Das Online-Portal der FES zum Thema Arbeit und Gewerkschaften / Globalisierung und Solidarität

FES Internet Focus Gute Arbeit - Globalisierung und Solidarität

zwei Hände halten eine Weltkugel

Mit der Globalisierung haben sich die sozialen Disparitäten sowohl innerhalb von Ländern als auch zwischen ihnen vertieft. Einige Weltregionen fallen zunehmend aus der wirtschaftlichen und sozialen Fortschrittsdynamik heraus, während in anderen das wirtschaftliche Wachstum von prekären Beschäftigungsverhältnissen und sozialen Krisen begleitet ist. Grenzüberschreitender Wirtschaftsverkehr setzt nationale Sozialsysteme und Sozialnormen zunehmend unter Druck. Das Entstehen eines globalen Arbeitsmarktes verschärft den Beschäftigungswettbewerb in allen Ländern.

Die sozialen Herausforderungen der Globalisierung bedürfen der politischen Gestaltung. Wichtige Akteure dabei sind die internationalen Gewerkschaftsorganisationen und ihre nationalen Mitgliedsverbände. Die Gewerkschaftsbewegung setzt in ihrer Gegenstrategie darauf, die Durchsetzung allgemeingültiger Sozialstandards zu erreichen (ILO-Kernarbeitsnormen/ „Decent Work"-Kampagne). Indessen kann die organisierte Arbeiterbewegung nur dann international erfolgreich agieren, wenn sie auch auf der nationalen Ebene stark ist. Bei der Mehrzahl der Länder der Welt kann aber von Organisationsfreiheit am Arbeitsplatz keine Rede sein. Somit ergibt sich ein Dilemma: Ohne Veränderung der Rahmenbedingungen lässt sich die gewerkschaftliche Organisierung der Beschäftigten nur schwer vorantreiben. Ohne Verankerung in den Unternehmen sind die Gewerkschaften aber nicht stark genug, um die Gesetzgebung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Folglich setzen die Fördermaßnahmen der FES in ihrer internationalen Gewerkschaftsarbeit an beiden Punkten zugleich an, mit dem Ziel die Herausbildung demokratischer, programmatischer und repräsentativer Gewerkschaften zu erreichen.

Deutschland zählt zu den Gewinnern der Globalisierung. Dennoch gilt es auch hier, gemeinsam mit Gewerkschaften und Politik, Strategien zu entwickeln, die dazu beitragen, den negativen Folgen der Globalisierung in der Wirtschafts- und Arbeitswelt entgegen zu wirken. Denn internationale Produktionsstrategien, grenzenlose Standortkonkurrenz sowie Wettbewerbsdruck und der damit verbundene strukturelle Wandel drohen das Fundament der sozialen Demokratie auszuhöhlen. Die FES trägt auch in Deutschland und in Europa dazu bei, dass die Globalisierung in einem sozial verträglichen Rahmen – mit fairen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen – stattfinden kann.

Kontakt: Reiner Radermacher | Heinz A. Huthmacher
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Brüssel / Lima / Antigua / Bogotá / Colonia – Europäisch-lateinamerikanischer Gewerkschaftsdialog zu den Assoziierungsverhandlungen mit der EU
Dialogveranstaltung, 4.-7. März 2008

Seit 2004 unterstützt das regionale Gewerkschaftsprojekt der FES in Lateinamerika die Erarbeitung eines gemeinsamen gewerkschaftlichen Vorschlags für ein Sozialkapitel im Assoziierungsabkommen EU-MERCOSUR. Insbesondere fördert die FES hierbei den Dialog zwischen dem Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) und den lateinamerikanischen Gewerkschaften zur Definition gemeinsamer Positionen in den Assoziierungsverhandlungen. Ein zentrales Ergebnis dieser Initiative ist es, dass der EGB und die lateinamerikanischen Gewerkschaften dem EUROLAT-Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Mai 2008 eine gemeinsame Erklärung vorlegen konnten. Zudem wurde eine ihrer Kernforderungen – die Aufnahme von Sozialkapiteln im Assoziierungsabkommen – auch in die Erklärung der Zivilgesellschaft aufgenommen. Die Ausarbeitung konkreter Vorschläge für die Aufnahme von Sozialkapiteln unterstützt die FES zudem über subregionale Gewerkschaftsforen (wie in Antigua/Guatemala und Bogotá/Kolumbien).

 

Brüssel / Jakarta – Schritte zur Etablierung der sozialen Dimension des Asien-Europa-Treffens (ASEM)
Workshop, 30. Juni – 1. Juli 2008

Seit 1996 existiert das Asien-Europa-Treffen (Asia-Europe Meeting: ASEM) als informelles Dialogforum europäischer und asiatischer Staaten. Die FES bemüht sich seit der Gründung des Forums in enger Kooperation mit den Gewerkschaften beider Kontinente darum, die politischen und wirtschaftlichen Gesprächsforen von ASEM um die soziale Dimension zu erweitern. 2005 beschloss das ASEM-Außenministertreffen den Dialog zwischen den Arbeits- und Sozialministerien zu fördern, der mit der im September 2006 in Potsdam durchgeführten Konferenz der Arbeits- und Sozialminister seinen Auftakt nahm. Die Ergebnisse dieser Konferenz fanden ihren Niederschlag in der Abschlusserklärung des einige Wochen später stattfindenden Gipfeltreffens der ASEM-Staats- und Regierungschefs in Helsinki. In der Erklärung wird die Notwendigkeit einer sozialen Dimension der ASEM-Gesprächsforen betont und damit die Einbeziehung der Sozialpartner in den ASEM-Dialog befürwortet. Zudem wird gefordert, dass das „ASEM Trade Union Forum“ – die Dialogplattform der asiatischen und europäischen Gewerkschaften – einen anerkannten Status erhalten soll. Dazu soll sowohl das erste „ASEM Social Partners Forum“ (Ende Juni 2008 in Brüssel) als auch die ASEM-Arbeitsministerkonferenz (Oktober 2008 in Jakarta) genutzt werden.

 

Bangkok – Recommendations to the ASEAN Labour Ministers Meeting: Decent work for vulnerable workers
Seminar, 20. April 2008

Das Foto zeigt den ASEAN-Generalsekretär Dr. Surin Pitsuwan.

Zu dem Arbeitsministertreffen des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) haben Gewerkschaften, ArbeitnehmerInnen und Nichtregierungsorganisationen bisher keinen Zugang. Dieses Gremium ist aber von zentraler Bedeutung für die Durchsetzung besserer Beschäftigungsverhältnisse und die Sicherung der Arbeitnehmerrechte in der Region. Im Mai 2008 trafen sich die Arbeitsminister in Bangkok, um darüber zu entscheiden, wie die Arbeits- und Lebensverhältnisse der ArbeitnehmerInnen in den ASEAN-Ländern verbessert werden können. Die thailändischen Sozialpartner nutzten die Chance, um im Vorfeld des Treffens auf einem von der FES organisierten Seminar ihre Positionen auszutauschen und gemeinsame Forderungen für die Einhaltung internationaler Arbeits- und Sozialnormen zu formulieren.

 

Berlin – Decent work and fair globalization: A dialogue between industrialized and emerging economies
Konferenz, 5. Mai 2008

Das Foto zeigt von links nach rechts: Ernst Kerbusch (FES), Klaus Brandner (Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Wolfgang Heller (ILO-Direktor, Berlin), Kari Tapiola (ILO- Exekutivdirektor)

Die „Decent-Work-Kampagne“ der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat auf den höchsten Ebenen der Weltpolitik Unterstützung gefunden. Dies gilt für die Agenda der Vereinten Nationen ebenso wie für die Beratungen im Kreise der G8-Staaten. Auf dem letzten G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm bekundeten die führenden Industrieländer ihre Unterstützung für die „ILO-Decent-Work-Kampagne“. Dies ist ein Meilenstein auf dem Wege zu einer fairen Gestaltung der Globalisierung. Es bleibt aber eine Herausforderung, auch die Schwellenländer für die Umsetzung des Konzepts von „Decent Work“ – „Gute Arbeit“ – zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund organisierte die FES gemeinsam mit der ILO eine Konferenz, die den Dialog zwischen Experten aus den G8-Staaten und den fünf großen Schwellenländern fördern sollte. Die Teilnehmenden diskutierten die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen Industrie- und Schwellenländern in Hinblick auf die Förderung der Rahmenbedingungen für „Gute Arbeit“ und die Implementierung der ILO-Kernarbeitsnormen.
Die Konferenz ist Teil der Arbeitslinie „Soziale Dimension der Globalisierung“ des Projektes „Demokratische und soziale Gestaltung der Globalisierung“, über das die FES seit Ende der 90er Jahre Beiträge zu einem internationalen Dialog über die politische Gestaltung der Globalisierung leistet.

 

Dar-es-Salaam – Vergabekriterien internationaler Finanzinstitutionen (IFIs): Ansatzpunkte für gewerkschaftliches Handeln
Seminar, 13. -14. März 2008

Die Weltbank und ihre Tochterorganisation „International Finance Corporation (IFC)“ haben sich dazu verpflichtet, die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen durch den Kreditnehmer zur verpflichtenden Voraussetzung bei der Vergabe von Darlehen zu machen. Mit dieser Verpflichtung der Weltbank ergeben sich neue Ansatzpunkte für gewerkschaftliches Handeln. Der Nachweis von Verstößen gegen soziale Mindeststandards kann nun zu Sanktionen für das betreffende Unternehmen führen. Vielen Gewerkschaften ist diese Handlungsoption jedoch vollkommen unbekannt. Daher organisierte der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) für seine Mitgliedsverbände eine Reihe von Fortbildungsseminaren, um ihnen die neuen Vergabekriterien näher zu bringen und konkrete Handlungsoptionen für gewerkschaftliches Handeln aufzuzeigen. Diesen Lernprozess unterstützte die FES im Rahmen ihres Globalen Gewerkschaftsprojektes. Das erste Fortbildungsseminar für Gewerkschaftsmitglieder fand im März 2008 in Tansania statt.

 

Aserbaidschan – Arbeitsstandards einfordern und umsetzen
Seminar, 25. April 2008

Mit der Unterzeichnung der ILO-Konventionen 87 und 98 hat Aserbaidschan sich zu den Arbeitnehmerrechten auf Vereinigungsfreiheit, Kollektivverhandlungen und betriebliche Interessenvertretung bekannt. Vielen ArbeitnehmerInnen, ArbeitgeberInnen und VertreterInnen von lokalen Behörden sind diese gesetzlichen Regelungen jedoch vollkommen unbekannt. In Zusammenarbeit mit dem aserbaidschanischen Gewerkschaftsdachverband „Kidmet-Isch“ organisierte die FES daher für diese Zielgruppe eine Reihe von Informationsseminaren. Den Auftakt bildeten zwei Seminare im April 2008 in den Städten Gasakh und Mingetschewir. Die Seminarreihe wird im Juni 2008 in weiteren Städten Aserbaidschans fortgesetzt.

 

Kairo – Multinational enterprises and economic development in the MENA Region: Introduction to the OECD Guidelines for Multinational Enterprises
Workshop, 12.-13. November 2007

Das Foto zeigt Aisha Abdul Hadi, Ministerin für Arbeit und Migration, Ägypten (rechts) und
Veronica Nilsson, TUAC (links).

Ein wichtiges Instrument für Gewerkschaften, um gegen Verletzungen von Arbeitnehmerrechten vorgehen zu können, bilden die neu überarbeiteten Richtlinien für multinationale Unternehmen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Diese Richtlinien galten bisher nur in den OECD-Staaten, doch haben sich inzwischen auch Argentinien, Brasilien, Chile und Ägypten (Juli 2007) zu deren Einhaltung verpflichtet. Jordanien hat das Beitrittsverfahren eingeleitet. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen organisierte die FES in Zusammenarbeit mit dem Gewerkschaftlichen Beratungsausschuss bei der OECD (TUAC) in Kairo ein Seminar, um den Sozialpartnern in der Region die OECD-Richtlinien vorzustellen und deren Umsetzung zu diskutieren. An dem Workshop nahmen VertreterInnen von Gewerkschaften, Arbeitgebern und Regierungen aus Ägypten, Jordanien, Marokko, Tunesien und dem Libanon teil.

 

Brasilien – Gewerkschaftliche Netzwerke in multinationalen Konzernen

Multinationale Konzerne gelten als machtvolle Akteure der Globalisierung, die verbindliche soziale und arbeitspolitische Spielregeln nur begrenzt akzeptieren. Gemeinsam mit deutschen und brasilianischen Gewerkschaften fördert das FES-Landesbüro in Brasilien den Aufbau gewerkschaftlicher Netzwerke innerhalb multinationaler Unternehmen. Die bereits entwickelten Netzwerke erleichtern den Informationsaustausch der ArbeitnehmerInnen zwischen den Standorten, unterstützen die Durchsetzung gewerkschaftlicher Positionen in den Betrieben und stärken die Arbeitnehmerrechte in den brasilianischen Niederlassungen. Sie sind somit ein konkreter Beitrag zu einer transnationalen Solidarität zwischen den ArbeitnehmerInnen eines multinationalen Konzerns.

 

Warschau – Europäische Hausgeräteindustrie und Europäische Betriebsräte (EBR)
Konferenz, 20. November 2007

Polen hat sich seit Ende der 90er Jahre zu einem Produktionszentrum für „Weiße Ware“ und Hausgeräte entwickelt, das jährlich weit über zehn Millionen Großgeräte produziert und mehrheitlich exportiert. Alle wichtigen Konzerne der Hausgeräteindustrie haben sich in Polen aufgrund der gut ausgebildeten Arbeitskräfte niedergelassen. Die Konzerne haben bereits eine hervorragende Logistik aufgebaut, um die Produktion bestimmter Elemente oder Geräte auf verschiedene Länder bzw. Kontinente verteilen zu können. Die Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften und Betriebsräten an den verschiedenen Standorten hat sich jedoch nur unzureichend entwickelt. In manchen Konzernen gibt es weder Betriebsräte noch Gewerkschaften. Vor diesem Hintergrund organisierte die FES gemeinsam mit der Hans-Böckler-Stiftungund dem „Istituto per il Lavoro“ (Bologna) im November 2007 eine Konferenz, die Gewerkschaftsmitglieder aus Polen, Schweden, Ungarn und Deutschland zu einem ersten Erfahrungsaustausch zusammenbrachte. Die Teilnehmenden entwickelten gemeinsame Strategien für die Organisation transnationaler gewerkschaftlicher Netzwerke im Rahmen der Institution des Europäischen Betriebsrats (EBR).

 

Berlin – Total global und doch sozial?
Seminar, 25.- 29. Mai 2008

Weltweit gibt es heute schätzungsweise mehr als 70.000 transnationale Konzerne mit 700.000 Tochtergesellschaften und mehreren Millionen Zulieferern. Ihre stetig wachsende Zahl ist eines der sichtbarsten Anzeichen der fortschreitenden Globalisierung. Doch welche Verantwortung ist mit einer grenzüberschreitenden Tätigkeit von Unternehmen verbunden und wie gehen diese damit um? Immer mehr globale Konzerne berufen sich auf ihre soziale und ökologische Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility – CSR) und gründen oder beteiligen sich an Initiativen, die einen Beitrag zur Lösung von Weltproblemen leisten sollen. Diese CSR-Initiativen werden oft als Hoffnungsträger gefeiert und von Staaten – zum Beispiel im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit – finanziell unterstützt. Doch was ist von solchen freiwilligen Selbstverpflichtungen zu halten? Sind sie reine PR-Maßnahmen zur Imageverbesserung oder sinnvolle Alternativen zu staatlicher Regulierung? Über solche Fragen diskutierten 25 StipendiatenInnen der FES in der Tagungsstätte der Studienförderung mit externen ReferentInnen und im Rahmen eines Planspiels.

 

Bonn – Planspiel „Soziales Europa“
Planspiel, 25.- 29. Februar 2008

Was können wir als ArbeitnehmerInnen tun, damit die BürgerInnen Europa zu ihrer eigenen Angelegenheit machen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Seminars „Die Europäische Union – Wo geht die Reise hin? Wege zu einem sozialen und ökologischen Europa“, das vom Forum NRW der FES organisiert wurde. Im Rahmen des durchgeführten Planspiels „Soziales Europa“ verhandelten 17 TeilnehmerInnen einen Tag lang als VertreterInnen von Regierungen und Arbeitsministerien europäischer Mitgliedsstaaten über eine Resolution zu einem zukünftigen europäischen Mindestlohn. Die simulierten Gespräche, die durch ein internationales Presseteam begleitet wurden, drohten mehrfach an mangelnder Kompromissbereitschaft zu scheitern. Am Ende wurde aber eine Resolution, wenn auch in einer deutlich abgeschwächten Form, unterzeichnet. Die Evaluation der Teilnehmenden zeigte, dass das Planspiel seine Ziele erreicht hat: Es wurde für die Entwicklung eines „Europäischen Sozialstaatsmodells“ geworben und politische Entscheidungsprozesse in den EU-Institutionen wurden nachvollzogen.

 

Brüssel – Perspektive der europäischen Sozialpolitik
Dialogveranstaltung, 23. Januar 2008

Das Foto zeigt Staatssekretär Kajo Wasserhövel.

Über die grundlegenden Probleme der europäischen Sozialpolitik aus deutscher Sicht sprach der Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Kajo Wasserhövel, vor ausgewählten VertreterInnen der EU-Institutionen, Gewerkschaften, Ländervertretungen und weiteren Interessenvertretungen in Brüssel. Der Staatssekretär wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die zukünftigen Herausforderungen europäischer Sozialpolitik in den Bereichen Arbeitszeit, Leiharbeit, Portabilität, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Zuwanderungssteuerung und Mindestlöhne liegen. Er betonte zudem, dass der Kernpunkt einer europäischen Sozialpolitik die Garantie von „guter Arbeit“ sein müsse. „Gute Arbeit“ würde aber nicht nur das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz umfassen, sondern auch eine faire Bezahlung, berufliche Aufstiegschancen, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und eine gute Absicherung durch Sozialversicherungssysteme.

 

Brüssel – Informationsseminare des FES-Europabüros
Informationsseminare, Januar – November 2008

Die Informationsseminare des FES-Europabüros sollen den Dialog mit Entscheidungsträgern aus den EU-Institutionen, Verbänden und Lobbygruppen in Brüssel zu speziellen Themenbereichen fördern. Die SeminarteilnehmerInnen erhalten einen Einblick in politische Entscheidungsprozesse auf europäischer Ebene und können ihre Erfahrungen von der lokalen, regionalen und nationalen Ebene in die Gespräche mit den ReferentInnen aktiv einbringen. Die Seminare richten sich insbesondere an gesellschaftspolitische MultiplikatorInnen, d.h. an FunktionsträgerInnen und Mitglieder in politischen Gremien, Verwaltungen, Gewerkschaften, Betriebsräten, Bürgerinitiativen, Verbänden und sonstigen gesellschaftspolitischen Formationen. Ein thematischer Schwerpunkt der Seminare in 2008 ist die europäische Arbeitswelt:

  • Europas Arbeitsmärkte – Wettstreit oder Kooperation? (27.-30.01.2008)
  • Gute oder schlechte MigrantInnen für die EU? (06.-09.04.2008)
  • Die EU – Spielball internationaler Finanzmärkte? (25.-28.05.2008)
  • Prekär arbeiten, prekär leben – Wie sozial kann Europa sein? (09.-12.11.2008)

 

Warschau – Flexicurity als Teil des Europäischen Wirtschafts- und Sozialmodells
Konferenz, März und Oktober 2007

Differenzierte Beschäftigungsformen im Rahmen von flexibler Arbeitszeitgestaltung werden in den nächsten Jahren eine große Bedeutung für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf dem polnischen Markt haben. Während VertreterInnen des Unternehmerlagers die totale Deregulierung fordern, suchen Gewerkschaften nach Strategien, wie sie den Folgen der bisherigen Liberalisierung – wie Scheinselbständigkeit und befristete Arbeitsverträge – entgegenwirken können. Das in anderen Ländern Europas entwickelte Konzept der „Flexicurity“ scheint dazu geeignet, die erhöhte Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt mit einer angepassten sozialen Absicherung zu verbinden und so die Reform des Arbeitsrechts sozialpolitisch überhaupt erst möglich zu machen. Mit dem Ziel, die Debatte über dieses Thema zu versachlichen, wurden vom FES-Landesbüro in Warschau zwei Veranstaltungen organisiert (erstere in Kooperation mit der Deutsch-Polnischen Juristen-Vereinigung), bei denen VertreterInnen der polnischen Sozialpartner sowie der Wissenschaft in einem offenen Meinungsaustausch ihre Ansichten zur Diskussion stellten.

 

Magdeburg – Flexicurity: Taugt das dänische Modell für den deutschen Arbeitsmarkt?
Tagung, 11. Februar 2008

Globalisierung, technologischer Fortschritt und eine alternde Gesellschaft verändern die Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes. Seit längerem wird „Flexicurity“ als Zauberwort für die Reform der Arbeitsmärkte in Europa diskutiert – und beispielsweise im beschäftigungspolitisch erfolgreichen Dänemark auch bereits praktiziert. Anfang Dezember 2007 haben sich die EU-Arbeits- und Sozialminister auf gemeinsame Grundsätze zu „Flexicurity“ festgelegt, die zukünftig als Bezugspunkt für arbeitsmarktpolitische Reformen in den Mitgliedsstaaten dienen. Auf der vom FES-Landesbüro Sachsen-Anhalt veranstalteten Tagung analysierten VertreterInnen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften die Entwicklung des Konzepts und diskutierten über die Möglichkeit zur Übertragung auf Deutschland.

 

Istanbul – Contract and Agency Labour in Turkey
Konferenz, 31. Januar – 1. Februar 2008

Weltweit verzichten Unternehmen im zunehmenden Maße darauf, ihre MitarbeiterInnen direkt und zeitlich unbefristet einzustellen. Der Rückgriff auf Zeit- und LeiharbeitnehmerInnen ist inzwischen zu einem festen Bestandteil der Personalpolitik vieler Unternehmen geworden. Für die Zeit- und LeiharbeiternehmerInnen bedeutet dies häufig keine oder eine nur geringe Beschäftigungssicherheit, geringere Sozialleistungen und schlechtere Arbeitsbedingungen. Die so entstehende „Zweiklassen-Belegschaft“ ist für Gewerkschaften weltweit ein wichtiges Thema geworden. Im Februar 2008 organisierte die FES in Zusammenarbeit mit der Global Union Federation eine Konferenz zur Zeit- und Leiharbeit in der Türkei. Die Veranstaltung widmete sich vor allem den Folgen der Zeit- und Leiharbeit für die betriebliche Interessenvertretung. Neben einer Analyse der Lage in der Türkei diskutierten über 80 VertreterInnen aus Gewerkschaften, Medien und Wissenschaft den Umgang mit Zeit- und Leiharbeit anhand von Beispielen aus Deutschland, den Niederlanden und Schweden.

 

Tel Aviv – Mindestlohn und Wohlfahrtsstaat
Workshop, 3. April 2008

Das Foto zeigt von rechts nach links: Gérard Bapt (Mitglied der französischen Nationalversammlung), Claus Matecki (Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes), MK Colette Avital (Mitglied der Knesset,  Internationale Sekretärin der Israelischen Arbeitspartei),Daniel Ben Simon (Journalist) , Shraga Brosh (Präsident des Arbeitgeberverbandes 'Manufacutrers Association of Israel', Vorsitzender der 'Federation of the Israeli Economic Organizations' (FIEO)

Israel zählt – trotz beeindruckender volkswirtschaftlichen Leistungen – zu den Industrieländern mit einem sehr großen Gefälle zwischen Arm und Reich. Waren es früher fast ausschließlich Arbeitslose, die unter Armut litten, so gab es 2007 bei 46% in den als arm definierten Familien mindestens ein arbeitendes Familienmitglied. Die steigenden Lebenshaltungskosten, denen eine unbefriedigende Lohnanpassung gegenübersteht, sind verantwortlich für diese Situation. Sozialpolitische Fragen finden in Israel kaum Raum in der öffentlichen Debatte. Das FES-Landesbüro hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, den Dialog über sozialpolitische Problemlösungsansätze zu fördern. In diesem Kontext stand der internationale Expertenworkshop zum Thema „Mindestlohn und Wohlfahrtsstaat“, an dem auch deutsche Gewerkschafter und EU-VertreterInnen teilnahmen.

 

Brasilien / Deutschland/ Indien / Südafrika – Global Labour University

Die Globalisierung verlangt von Gewerkschaften sich mit Fragen auseinandersetzen, die weit über ihr traditionell nationalstaatlich definiertes Handlungsfeld hinausreichen. Den Gewerkschaften mangelt es an gut qualifiziertem Personal, das Strategien und Instrumente einer zeitgemäßen, global orientierten Gewerkschaftsarbeit entwickeln kann. Um Gewerkschaften bei ihrer Personalentwicklung zu unterstützen, haben sich 2004 die ILO, die Universität Kassel, die Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin, die Hans-Böckler-Stiftung, das DGB-Bildungswerk und die FES zusammengefunden und eine virtuelle "Global Labour University“ gegründet. Sie soll jungen GewerkschaftsführerInnen und Nachwuchskräften der sozialen Bewegung fundiertes Wissen über industrielle Beziehungen im Kontext der Globalisierung, Wirtschafts-, Sozial- und Entwicklungspolitik vermitteln.

 

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