ANGELIKA Voll / WERNER Weidenfeld (Hg.):

 

Krisen, Kriege, Konflikte. Die Weltgemeinschaft vor neuen Gefahren

 

Bonn 1999

Verlag für Internationale Politik, 148 S.

 

 

 

In dem Buch sind insgesamt 20 Aufsätze abgedruckt, die in der von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik herausgegebenen „Zeitschrift Internationale Politik“ bereits 1999 erschienen sind. Im Vordergrund stehen die Themenbereiche Internationale Kriminalität, globale Wirtschaft, „Risikostaaten“ und der Nahe Osten. Darüber hinaus werden in kürzerem Umfang die Themen „Information in Echtzeit“, „Bevölkerungswachstum“, „Ökologische Krisen und politische Krisen“, „Hunger und Seuchen“, biologische Waffen, Energieversorgung und „Menschenströme“ behandelt.

 

Zu den Autor zählen u.a. Mitarbeiter politikberatender deutscher und US-amerikanischer Institute, der Staatskretär des Bundesinnenministeriums, Henning Schapper, ein BBC Moderator, ein Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, Klaus Töpfer, Direktor des UNO-Umweltprogramms und Gro Harlem Brundtland, der Direktorin der UNO-Weltgesundheitsorganisation,.

 

In seinem Vorwort schreibt Tilmann Chaldeck, dass das Buch auf die Auswirkungen bestimmter „gewaltig gesteigerter Gefahren“ und „Möglichkeiten, wie ihnen politisch wirksam begegnet werden kann“ aufmerksam machen will. Dies geschieht in größtenteils prägnanter und anschaulicher Form. Das Buch ermöglicht einen schnellen Überblick über das Risikopotenzial der erwähnten Themen.

 

Oliver Roy vom Centre Nationale des Recherches Scientifiques befasst sich mit dem „radikalen Neofundamentalismus“. Er sei aus „Kriegsfreiwilligen hervorgegangen, die in den achtizger Jahren von den Amerikanern, den Saudis und Pakistanern zum Kampf nach Afghanistan geschickt wurden.“ Nach der Niederlage der Roten Armee seien diese Freiwilligen radikalisiert in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Professor Williams von der Pittsburgh Universität fordert, dass das „transnationale organisierte Verbrechen“ von den Regierungen endlich „nicht nur isoliert als ein Problem der staatlichen Polizeibehörden, sondern als ein Problem der nationalen Sicherheit“ eingestuft werden müsse. Auch Klaus Töpfer nimmt eine Erweiterung des Begriffs der nationalen Sicherheit vor. Weil Wasserknappheit, Versteppung und die Reduzierung biologischer Vielfalt zum Anwachsen des Potenzials gewaltsam ausgetragener Konflikte führe, behauptet er, „dass die Pflege der Umwelt ein grundlegender Bestandteil nationaler oder internationaler Sicherheit ist.“ Stefan Angenendt vom Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, der die Problematik von Flucht-  und Migrationsbewegungen beschreibt, und Sven Behrendt vom Centrum für angewandte Politikforschung, der Möglichkeiten der „Reintegration und Prävention von Risikostaaten“ analysiert, weisen auf die Notwendikgeit einer präventiver Politik hin. Für Behrendt kann eine Politik, die auf einer „positiven Konditionalisierung“ und einer differenzierten und intelligenten Sanktionspolitik beruht, die gewaltsame Austragung von Konflikte verhindern.

 

Leider wird im Buch nicht versucht, die spezielle Auswahl der in der Publikation beschriebenen Risiken  zu begründen. Der weltweite Waffenexport, der wachsende Abstand zwischen reichen und armen Ländern und die Ursachen von Bürgerkriegen, werden z.B. nicht oder nur beiläufig behandelt. Es wird kein Bezug genommen auf Entwürfe globaler Agendas, die versuchen, Gefahrenpotenziale und die jeweiligen Lösungsstrategien zu systematiseren. Hierzu zählen u.a. die „Agenda for Peace“ von Bhutros Ghali, der Bericht der Kommission Global Governance, die jährlichen Berichte des World Watch Institutes, die Jahrbücher „Globale Trends“ oder die Veröffentlichungen des Club of Rome. In seinem kurzen Vorwort vom September 1999 nimmt Tilmann Chladeck allerdings insofern eine Gewichtung bzw. Systematisierung von Risiken vor, als er mehrfach auf das Bevölkerungswachstum hinweist. In den einleitenden Sätzen erwähnt er das Erdbeben in der Türkei im August 1999, das wie in einem „Brennspiegel die Problematik, die auf die Menschheit zukommt“ aufzeigt. Nicht die Gefahren als „solche sind neu, vielmehr entsteht ihre dramatische Zuspitzung aus der enormen Zunahme und räumlichen Konzentration der Menschen in diesem Jahrhundert.“ Die wachsende Belastung der Umwelt werde durch „die Konzentration vieler Menschen auf engem Raum“ und den zunehmenden Energieverbrauch („die ständig steigende Zahl von Menschen braucht entsprechend mehr Energie“) verursacht. Der Eindruck entsteht, dass für Chladek das „Bevölkerungswachstum“ die Hauptursache für die „dramatische Zuspitzung“ ist. Zum Glück wird diese zu Recht immer wieder kritisierte vereinfachende Sichtweise, die eine falsche Systematierung globaler Risiken vornimmt, nur in einem Artikel, nämlich demjenigen von Dr. Fleisch, dem Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung aus Hannover, wieder aufgegriffen.

 

 

 

Dieter Reinhardt

Osnabrück