandaufzeichnungen oder Dias, die jeweils in einem Verzeichnis beschrieben sind, konnte der Ausstellungsbesucher per Knopfdruck abrufen.

Insgesamt wurden 195 Fotos, 37 Plakate bzw. Flugblätter, 54 Briefe/Manuskripte, 38 Zeitungen/Zeitungsausschnitte, 20 Bücher (bzw. Ausschnitte daraus), 70 Dias, 11 Tonbandaufzeichnungen, 25 Filmteile (auf Video) sowie Fahnen, Anstecknadeln usw. gezeigt.

Da die Zahl der Ausstellungsstücke von vornherein begrenzt war, konnten nur einige Personen, Ereignisse und Orte, die im Leben Schumachers und in der frühen Nachkriegsgeschichte der Sozialdemokratie eine Rolle spielten, in den Exponaten vorgestellt werden.

Da ferner die Anzahl der optisch und akustisch wirkenden Exponate (Fotos, Film- und Tonbandaufzeichnungen u.ä.) die Zahl der reinen Textdokumente übersteigen sollte, war es nur punktuell möglich, auf die in erster Linie von Schumacher formulierte Politik der Nachkriegs-Sozialdemokratie einzugehen.

Auch die in der Ausstellung gezwungenermaßen knapp zu haltenden Beschreibungen der Exponate eigneten sich nicht dazu, Inhalte sozialdemokratischer Politik 1945 ff. zu „transportieren". Hier musste es ebenfalls bei punktuellen Hinweisen bleiben. Eine Ausstellung kann nicht einmal annähernd Geschichtsschreibung ersetzen. Manches entzieht sich auch den Möglichkeiten einer Ausstellung.

Die geradezu tragisch anmutende Enttäuschung Schumachers darüber, dass seine und der SPD Politik, die sich gleichermaßen gegen den Kommunismus wie gegen die Restauration gesellschaftlicher Verhältnisse der Weimarer Republik wandte, von der Mehrheit der deutschen Wähler bei den ersten Bundestagswahlen nicht angenommen wurde, wie etwa kann das anhand von Exponaten dargestellt werden? Wenn diese Ausstellung die Erinnerung an einen großen sozialdemokratischen und - im besten Sinne des Wortes - patriotischen Politiker, der auch aus der Opposition heraus die Anfänge der zweiten deutschen Republik entscheidend mitgeprägt hat, wachrufen kann, so hat sie ihren Zweck erfüllt.