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Historische Wanderausstellungen

Chronik - Kurt Schumacher und die Wiedergeburt einer demokratischen Partei

Kurt Schumacher in Culm als Volksschüler, 1902
		© AdsD Klassenbild (Zweiter in der zweiten Reihe von Rechts) in der Volksschule in Culm, 1902
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13.10.1895: Kurt Schumacher wurde im ostpreußischen Culm geboren. Seine Eltern: Carl und Gertrude Schumacher. Der Vater, ein wohlhabender Kaufmann, steht politisch den Linksliberalen nah.

 

Kurt Schumacher im Lazarett, 1914
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August 1914: Kriegsausbruch. Schumacher meldet sich nach einem Notabitur als Kriegsfreiwilliger.

Dezember 1914: In einer Schlacht an der Ostfront wird Schumacher schwer verwundet und verliert den rechten Arm.

 

Kurt Schumacher als Student, 1915
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Dezember 1915: Nach mehreren Lazarettaufenthalten und nach Verleihung des Eisernen Kreuzes II wird er, aus dem Militärdienst entlassen. 1915 - 1919: Studium der Rechts-, Staats- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Halle, Leipzig und Berlin.

 

Januar 1918: Schumacher tritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ein.

Eröffnung der Reichskonferenz der Arbeiter- und Soldatenräte im Abgeordnetenhaus in Berlin, 1918
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November 1918: Revolution in Deutschland, Absetzung des Kaisers und Waffenstillstand. Schumacher ist Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats von Groß-Berlin.

 

Dezember 1920: Schumacher wird politischer Redakteur der „Schwäbischen Tagwacht“ in Stuttgart, des Zentralorgans der württembergischen SPD. 1920 hatte er bereits an der Universität in Münster (Westfalen) die mündliche Promotionsprüfung bestanden und eine erste Fassung seiner Dissertation vorgelegt.

SPD-Parteitag in Görlitz (Max Quarck; Heinrich Cunow; Hermann Molkenbuhr; Paul Löbe; Antonie Pfülf; Eduard Bernstein; Robert Schmidt; Else Höfs; Friedrich Stampfer; Marie Juchacz; Eduard David; Wilhelm Keil; Max Seydewitz; Albert Pflüger; Wilhelm Sollmann), 1921
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September 1921: An dem SPD-Parteitag in Görlitz nimmt er als Delegierter der SPD Stuttgart teil.

 

Bundesfahne Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold
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Februar 1925: Gründung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, eines Verbandes ehemaliger Kriegsteilnehmer, zur Verteidigung von Republik und Demokratie. Schumacher ist maßgeblich beteiligt und wird Vorsitzender des Reichsbanners Stuttgart.

 

SPD-MdL in Württemberg Kurt Schumacher, 1924
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1924 - 1931: Kurt Schumacher ist Abgeordneter des württembergischen Landtags und gehört seit 1928 dem Fraktionsvorstand an.

 

August 1926: Abschluss des Promotionsverfahrens bei Johann Plenge in Münster (Westfalen). Titel seiner Dissertation: „Der Kampf um den Staatsgedanken in der Deutschen Sozialdemokratie."

Jugend- und Parteisekretärstagung mit Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer und Emil Gross, 1930
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September 1930: Bei den Wahlen zum deutschen Reichstag wird Kurt Schumacher SPD-Abgeordneter (MdR). Bestürzendes Ergebnis dieser Reichstagswahl: die Mandatszahl der Nationalsozialisten steigt von 12 auf 107. Die NSDAP wird damit zur zweitstärksten Partei im Reichstag. 1929/1930 war Schumacher faktisch der erste Repräsentant der Stuttgarter Sozialdemokratie geworden.

 

23.2.1932: Schumachers einzige Rede im Reichstagsplenum. Joseph Goebbels hatte im Reichstag die SPD als „Partei der Deserteure" beschimpft. Schumacher antwortet: „Die ganze nationalsozialistische Agitation ist ein dauernder Appell an den inneren Schweinehund im Menschen. Wenn wir irgend etwas beim Nationalsozialismus anerkennen, dann ist es die Tatsache, dass ihm zum erstenmal in der deutschen Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist." Und: „Abschließend sage ich den Herren Nationalsozialisten: Sie können tun und lassen, was Sie wollen, an den Grad unserer Verachtung werden Sie niemals heranreichen." Nicht zuletzt wegen dieser Rede, die in der SPD-Fraktion große Bewunderung erregt, zieht Schumacher den Hass der Nationalsozialisten auf sich.

30.1.1933: Schumacher erlebt in Berlin, dass Hitler an diesem Tag vom Reichspräsidenten Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wird. Auf einer Massenveranstaltung am 1.2.1933 erklärt Schumacher: „In der Stunde der Gefahr wenden wir uns auch an die kommunistischen Arbeiter, denn nicht Bruderkampf, sondern Klassenkampf tut Not. Heute müssen auch die verbittertsten Anhänger der KPD begriffen haben, daß die sonst so bespöttelte Freiheit, daß die Demokratie und die sozialen Errungenschaften verteidigt werden müssen." Und: „Wenn die Gegenrevolution zu ihrem großen Staatsstreich ausholt, dann müssen wir mit dem gewaltigen Gegenschlag antworten."

5.3.1933: Bei den letzten relativ freien Reichstagswahlen wird die NSDAP klarer Wahlsieger und kann im Vergleich zur letzten Wahl 6 Millionen Stimmen hinzugewinnen. Die SPD erhält über 7 Millionen - trotz der Wahlbehinderungen durch die Nationalsozialisten und trotz des Terrors gegen sozialdemokratische Funktionäre. Schumacher wird wiederum Reichstagsabgeordneter.

23.3.1933: Der Reichstag (die gewählten KPD-Abgeordneten dürfen ihr Mandat nicht mehr ausüben) stimmt über das sogenannte Ermächtigungsgesetz („Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich") ab. Damit soll die Reichsregierung das Recht erhalten, Gesetze, die von der Reichsverfassung abweichen, ohne Zustimmung des Reichstages zu erlassen. Bis auf die SPD stimmen alle im Reichstag vertretenen Parteien dem Ermächtigungsgesetz zu. Der sozialdemokratische Parteivorsitzende Otto Wels erklärt in seiner Rede, die die Ablehnung begründet: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht. Nach den Verfolgungen, die die Sozialdemokratische Partei in der letzten Zeit erfahren hat, wird billigerweise niemand von ihr verlangen oder erwarten können, daß sie für das hier eingebrachte Ermächtigungsgesetz stimmt. Noch niemals, seit es einen Deutschen Reichstag gibt, ist die Kontrolle der öffentlichen Angelegenheiten in solchem Maße ausgeschaltet worden, wie es jetzt geschieht und wie es durch das neue Ermächtigungsgesetz geschehen soll." Schumacher war an der Ausarbeitung dieser Rede von Wels beteiligt. Er erwartet die Illegalisierung seiner Partei und taucht unter.

22.6.1933: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands wird verboten.

Abschrift des Funkspruches zur Festnahme von Kurt Schumacher, 1933
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6.7.1933: Schumacher wird in Berlin verhaftet. Ein Stuttgarter NSDAP-Blatt schreibt: „Mit Dr. Schumacher ist einer der schamlosesten sozialdemokratischen Hetzer ganz Deutschlands unschädlich gemacht worden. (...) Wir sprechen nur den Wunsch der breiten Öffentlichkeit aus, wenn wir den Fall Schumacher der politischen Polizei einer Sonderbehandlung empfehlen, denn was dieser Parteigenosse auf dem Kerbholz hat, übersteigt die Grenzen alles Erträglichen."

 

Erkennungsfoto des KZ-Dachau, 1936
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1933 - 1943: Nach Gefängnisaufenthalten in Berlin und Stuttgart kommt Schumacher in das Konzentrationslager Heuberg (Württemberg), wo er bis Dezember 1933 verbleibt. Weiterer „Aufenthalt": 1 1/2 Jahre im KZ Kuhberg (bei Ulm). Im Juni 1935 wird er in das KZ Dachau verlegt. Schumacher-Biograph Heinrich Ritzel: „In Dachau wurde der geschwächte Kriegsinvalide einem der üblichen Arbeitskommandos zugeteilt. Tag um Tag mußte er schwere Steine einen Hügel hinauf- und dann wieder heruntertragen. Diese sinnlose, schikanöse Arbeit fiel dem Einarmigen besonders schwer und erbitterte ihn. Er verweigerte die Arbeit und trat in Hungerstreik. Von seinen Schicksalsgefährten streng abgesondert, allen erdenklichen Schikanen unterworfen, blieb er nach 28 Tagen Sieger in dem ungleichen Kampf. Die Lagerleitung befürchtete, daß sein Tod draußen in der Welt und selbst in Deutschland Schwierigkeiten auslösen könne. Schumacher wurde zwar vom Steinetragen befreit, hatte sich aber ein schweres Magenleiden zugezogen und kam in Krankenbehandlung." Versuchen kommunistischer Häftlinge, ihn für eine Einheitsfront KPD und SPD zu gewinnen, stand er ablehnend gegenüber.

 

1937: Marie Fiechtel, mit der Schumacher seit 1925 eng befreundet war und die bis 1933 am Stuttgarter Rundfunk gearbeitet hatte, richtet aus der Emigration in den USA ein Gesuch an Hitler, ihren Verlobten aus dem KZ Dachau zu entlassen. Das Gesuch wird im August 1937 abgelehnt.

16.3.1943: Entlassung als Schwerkranker aus dem KZ Dachau, obwohl er es abgelehnt hatte, eine Verzichtserklärung auf weitere Tätigkeit gegen das Regime abzulegen. Zwangsaufenthalt in Hannover, wo eine Schwester Schumachers lebte. Er musste sich in der Folgezeit regelmäßig bei der Polizei melden und arbeitete als Buchhalter in einer Leimfabrik, bei der er bis Kriegsende beschäftigt war.

24.8. - 20.9.1944: Schumacher erneut in einem KZ (Neuengamme). Der KZ-Aufenthalt steht im Zusammenhang mit den zahlreichen Verhaftungsaktionen gegen Oppositionelle, die nach dem 20. Juli (Attentat auf Hitler) durchgeführt wurden.

10.4.1945: Hannover wird von amerikanischen Truppen befreit.

Büro Kurt Schumacher in Hannover, Jacobstraße 10
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April 1945: Der Ortsverein Hannover der Sozialdemokratischen Partei wird wieder gegründet. Die formelle Genehmigung durch die britische Besatzungsmacht erfolgt erst im Dezember. Vorsitzender des Hannoveraner SPD-Ortsvereins wird Kurt Schumacher. Schon vor der deutschen Kapitulation (8. Mai 1945) hat Schumacher mit dem Wiederaufbau der SPD begonnen.

Mai 1945: Das „Büro Dr. Schumacher" in Hannover wird zur inoffiziellen Parteizentrale der SPD.

 

6. Mai 1945: Programmatische Rede Schumachers vor Funktionären der Sozialdemokratischen Partei in Hannover. (Titel der Rede: „Wir verzweifeln nicht"). Für den Nationalsozialismus macht er den deutschen Imperialismus sowie das Bündnis der Schwerindustrie mit dem Militarismus und der Reaktion verantwortlich. Er warnt vor einer Parteienzersplitterung wie in der Weimarer Republik. Nur solche Parteien dürften zugelassen werden, die aus Überzeugung eine demokratische Regierungsform wünschten. Die Wünsche nach einer Einheitspartei von Kommunisten und Sozialdemokraten bezeichnet er nach den Erfahrungen von 1933 als sehr verständlich, hält sie aber unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht für erfüllbar. Die Kommunisten seien „fest an eine einzige der großen Siegermächte und damit an Rußland als Staat und an seine außenpolitischen Ziele" gebunden. Er fordert dagegen eine einheitliche Partei für alle demokratischen Sozialisten, das heißt den Zusammenschluss von SPD und anderen sozialistischen Gruppierungen, die sich in den Jahren davor von der SPD abgespaltet hatten. Er fordert weiterhin die Bildung eines Mehrparteienstaates, in dem die SPD jedoch auf allen Ebenen der Verwaltung und der Politik die Führungsposition beanspruchen könne, da sie als einzige Partei „an der durch den Ablauf der Ereignisse als richtig erwiesenen Linie von Demokratie und Frieden unverrückbar" festgehalten habe.

10.6.1945: Zulassung der Parteien durch die sowjetische Militärregierung in ihrem Besatzungsgebiet. Mitte Juni 1945 konstituiert sich in Berlin ein Zentralausschuss der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Vorsitzende: Max Fechner, Otto Grotewohl und Erich Gniffke). Der Zentralausschuss erhebt hinsichtlich der SPD einen gesamtdeutschen Führungsanspruch und strebt eine enge Zusammenarbeit mit der KPD an.

Juli/August 1945: Schumacher lässt sich von verschiedenen Bezirks- und Landesorganisationen der SPD durch ein schriftliches Mandat mit der „politischen und organisatorischen Führung der Partei im gesamten Reich" beauftragen. Der Konflikt zwischen der Ost- und West-SPD ist nicht zu übersehen. Auch ohne offizielle Genehmigungen der Besatzungsmächte sind überall in den westlichen Zonen SPD-Organisationen entstanden.

Otto Grotewohl, 1946
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5. und 6.10.1945: Erste und (bisher) letzte SPD-Reichskonferenz der Nachkriegszeit in Wennigsen und Hannover. Eine Delegation der Ostzonen-SPD (unter anderem Grotewohl) nimmt an der Konferenz teil. Schumacher führt unter anderem in seinem von der Konferenz gebilligten Grundsatzreferat aus, man könne nicht da wieder anfangen, wo man 1933 aufgehört habe. Das theoretische Rüstzeug und die politischen Methoden der Partei müssen überprüft werden. Die Klasse der Industriearbeiter bleibe die Hausmacht der SPD. Entscheidende Erfolge seien aber nur dann zu erzielen, wenn die mittelständischen Massen gewonnen werden können. Die Hoffnung der Kommunistischen Partei, sich als führende Arbeiterpartei etablieren zu können, sei von den Tatsachen völlig unmöglich gemacht, so dass sie nach einem großen Blutspender suchen müsse. Das Rezept sei die Einheitspartei, die einen Versuch darstellt, der sozialdemokratischen Partei eine kommunistische Führung aufzuzwingen. Die Frage einer organisatorischen Einigung mit der KPD stehe für die Sozialdemokraten in allen Teilen Deutschlands zur Zeit nicht zur Diskussion. Eine Aussprache Kurt Schumachers mit Otto Grotewohl ergibt: bis zur Verwirklichung der Reichseinheit und damit der Parteieinheit wird der Zentralausschuss in Berlin als Führung der Sozialdemokratischen Partei in der östlichen Besatzungszone angesehen. Der politische Beauftragte der SPD in den drei westlichen Besatzungszonen ist Schumacher.

 

November 1945 - April 1946: Schumacher und die SPD-West widersetzen sich dem Zusammenschluss von SPD und KPD, der am 20. und 21.4.1946 für die Ostzone vollzogen wird. Schumacher hat in der Folgezeit mit seiner Voraussage recht: die zunächst angekündigte innerparteiliche Parität von Sozialdemokraten und Kommunisten in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) wird bald aufgegeben. Die wichtigsten Funktionen der SED werden von den Kommunisten besetzt. Allerdings: Schumachers harte Verurteilung der führenden Sozialdemokraten in der Ostzone mag im Nachhinein ungerecht und überzogen wirken, da sie nicht den ungeheuren Druck berücksichtigt, dem diese Sozialdemokraten von der russischen Besatzungsmacht und der von ihnen unterstützten Kommunisten ausgesetzt waren.

31.3.1946: Bei einer Urabstimmung unter Berliner Sozialdemokraten (im Sowjetsektor der Stadt durfte die Abstimmung nicht durchgeführt werden) sprachen sich 82,2 % gegen den Zusammenschluss von KPD und SPD aus.

26. - 28.4.1946: Auf der ersten zentralen sozialdemokratischen Jugendtagung in Nürnberg wird die Jugendorganisation „Die Falken" gegründet.

SPD-Parteitag in Hannover, Mitglieder des SPD-Parteivorstandes Fritz Heine und Franz Neumann und SPD-Vorsitzender Kurt Schumacher, 1946
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9. - 11.5.1946: Erster Nachkriegsparteitag der SPD (West) in Hannover. Schumacher wird zum 1. Vorsitzenden seiner Partei gewählt. Sein Stellvertreter: Erich Ollenhauer, der unter anderem mit Fritz Heine aus dem Londoner Exil nach Deutschland zurückgekehrt war. Zum engeren Parteivorstand gehören weiterhin: Alfred Nau und Herbert Kriedemann. In einer einstimmig verabschiedeten „Kundgebung" heißt es: „Die SPD erkennt die Pflicht zur Wiedergutmachung im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeit des deutschen Volkes an. Sie ist für die Bestrafung der Schuldigen und Kriegsverbrecher. Sie erstrebt die Eingliederung des neuen Deutschland in die neue internationale Ordnung der Völker. Die SPD erhebt den Anspruch auf die Erhaltung Deutschlands als eines nationalen, staatlichen und wirtschaftlichen Ganzen." Der Parteitag verurteilt schließlich die Vereinigung in der Ostzone als Auslieferung der SPD an die KPD.

 

1945 - 1946: Schumacher wendet sich gegen die alliierten Siegermächte, die Teile des ehemaligen Deutschen Reiches verselbständigen (Saarland, Ruhrgebiet) oder anderen Staaten zuschlagen wollen.

25.9.1946: Vorstand und Parteiausschuss der SPD verabschieden in Köln eine von Schumacher eingebrachte Resolution, in der es unter anderem heißt: „Die Macht in dem zertrümmerten Deutschland wird heute von der Militärregierung ausgeübt. In keiner der Zonen gibt es eine echte Demokratie. In der östlichen Besatzungszone fehlt sogar die staatsbürgerliche Gleichberechtigung und das Recht der freien Meinungsäußerung. In Politik, Wirtschaft und Verwaltung herrschen wieder die gleichen Kräfte, die uns zu den heutigen Zuständen geführt haben." Die eben da vorgeschlagene Sozialisierung der Grundstoff-Industrien unter anderem und die propagierte durchgreifende Agrarreform stoßen auf den Widerstand der westlichen Besatzungsmächte.

September 1946: Die SPD hat 633.000 Mitglieder in 7.500 Ortsvereinen.

1946 - 1947: Die Landtagswahlen in den westlichen Besatzungszonen haben für die SPD nicht den von Schumacher erwünschten Erfolg, auch wenn sie insgesamt mehr Landtagssitze (mit Einschluss von Berlin) gewinnen konnte als die CDU/CSU.

9.4.1947: Schumacher wird vorübergehend in der französischen Zone mit Redeverbot belegt, wegen Kritik an den Maßnahmen der Besatzungsbehörden.

6. - 8. Juni 1947: Eine internationale Sozialistenkonferenz lehnt trotz Anwesenheit des Antifaschisten Schumacher die Aufnahme der SPD in eine Vorläuferorganisation der Sozialistischen Internationale ab. An der zur Aufnahme nötigen Zweidrittelmehrheit fehlte eine Stimme. Schon direkt nach Kriegsende hatte Schumacher damit begonnen, Kontakte zu den anderen Sozialdemokraten und sozialistischen Parteien Europas aufzunehmen.

SPD-Parteitag in Nürnberg, Erich Ollenhauer, Friedrich Stampfer, Fritz Heine, Kurt Schumacher, 1947
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29.6. - 2.7.1947: SPD-Parteitag in Nürnberg, der Kurt Schumacher wiederum zum Vorsitzenden und Erich Ollenhauer zum stellvertretenden Vorsitzenden der Partei wählt.

 

Sommer 1947: Bei der Wahl der fünf Direktoren im Frankfurter Wirtschaftsrat (einem Quasi-Parlament der amerikanischen und britischen Zone) kann die SPD nicht durchsetzen, dass ihr der wichtigste Posten, der des Direktors für Wirtschaftsfragen, übertragen wird. Schumacher-Biograph Albrecht: „Die SPD übernahm auf überzonaler Ebene die Rolle der Opposition, die erst 1966 enden sollte."

28.11. - 1.12.1947: Die Internationale Sozialistenkonferenz in Antwerpen stimmt für die Zulassung der SPD.

Dezember 1947: Kurt Schumacher spricht auf einer Skandinavienreise in Stockholm, an der Universität Oslo und als erster Deutscher nach dem Krieg im dänischen Rundfunk.

März 1948: Schumacher erkrankt schwer. Ende September muss dem Kriegsteilnehmer von 1914, der einen Arm verloren hatte, auch noch ein Bein amputiert werden. Spätfolgen der KZ-Haft. Ein Jahr lang kann Schumacher nur vom Krankenhaus bzw. von seiner Wohnung aus versuchen, in das politische Geschehen durch Presseerklärungen und Korrespondenz mit Freunden und Mitarbeitern einzugreifen.

SPD-Parteitag in Düsseldorf, Fritz Henssler und Kurt Schumacher
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11. - 14.9.1948: Parteitag der SPD in Düsseldorf. Das Hauptreferat Schumachers („Die Sozialdemokratie im Kampf für Freiheit und Sozialismus") muss von einem anderen verlesen werden. Aus dem Referat Schumachers: „Unter der Fahne der freien Wirtschaft ist die Anarchie der Beutemacher etabliert worden. Die deutschen Arbeiter sind unter den großen Völkern des europäischen Kontinents die einzigen gewesen, die die Neigung zum Faschismus nicht durch eine Neigung zum Kommunismus gelöst haben. Wenn aber die Vereinigung des Unverständnisses der Siegermächte mit der hemmungslosen Verdienerwut der deutschen Unternehmer soziale Erfolge der deutschen Sozialdemokratie unmöglich macht oder doch hinauszögert, dann kommen Chancen für den Kommunismus oder eine Form des Neofaschismus.“ Nach Auffassung des Parteitages hatte die im Frühsommer 1948 durchgeführte Währungsreform die ungleiche Verteilung der Armut auf die einzelnen Volksschichten noch verschärft. Schumacher kritisierte die Währungsreform, weil sie nicht mit einem Lastenausgleich verbunden worden war und die Sachwertbesitzer völlig ungeschoren gelassen hat.

 

20.4.1949: Schumacher und die Führungsgremien der SPD beeinflussen mit einem „Nein" zu den Forderungen der West-Alliierten zur Verfassungsänderung die Struktur des Grundgesetzes. Die Forderungen der Alliierten liefen auf die Gründung eines westdeutschen Staatenbundes heraus. Die SPD verlangt dagegen die Gründung eines Bundesstaates und kritisiert die „weitgehende Identität der Auffassung der Führungsschicht der CDU/CSU und der Besatzungsmächte über den Aufbau eines deutschen Staatswesens".

Tagung des Parlamentarischen Rates in Bonn, 1949
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8.5.1949: Die Alliierten haben nachgegeben. Der Parlamentarische Rat nimmt das Grundgesetz an. Am Zustandekommen dieser Verfassung haben die Sozialdemokraten entscheidenden Anteil. Schumacher kann nach seiner schweren Krankheit auf dem Hamburger Landesparteitag der SPD an diesem Tag seine erste Rede halten.

 

Kurt Schumacher bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl, 1949
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14.8.1949: Bei den Wahlen zum ersten Deutschen Bundestag entfallen unter anderem auf die CDU/CSU 139, die SPD 131, die FDP 52 und die KPD 17 Mandate. Die sogenannte bürgerlichen Parteien haben die Mehrheit errungen. Ein enttäuschender Wahlausgang für die Sozialdemokraten. Schumacher hatte erwartet, dass die SPD zumindest stärkste Partei werden würde.

 

29./30.8.1949: Der Parteivorstand der SPD beschließt in Bad Dürkheim die „Richtlinien der Politik der SPD im Bundestag“. Die „Richtlinien“ verhindern – dem Wunsch Schumachers entsprechend – das Zustandekommen einer großen Koalition.

1. Sitzung des Deutschen Bundestages, Kurt Schumacher und Franz Neumann
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12.9.1949: Theodor Heuß (FDP) wird von der Bundesversammlung gegen die Kandidatur Schumachers zum Bundespräsidenten gewählt.

15.9.1949: Der Bundestag wählt mit einer Stimme Mehrheit Konrad Adenauer (CDU) zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Die sozialdemokratische Bundestagsfraktion (deren erster Vorsitzender Kurt Schumacher am 6.9. geworden war) stimmt gegen Adenauer. Die erste Bundesregierung besteht aus Mitgliedern der CDU/CSU, FDP und DP.

 

21.9.1949: Schumacher entwickelt in seiner Entgegnung auf die erste Regierungserklärung Adenauers das „Programm der Opposition". Opposition dürfe sich nicht in der bloßen Verneinung der Regierungsvorschläge erschöpfen, sondern müsse dauernd versuchen, an konkreten Tatbeständen mit konkreten Vorschlägen der Regierung den positiven Gestaltungswillen der Opposition aufzuzwingen. „Wir haben heute einen Staat, den wir Sozialdemokraten als einen Staat der überwiegenden sozialen Restauration ansehen. Demgegenüber haben wir unseren positiven sozialdemokratischen Gestaltungswillen auf allen Gebieten der Politik zu setzen."

1949 - 1952: Die ersten Regierungsjahre Adenauers stehen im Zeichen der harten politischen Auseinandersetzung mit seinem Gegner im Bundestag, Kurt Schumacher, der eine „konstruktive Opposition" vertritt. Die Funktionsverteilung zwischen Konservativen und Sozialdemokraten (Regierung und Opposition) sollte 17 Jahre lang andauern. Die wichtigsten Streitfragen sind bis zum Tode Schumachers die politische und wirtschaftliche Eingliederung der Bundesrepublik in das kleine Europa der Sechs, die Stellung innerhalb Europas und die militärische Aufrüstung. Schumacher und die SPD kämpfen für die Wiedervereinigung Deutschlands als „Nahziel".

24./25.11.1949: In einer Nachtsitzung des Bundestages wird Schumacher so von Adenauer provoziert, dass er diesen in einem Zwischenruf als „Bundeskanzler der Alliierten" bezeichnet.

Hans Böckler auf dem Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in München, 1949
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13.10.1949: In München wird der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gegründet. Vorsitzender wird Hans Böckler. Aus der Satzung: „Der Bund ist demokratisch aufgebaut. Seine Unabhängigkeit gegenüber den Regierungen, Verwaltungen, Unternehmern, Konfessionen und politischen Parteien ist jederzeit zu wahren." Der Parteivorstand der SPD begrüßt die Gründung dieser Einheitsgewerkschaft. Die Gewerkschaften könnten versichert sein, dass sie in all ihren Kämpfen bei der SPD volle Unterstützung finden würden.

 

16.12.1949: Erich Ollenhauer erklärt dem Bundestag in Übereinstimmung mit Kurt Schumacher, die SPD lehne es ab, eine deutsche Wiederbewaffnung auch nur in Erwägung zu ziehen. Adenauer hatte angeboten, deutsche Truppen zur Verteidigung Westeuropas innerhalb einer westeuropäischen Armee bereitzustellen.

Ende 1949: Die SPD hat 736.218 Mitglieder in 9.123 Ortsvereinen.

1950/1951: Unter dem Gesichtspunkt der negativen Folgen für eine mögliche Wiedervereinigung lehnt die von Schumacher geführte SPD den Beitritt der Bundesrepublik zum Europarat und zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (später: Montan-Union) ab.

SPD-Parteitag in Hamburg, Kurt Schumacher, Max Brauer, Carlo Schmid, Alfred Nau, Fritz Heine und Franz Neumann
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21./25.5.1950: SPD-Parteitag in Hamburg. Kurt Schumacher und Erich Ollenhauer werden in ihre Ämter als Erster bzw. Stellvertretender Vorsitzender gewählt. Zum engeren Parteivorstand gehören: Alfred Nau, Fritz Heine, Herta Gotthelf und Egon Franke. Carlo Schmid hatte in seiner Rede auf dem Parteitag unter anderem erklärt: „Die Partei muß eine politische Partei sein, das heißt sie kann keine Ersatzkirche und keine Sekte sein wollen. Sie ist nichts anderes als der Zusammenschluß von Menschen, die sich entschieden haben, auf der Grundlage gemeinsamer Vorstellungen von der Würde des Menschen und gemeinsamer Einsichten in das, was um der Wahrung und Wiederherstellung der Würde des Menschen willen nottut, einiges Grundlegendes in den heutigen politischen, ökonomischen und sozialen Verhältnissen dieser Welt von der Wurzel aus zu verändern. Aus welchen Gründen der einzelne die Entscheidung getroffen hat, zu unserer Partei zu stoßen„ ist gleichgültig."

 

Februar 1951: Schumacher lehnt im Namen der SPD eine Neutralisierung der Bundesrepublik eindeutig ab.

4.6.1951: Der Sitz des Parteivorstandes der SPD wird von Hannover nach Bonn verlegt.

Erster SI-Kongreß in Frankfurt/M. vom 30.6.1951 - 3.7.1951
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30.6. - 3.7.1951: Die Internationale Sozialistische Konferenz beschließt auf einem Kongress in Frankfurt a.M., durch Namensänderung die Sozialistische Internationale (SI) wiederzugründen. Schumacher ist einer der Hauptredner.

 

26.11.1951: Schumacher erklärt, die SPD werde gegen einen Wehrgesetzentwurf Klage beim Bundesverfassungsgericht erheben.

21.12.1951: Schumacher erkrankt schwer an einem Kreislaufkollaps. Wieder muss er monatelang versuchen, vom Krankenbett her in das politische Geschehen einzugreifen.

31.12.1951: Die SPD hat 649 529 Mitglieder in 5 280 Ortsvereinen.

10.3.1952: Die Sowjetunion schlägt den Westmächten den Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland vor. Die sogenannte Stalin-Note (,später von den Westmächten unter Einflussnahme Konrad Adenauers abgelehnt) sieht die Wiederherstellung eines einheitlichen deutschen Staates, den Abzug aller Besatzungstruppen, die Neutralität Deutschlands und die freie Betätigung demokratischer Parteien und Organisationen vor. Schumacher und die SPD stehen dem Vorschlag der SU zwar skeptisch gegenüber, fordern aber – im Gegensatz zur Bundesregierung unter Adenauer –eine eingehende Prüfung dieser sowjetischen Note. Sie können sich nicht durchsetzen.

27.5.1952: Mit der Unterzeichnung des Vertrages über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft verpflichtet sich die Bundesrepublik, einer zu gründenden europäischen Armee Soldaten zur Verfügung zu stellen. Die SPD erklärt, eine solche Politik versperre den Weg zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit. Zwischen Opposition und Regierungsparteien bestehen für längere Zeit keine Gemeinsamkeiten mehr in der Deutschlandpolitik.

31.7.1952: Die SPD veröffentlicht den Entwurf eines Aktionsprogramms, zu dem Schumacher noch das Vorwort schreiben konnte. Wirtschaftliche Ziele: Gerechte Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft, Politik der Vollbeschäftigung, Mitbestimmung der Arbeitnehmer in sozialen, personellen und auch wirtschaftlichen Fragen.

Letzte Aufnahme vom 18.08.1952
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28.8.1952: Kurt Schumacher stirbt. Seine letzten politischen Dokumente dieses Tages wurden in der Ausstellung gezeigt.

 

Trauerfeier für den verstorbenen SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher vor dem Rathaus in Hannover, 24.08.1952
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24. - 28.9.1952: SPD-Parteitag in Dortmund. Erich Ollenhauer wird als Nachfolger Kurt Schumachers zum sozialdemokratischen Parteivorsitzenden gewählt.