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Historische Wanderausstellungen

Die deutsche politische Emigration 1933 - 1945

Kleinere Gruppierungen

Neben den beiden großen Arbeiterparteien existierte in der Emigration außerdem eine Reihe von kleineren und kleinen bürgerlichen, pseudosozialistischen oder auch unpolitischen Gruppierungen, die zum Teil erst in der Emigration entstanden waren. Es würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, alle diese Organisationen aufzuzählen.

Zudem gab es noch eine Reihe von Einzelpersönlichkeiten, die keiner bestimmten Gruppe zuzurechnen sind. An erster Stelle ist hier der ehemalige Reichskanzler Heinrich Brüning zu nennen, der während der Emigrationszeit kaum öffentliche Erklärungen abgab und alle an ihn herangetragenen Pläne der Emigranten ablehnte. Manche hatten gehofft oder erwartet, er würde die Führung einer Exilregierung übernehmen oder zumindest für die gesamte Emigration sprechen, jedoch wies er jede organisatorische Bindung an die Emigration zurück und beschränkte sich auf seine Tätigkeit als Professor in den USA. An Namen sind weiterhin zu nennen der ehemalige Reichskanzler Joseph Wirth, der in der Schweiz lebte, sowie der ehemalige Minister Gottfried Treviranus, der in enger Verbindung zu Brüning stand. Treviranus hatte Verbindungen zu Reichswehrkreisen, setzte aber 1936 nur noch wenig Hoffnung auf die Armee, - eine Auffassung, die vermutlich auch Brüning teilte. Erwähnt werden muss auch Hubertus Prinz zu Löwenstein, der während des Saarkampfes die Zeitschrift „Das Reich" herausgab, später dann in den USA die „American Guild for German Cultural Freedom" gründete, eine Organisation zur Unterstützung von Schriftstellern, und der während des Krieges unzählige Vorträge über Deutschland an amerikanischen Universitäten hielt. Als Katholik sei hier auch der Jesuitenpater Friedrich Muckermann genannt, der von 1923-1933 in Münster die Zeitschrift „Der Gral" herausgegeben hatte, sowie Hans Ebeling als Vertreter der Bündischen Jugend.

Als Beispiel für kleinere Gruppen sei hier nur die „Schwarze Front" des oppositionellen Nationalsozialisten Otto Strasser angeführt, die unter dem Schlagwort „die Oppositionellen verlassen die NSDAP" durch Zusammenschluss verschiedener Gruppierungen entstanden war und im Februar 1933 verboten wurde. In der Emigration gab die Schwarze Front, bzw. Otto Strasser eine Zeitung heraus sowie Flugblätter, die sogenannten Huttenbriefe. Über einigen Anhang ver­fügte Strasser vermutlich in Südamerika unter den Auslandsdeutschen, wo seine Bewegung dann während des Krieges den Namen „Freies Deutschland" trug. Bei­spiel für eine kleinere, in der Emigration entstandene Gruppe ist auch die „Deutsche Volkssozialistische Bewegung", an der der ehemalige Kommunist Hans Jäger maßgeblich beteiligt war. Ihre Aufgabe sollte es sein, die „Synthese . . .für alle, die vom Nationalsozialismus oder vom Alt-Sozialismus enttäuscht sind", zu finden und so als „Brückenbauer für das nach Hitlers Sturz entstehende Vierte Reich zu wirken" (Röder, S. 65).

Eine typisch bürgerliche Gruppe war die Deutsche Freiheitspartei (DFP). Sie muss zu einem Zeitpunkt entstanden sein, zu dem offenbar wurde, dass der Nationalsozialismus zum Krieg treiben würde. Wer die aggressive Ideologie Hitlers zuvor noch nicht richtig interpretiert hatte, musste nun erkennen, wie der politische Spielraum sich durch eine latente Kriegsgefahr verengte.

Nationalsozialistische Politik und derzeitige innerdeutsche Opposition waren gleichermaßen bestimmend gewesen für die Entstehung der DFP, die sich selbst als Teil des innerdeutschen Widerstandes verstand und jede Beziehung zur Emigration ablehnte. H. Rothfels gibt für die Entstehung der DFP die Jahreswende 1937/38 an, vermutlich liegt sie aber um ein Jahr früher. Ab 1937 konstatiert Rothfels eine Wandlung der innerdeutschen Opposition, die nun vorwiegend aus Einzelpersönlichkeiten und spontan sich zusammenschließenden Gruppen bestanden habe. „So gab es viele Gruppen oppositioneller Männer und Frauen, die in lockerer Form, in örtlicher Verbundenheit oder mit einer Persönlichkeit als Kristallisationskern organisiert waren."

Der Geist dieser verschiedenen Gruppen sei geprägt gewesen durch die Erfahrungen, die - weil grundsätzlich neu - keine unmittelbaren Aktionen auslösten, sondern sie nur einleiten konnten. Vermutlich zu Recht reiht Rothfels die DFP unter diese Art von Widerstand ein. Unter Verzicht auf ein detailliert formuliertes Programm wollte sie als neue, umfassende Sammlungsbewegung des Bürgertums alle Unzufriedenen erfassen. Auch ihre lockere Organisationsform entsprach jener der inneren Opposition des Jahres 1937. Dabei ist nicht ganz auszuschließen, dass die Initiatoren der DFP aus dem Exil heraus die Bedeutung einer neuen und nach allen Seiten offenen Kraft erkannten, und dass ihre Organisationsform weniger aus den Gegebenheiten resultierte, die für die oppositionellen Gruppierungen 1937 im Reich zwingend waren, als vielmehr aus den vorgegebenen Möglichkeiten jeder bürgerlichen Widerstandsbewegung.

Trotz des Anspruchs, ausschließlich eine Widerstandsbewegung innerhalb Deutschlands zu sein, muss man die DFP zu den Emigrantengruppen rechnen. Ihr Sitz war in Paris und London, wo auch die von ihr herausgegebene Zeitschrift „Das wahre Deutschland" erschien. Darüber hinaus verbreitete sie Flugblätter in Deutschland, die „Deutschen Freiheitsbriefe", die einiges Aufsehen erregten. Führend an dieser Gruppe beteiligt waren oder in losem oder gelegentlichen Kontakt zu ihr standen u. a. Carl Spiecker, Hans Albert Kluthe, August Weber, Geheimrat Demuth, der die „Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaftler im Ausland" leitete, sowie Willi Münzenberg, über dessen Propagandaapparat vermutlich die Herstellung und teilweise die Verbreitung der Flugblätter organisiert wurde. Außerdem schloss sich ihr zeitweise der ehemalige Nationalsozialist und Senatspräsident von Danzig, Hermann Rauschning an, der von dieser Plattform aus einen deutschen Nationalrat schaffen wollte.