Titel des Focus 2006: Vielfalt Miteinander
Das aktuelle Online-Portal der FES zum Thema Interkulturalität, Migration und Integration
Das Foto zeigt Kinderhände, die aufeinander liegen.

Integration

Über „Integration“ von Migrantinnen und Migranten wird zur Zeit heftig gestritten. Pauschale Urteile wie „Die Integration ist gescheitert“ beherrschen vielfach die Diskussion. Probleme und Konflikte im Zusammenleben werden verallgemeinert und skandalisiert. Die Schuld für Integrationsdefizite wird häufig einseitig den Einwanderern zugewiesen.

Wichtig ist jedoch eine differenzierte Betrachtungsweise. Viele Einwanderer, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gekommen sind, haben ihren Platz gefunden. Sie und ihre Kinder sind in die Arbeitswelt, den Stadtteil und das gesellschaftliche Leben integriert. Mit dem Zuwanderungsgesetz von 2005 hat die Politik auch zum ersten Mal anerkannt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist. Die Integrationspolitik ist auf eine neue Grundlage gestellt worden.

Von dem Ziel der gleichberechtigten Teilhabe von Einwanderern am wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Leben sind wir jedoch noch weit entfernt. Gravierend sind zum Beispiel die Benachteiligungen der zweiten und dritten Einwanderergeneration in der Schule oder beim Zugang zu Ausbildungs- und Arbeitsplätzen. Es besteht die Gefahr zunehmender Perspektivlosigkeit. Diese kann die Tendenz zum Rückzug in die ethnische Gruppe bei gleichzeitiger Abkehr von der Mehrheitsgesellschaft verstärken.

Das Prinzip des „Förderns“, die Bereitstellung ausreichender Angebote, und das Prinzip des „Forderns“, die Bereitschaft der Einwanderer zur Mitwirkung und Eigeninitiative, müssen in die Integrationskonzepte von Bund, Ländern und Kommunen einfließen. Die Friedrich-Ebert-Stiftung beteiligt sich auf vielfältige Weise an diesen Bemühungen. Günther Schultze

 


Beispiele aus der Arbeit der FES

Foto zeigt Erwachsenenbildung im Sprachlabor (Quelle: European Commission Audiovisual Library)Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund
Etwa ein Drittel aller in Deutschland lebenden Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund. Schule, Ausbildungssystem und Betrieb müssen verstärkt Anstrengungen unternehmen, Migrantinnen und Migranten zu fördern, um ihnen eine berufliche Perspektive zu bieten. Auf einer gemeinsamen Fachkonferenz des Gesprächskreises Migration und Integration der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn wurden Fragen der beruflichen Bildung von Migranten aufgegriffen. Die neue Publikation „Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen“ dokumentiert diese Veranstaltung.

Integrationspolitik auf dem Prüfstand – Bilanz des Zuwanderungsgesetzes
Konferenz des Gesprächskreises Migration und Integration der FES und der Arbeiterwohlfahrt am 8. Mai 2006 in Berlin
Seit dem 1. Januar 2005 ist das neue Zuwanderungsgesetz in Kraft. Der Bund übernimmt die Verantwortung für Integrationsmaßnahmen für Neueinwanderer. Inzwischen liegen erste Erfahrungen mit der Durchführung der Integrationskurse und der Neuorganisation der Migrationserstberatung vor. Auf der gemeinsamen Konferenz von Arbeiterwohlfahrt und FES wurde eine Bilanz gezogen. Ausgehend von Problembeschreibungen wurden Lösungsansätze diskutiert. Zu dieser Veranstaltung liegen sowohl ein zusammenfassender Bericht als auch ein Audiobeitrag vor.

Integration durch Partizipation
Konferenz des FES-Landesbüros Berlin am 17. Mai 2006
Die Forderung nach mehr Partizipation von Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere in den sogenannten benachteiligten Gebieten der „Sozialen Stadt“, hat Konjunktur. Gerade in diesen Quartieren stellt die Beteiligung von Migrantinnen und Migranten eine Notwendigkeit dar. In der aktuellen Debatte um Probleme der Integration werden sie häufig als Teil des Problems und nicht als Teil der Lösung eingeordnet. Auf der Konferenz des FES-Landesbüros Berlin am 17. Mai wird eine Studie zur Partizipation von Migrantinnen und Migranten präsentiert. Die Diskussion soll vorhandene Potenziale aufzeigen sowie Schwierigkeiten und Verbesserungsstrategien beleuchten.

Projekt zu kommunalen Integrationsmodellen
Integration findet lokal und unter einzelnen Menschen statt. Die Kommunen setzen sich zunehmend mit diesen Umständen auseinander und suchen nach Wegen, die soziale, kulturelle, wirtschaftliche und politische Integration von Zugewanderten zu fördern. Das ForumNRW in der Politischen Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet zurzeit an einer Publikation zur Integrationspolitik auf kommunaler Ebene und an einem umfangreichen neuen Internetportal.

Ausgrenzung verhindern, Konflikte regeln, Netzwerke stärken – Kommunale Integrationspolitik und Stadtteilarbeit
Unsere Städte sind multi-ethnisch geworden. In den Kommunen und speziell in einzelnen Stadtteilen konkretisieren sich erfolgreiche Integrationsprozesse. Aber auch die Schwierigkeiten und Problembereiche werden sichtbar. Notwendig sind kommunale Konzepte, die die Integration der Zuwanderer und ihrer Familien zur Querschnittsaufgabe aller Entscheidungsgremien und Ämter machen. Auf der Fachkonferenz des Gesprächskreises Migration und Integration der FES am 18. März 2006 wurden das Ausmaß an Segregationstendenzen in Großstädten und die Folgen für die Kommunen dargestellt und Handlungsmöglichkeiten diskutiert.

„SCHLAGwort Integration“
Besonders bei männlichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund zeigen sich die Defizite bisheriger Integrationspolitik – sei es in der Frage von Schulabschlüssen, beim Problem Arbeitslosigkeit oder als Täter bzw. Opfer von Gewalt. Neue Wege und Maßnahmen sowie wirkungsvollere Handlungsstrategien stehen deshalb im Mittelpunkt eines längerfristigen Arbeitsprozesses und mehrerer Tagungen, die das Landesbüro Berlin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Berliner Landeskommission gegen Gewalt im Rahmen der Reihe „SCHLAGwort Integration“ organisiert. Die Konferenz „Junge Zuwanderer, Lebenslagen, Gewalt: Probleme und Lösungsansätze im Vergleich“, die am 23. März 2006 in Berlin stattgefunden hat, ist ein Beispiel für eine Veranstaltung in dieser Reihe.

Foto zeigt Diskussionsrunde im Boxring, u.a. mit Ingeborg Junge-Reyer, Senatorin für Stadtentwicklung (Foto: Peter Himsel)QUARTIER MACHT SPORT - Macht Sport Integration?
Ein wichtiges Ziel des Quartiersmanagements in Berlin ist die Integration durch Sport. Das Landesbüro Berlin der FES stellte in einer Reihe unterschiedliche Konzepte und Projekte vor. Anläßlich einer Veranstaltung im „Boxcamp Kreuzberg“ diskutierten Akteure aus dem Sportbereich am 20. März 2006 die Frage, welche Erfahrungen sie mit der integrativen Wirkung von Sport gemacht haben.

Einbürgerung in Großbritannien
Wie die Einbürgerungspraxis gestaltet werden soll, wird zur Zeit in Deutschland heftig diskutiert. Welche Voraussetzungen für eine Einbürgerung in Großbritannien erfüllt sein müssen, wie die Verfahren aussehen und welche Rolle Sprachtests spielen, erläutert ein Bericht des FES-Büros London.

Prekäre Arbeit
Die Zahl der Normalarbeitsplätze in der deutschen Wirtschaft sinkt während gleichzeitig die der prekären, unsicheren Beschäftigungsverhältnisse steigt. Migrantinnen und Migranten sind von dieser Entwicklung besonders betroffen. Den Ursachen, dem Ausmaß, den sozialen Folgen und den subjektiven Verarbeitungsformen prekärer Beschäftigungssituationen widmet sich eine Expertise des Gesprächskreises Migration und Integration.

Die historische Sicht auf Zuwanderung und Integration
Die historische Analyse von Zuwanderung nach Deutschalnd nach dem Zweiten Weltkrieg war 2002 das Jahresthema des Archiv für Sozialgeschichte. In Band XLII werden insbesondere die Zuwanderung der sogenannten Gastarbeiter und ihre Integrationsprobleme beschrieben. Er enthält Schwerpunktaufsätze zu den italienischen Migranten in Wolfsburg (VW), Köln (FORD-Werke), Frankfurt und Berlin sowie zu türkischen, polnischen und lateinamerikanischen Einwanderern in die Bundesrepublik sowie zur Ausländerbeschäftigung in der DDR. Die deutschen, französischen und englischen Zusammenfassungen finden sich im Internet.

Zwangsmigration und Vertreibung
Erinnerung an Migration und Vertreibung ist ein äußerst komplexes Phänomen. Vielfach knüpfen sich an Zwangsmigrationen Gefühle von Verlust und Rache. Daher kommt es heute sehr darauf an, die Erinnerungen an Zwangsmigrationen und Vertreibungen als einen gemeinsamen europäischen Prozess zu gestalten. Genauere Vorschläge erarbeitete ein „Europäisches Netzwerk: Zwangsmigrationen und Vertreibungen im 20. Jahrhundert“. Dazu veranstaltete die FES im März 2004 eine große internationale Tagung, deren Ergebnisse inzwischen als Paperback vorliegen: Anja Kruke (Hrsg.), Zwangsmigration und Vertreibung - Europa im 20. Jahrhundert, Verlag J.H.W. Dietz Nachf.,  Bonn 2006. Der Band wird am 14. Juni 2006, um 18.00 Uhr, in der Humboldt-Universität zu Berlin von Prof. Dr. Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, und von Prof. Dr. Robert Traba, Warschau, öffentlich vorgestellt. Nähere Informationen zu dieser Veranstaltung per E-Mail bei: Doris.Fassbender@fes.de.

Eine ausführliche Darstellung der Problematik sowie der historischen Lehren aus Vertreibung und den Problemen der Integration wurde seitens der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammengestellt. Diese Darstellung enthält umfangreiche Quellen, die besonders für Unterricht und akademische Lehre geeignet sind.

 

 

Weitere Themen dieser Focus-Reihe:

Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik

Interkultureller Dialog

Vorurteile abbauen - Minderheiten in der Gesellschaft

Chancengleichheit - Partizipation - Perspektiven

 

Koordination: Günther Schultze
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