Titel des Focus 2006: Vielfalt Miteinander
Das aktuelle Online-Portal der FES zum Thema Interkulturalität, Migration und Integration
Das Foto zeigt Kinderhände, die aufeinander liegen.

Interkultureller Dialog

Deutschland ist ein Einwanderungsland, in dem Menschen verschiedener nationaler und kultureller Herkunft leben. Diese Vielfalt ist ein großes Potential für unsere Gesellschaft – und zunehmend eine Herausforderung. Um die Chancen nutzen zu können, muss allerdings überall dort, wo es bislang nur ein beziehungsloses Nebeneinander gibt, daraus ein wirkliches Zusammenleben werden. Der interkulturelle Dialog ist hierfür eine unverzichtbare Voraussetzung.

Auch auf internationaler Ebene ist der Dialog der Kulturen wichtig. Es war ausgerechnet eine Initiative des ehemaligen iranischen Präsidenten Mohammed Khatami, auf die das Internationale Jahr des Dialoges zwischen den Kulturen der Vereinten Nationen 2001 zurückging. Fünf Jahre später scheint angesichts von Karikaturenstreit und Nuklear-Krise, Wahlsiegen von Islamisten und dem Konflikt im Irak ein Dialog zwischen den Kulturen des Westens und der Islamischen Welt schwieriger denn je – und damit umso notwendiger.

Zugleich muss aber immer wieder betont werden, dass der Interkulturelle Dialog weit über den derzeit die politische, gesellschaftliche und mediale Agenda dominierenden Dialog mit dem Islam hinausreicht: Die Globalisierung führt zwangsläufig zu einem sich verstärkenden Austausch zwischen allen Kulturen und belegt, dass Dialog nicht nur zwischen Religionen, sondern auch zwischen Regionen stattfinden muss – die Migrationsbewegungen nach Europa sind ein eindrücklicher Beleg.

Wie also umgehen mit der sich immer rasanter vollziehenden Entwicklung? Ist der von Samuel Huntington beschworene und vielfach kritisierte „Clash of Civilizations“ noch zu verhindern oder müssen wir vielmehr lernen, nicht mit dem Kampf der Kulturen, sondern in der anderen, konstruktiveren Bedeutung des Wortes „Clash“ mit dem Aufeinanderprallen der Kulturen – und damit der Religionen umgehen zu lernen?

Die vielfältigen Aktivitäten und Programme der Friedrich-Ebert-Stiftung sollen im In- und Ausland zur Beantwortung dieser Fragen einen Beitrag leisten. Tobias Mörschel / Achim Vogt

Aktuelle Veranstaltungen

Interkulturelle Verständigung - konfliktfrei ?
Seminar der Akademie Frankenwarte vom 30. Juni bis 2. Juli 2006

Die Veranstaltung beschäftigt sich mit dem Konfliktpotenzial in der interkulturellen Arbeit. Gemeinsam handlungsfähig bleiben trotz diverser Unterschiede, so lautet das Gebot. Dazu werden zum einen die Konfliktursachen analysiert, die häufig zu Missverständnissen führen, wenn sich Menschen unterschiedlicher Herkunft begegnen. Zum anderen arbeiten die Teilnehmenden mit konkreten methodischen Ansätzen, um die Zusammenarbeit auch über kulturelle Grenzen hinweg fruchtbar und effektiv zu gestalten.Weitere Informationen und Anmeldung

Bild zeigt das Logo des FES-Projektes 'Fans for Football'Die multikulturelle Gesellschaft im Abseits? Fußball und Integration – Möglichkeiten und Grenzen
Tagung des Forums Politik und Gesellschaft am 7. Juni 2006 in Berlin

Mit unserer Podiumsdiskussion gehen wir kurz vor Anpfiff der Fußball-WM der Frage nach, inwieweit Fußballvereine durch ihre tägliche Arbeit zur internationalen Verständigung beitragen und die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, vor allem von Kindern und Jugendlichen, unterstützen können. Auf dem Spielfeld werden kulturelle Hürden abgebaut, Begegnungen gefördert und Werte wie Mannschafts- und Teamgeist vermittelt. Welche Möglichkeiten eröffnet Sport und insbesondere der Fußball, Toleranz spielerisch zu erlernen und aktiv zu leben? Kann dieses Miteinander auch auf andere gesellschaftliche Bereiche ausstrahlen? Und welche Ansätze gibt es, dieses Potential in Zukunft verstärkt für einen interkulturellen Dialog zu nutzen? Informationen zum FES-Projekt "Fans For Football"

Migration – Integration: was heißt das, wie geht das, wer gestaltet das, was kann ich tun?
Open Space-Veranstaltung des Forums Politik und Gesellschaft am 26. und 27. September 2006 in Berlin
Eine Anmeldung ist ab dem 21. August möglich.

 

Beispiele aus der Arbeit der FES

Zum Umgang mit dem Politischen Islam
Anhand von Fallstudien hat die Friedrich-Ebert-Stiftung auf einer Fachtagung des Referats Naher/Mittlerer Osten und Nordafrika am 27. April 2006 in Berlin den Erfolg islamistischer Bewegungen analysiert. Angesichts der Wahlerfolge der Islamisten in den palästinensischen Gebieten und Ägypten, im Iran und Irak, aber auch – beispielsweise – auf der politischen Bühne in Marokko wurde die Grundlage dafür gelegt, strategische Ansatzpunkte für die deutsche, europäische und transatlantische Politik im Hinblick auf den Politischen Islam zu entwickeln.

Interkultureller Schüler/innen-Dialog
Das Forum Jugend und Politik im Forum Politik und Gesellschaft der Friedrich-Ebert-Stiftung bietet seit über vier Jahren halbtägige interkulturelle Schüler/innen-Dialoge in Berlin und Bonn an. Eingeladen sind jeweils Schüler/innen aus zwei verschiedenen Schulen, wobei eine mehrheitlich aus Schüler/innen nicht-deutscher Kulturkreise besteht. Ziel ist es, die häufig verhärteten Vorurteile gegenüber „dem Anderen“ bewusst zu machen, das eigene Verhalten im Schul-/Klassenverband zu reflektieren und ein Verständnis für die Andersartigkeit von Schüler/innen aus einem anderen Kulturkreis zu entwickeln. Erarbeitet werden Handlungsalternativen mit den Jugendlichen, die den respektvollen Umgang miteinander fördern.
Weitere Informationen

Junge Muslime und Bildung im europäischen Vergleich
Wie unterscheidet sich die Lebenssituation junger Muslime in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden, und was können wir aus dem Vergleich europäischer Erfahrungen lernen? Welche Konzepte gibt es im Umgang mit religiöser Differenz und bei der Integration von Muslimen in den verschiedenen Ländern? Welche Auswirkungen hat die Verschärfung der Konflikte im Nahen Osten auf das Verhältnis von Staat, Gesellschaft und muslimischen Minderheiten?
Diesen und weiteren Fragen wurde im Rahmen eines europäischen Erfahrungsaustausches in der Fachtagung „Junge Muslime und Bildung im europäischen Vergleich“ am 4. Mai 2006 im Berliner Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung nachgegangen.

Die integrationsplitische Debatte aus französischer Sicht
Auch in Frankreich werden integrationspolitische Fragen und das Verhältnis zum Politischen Islam derzeit kontrovers diskutiert. Das FES-Büro Paris dokumentiert in einem Frankreich-Info einen zuerst in der Tageszeitung Le Figaro erschienenen Artikel des sozialistischen Politikers und Schriftstellers Max Gallo, der sich gegen einen Beschwichtigungskurs gegenüber dem Islamismus ausspricht und dafür plädiert, zur westlichen Identität und Wertegemeinschaft zu stehen. Auch die stellvertretende Leiterin des Pariser FES-Büros, Türkan Karakurt, beteiligt sich an dieser Debatte mit einem eigenen Beitrag, in dem sie vor dem Hintergrund der weltweiten Arbeit der FES zum Thema „Islam und Integration in Europa“ Stellung nimmt. Mit dem Komplex "Emanzipation und Tradition muslimischer Frauen in Europa" beschäftigt sich eine Podiumsdiskussion unter Beteiligung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 31. Mai 2006 in Paris.

Empowering Women for Peace Building
Einen wichtigen Beitrag zum interkulturellen Dialog in Asien leistete ein Workshop des FES-Büros in Thailand am 3. und 4. Dezember 2005, bei dem muslimische und buddhistische Frauen ihre Erfahrungen ausgetauscht und Ursachen des gegenseitigen Misstrauens analysiert haben. Veranstaltungsbericht (in englisch )

FES-Zentralasien:
Usbekistan und Deutschland im 20. Jahrhundert / 5. Samarkander-Konferenz im September

Vier deutsche Organisationen richteten vom 22. bis 26. Mai 2006 die Woche der Geschichte aus. Der Deutsche Volkshochschulverband, die Friedrich-Ebert-Stiftung in Zentralasien , das Goethe-Institut und die Konrad-Adenauer-Stiftung regten gemeinsam mit deutschen und usbekischen Wissenschaftlern, mit Studenten, Zeitzeugen und Interessierten einen Dialog über Geschichte an. Veranstaltungsbericht
Im September lädt die FES zur 5. Samarkander-Konferenz in der Reihe "Dialog zwischen Staat und Politik" nach Samarkand ein. Schwerpunktthema in diesem Jahr ist „Jugend und religiöse Ausbildung im säkularen Staat“.

Deutsch-Türkische Kulturwochen
Bild zeigt das Plakat der Deutsch-Türkischen KulturwochenDie Deutsch-Türkischen Kulturwochen fanden 2006 bereits zum sechsten Mal statt und umfassten insgesamt 21 Veranstaltungen vom 25. Januar bis 29. Mai 2006 in München und Ankara. Unter der Schirmherrschaft des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude und des türkischen Botschafters in Deutschland, Mehmet Ali Irtemçelik, wurde ein vielseitiges und anspruchsvolles Programm mit Ausstellungen, Filmen, Lesungen und Jazzabenden sowie Podiumsdiskussionen, Konferenzen und Gesprächsrunden geboten. Den Abschluss bildete die Verleihung des Deutsch-Türkischen Freundschaftspreises am 29. Mai in Ankara – dem Jahrestag des Brandanschlags von Solingen 1993. Veranstaltet werden die Kulturwochen vomBAYERNFORUM der Friedrich-Ebert-Stiftung, von der Deutsch-Türkischen Freundschaftsföderation (DTF) e.V. sowie der Stelle für Interkulturelle Arbeit der Landeshauptstadt München.

Zwischen Demokratie und Shari’a? Die Rolle des Politischen Islam in Westafrika
Dominiert von den Konflikten im Nahen und Mittleren Osten bleibt nahezu unbeachtet, dass der Islam in Afrika eine wichtige, aber weit weniger von Konflikten geprägte Rolle spielt. Im Mosaik des ethnisch-religiösen Flickenteppichs der Region ist der Dialog der Kulturen und damit die Kultur des Dialoges mehrheitlich sehr friedlich geblieben. Auf einer vielbeachteten Tagung des Afrika-Referats der FES am 21. März 2006 wurde das Thema im Detail behandelt. Buchbestellung

Veranstaltungsreihe „Kultur als Brücke“
In seiner Veranstaltungsreihe „Kultur als Brücke“ stellt dasForum Berlin der Friedrich-Ebert-Stiftung Künstler vor, die mit ihren Werken Brückenbauer zwischen Kulturen sind. Im Sinne des friedlichen Austausches erweitern Kunst und Kultur unser Wissen und Fühlen. Sie tragen damit über die gegenseitige Annäherung zu Toleranz und Frieden bei.

 

Weitere Veranstaltungen

Miteinander -- Nebeneinander
Studientag zum Zusammenleben von Türken und Deutschen, Christen und Muslimen am 20. Mai 2006 in Mülheim/Ruhr (eine Kooperation der FES mit der Katholischen Akademie DIE WOLFSBURG)

Die offene Stadt: Integration und Partizipation. Effektive Kooperation in Zeiten der Ökonomisierung
Tagung des FES-Landesbüros Berlin am 30. Januar 2006 in Berlin.

Sicherheitspolitisches Forum: Der Islam und seine Wirkung auf Europa - Herausforderungen für die Demokratie
Tagung des FES-Landesbüros Sachsen-Anhalt am 3. Mai 2006 in Magdeburg

Islam und westliche Welt: Konfrontation oder Kooperation
Tagung des FES-Landesbüros Brandenburg vom 19. bis 21. Mai 2006 in Lübbenau

The African Perspective of Migrant Flows to Europe
Internationales Fachgespräch des Büros Madrid der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Fundación Pablo Iglesias am 6. und 7. April 2006 in Madrid

Barcelona and beyond – many ways, one goal?
Seit 1995 versucht die Europäische Union mit den südlichen Anrainerländern des Mittelmeeres einen Dialog und eine engere Zusammenarbeit zu organisieren. Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums organisierte die FES gemeinsam mit der Arabischen Liga am 10. und 11. November 2005 eine Fachtagung, auf der eine Bilanz des Barcelona-Prozesses, aber auch der Europäischen Nachbarschaftspolitik und der transatlantischen Broader Middle East Initiative gezogen wurde.

 

Online-Angebote der FES

Foto zeigt Ausschnitt aus dem Film 'Wenn die Mondblume singt' (Foto: AVE)Themenmodul „Dialog der Kulturen“ in der OnlineAkademie der FES
Seit August 2002 setzt sich die OnlineAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung mit den Voraussetzungen und der Praxis interkultureller Dialoge auseinander. Sie bietet Informationen, Essays, Begriffsklärungen, theoretische und empirische Studien, Analysen zu jeweils aktuellen Diskussionen, Rezensionen, Literatur- und Internethinweise sowie tagesaktuelle Meldungen. In unterschiedlichen Angebotsformen werden Grundlagen und Ziele des „Dialogs der Kulturen“ behandelt, zum Beispiel indem der Frage nachgegangen wird, wo eine Verständigung auf Basis der Grundwerte einer offenen und demokratischen Gesellschaft notwendig und wo Freiheiten im Sinne eines kulturellen bzw. religiösen Pluralismus geboten sind. Kritisch analysiert werden auch die Vereine und Verbänden des organisierten Islam in Deutschland.

 

Literaturtipps

Ausführliche Informationen zu allen Literaturtipps

 

Unser nächstes Thema in diesem Focus (12. bis 25. Juni 2006):

Vorurteile abbauen: Minderheiten in der Gesellschaft